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Bredehorn Mal eben eine E-Mail schreiben oder sich bei Freunden per Whatsapp melden – was für die allermeisten Menschen schon längst alltäglich ist, bleibt Heiner Eilers auf seinem Hof in Bredehorn verwehrt. Schon seit eineinhalb Jahren müssen er und seine vier Kinder komplett auf einen Internetzugang verzichten. Für viele heutzutage kaum vorstellbar. Auch wenn die Leitung verlegt und angeschlossen ist, kommt auf dem Hof einfach nichts an.

Für den Landwirt bedeutete das eine Menge Mehrarbeit. Neugeborene Kälber eben schnell online melden? Geht nicht. Rechnungen begleichen, ohne dafür extra zur Bank fahren zu müssen? Fehlanzeige. Futtermenge berechnen lassen und bestellen? Auch das läuft heutzutage alles über das Internet.

Auch bei Investitionen in den Hof wird es schwierig. „Wenn man neue Technik anschafft, will der Anbieter Fernwartung über das Internet machen“, erklärt Heiner Eilers. Ohne Internetverbindung klappt das natürlich nicht. „Natürlich können die dann auch bei jedem kleinen Fehler rausfahren. Aber das kann kein Mensch bezahlen.“

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Ein weiteres Problem: Auch in der Schule wird mittlerweile vorausgesetzt, dass jeder Haushalt ans Internet angeschlossen ist. „Meine Jüngste kommt jetzt aufs Gymnasium. Bei der Vorstellung hat man uns ungläubig angeschaut: ,Kein Internet? Das gibt’s doch nicht!‘“

Immer wenn Heiner Eilers unbedingt ins Netz muss, fährt er zu seiner Lebensgefährtin. Die wohnt acht Kilometer entfernt. Ein erheblicher Aufwand, nur um ein paar E-Mails zu schreiben. „Ich muss immer woanders hin, sobald ich irgendetwas im Netz machen will.“

Über das Mobilfunknetz kann er auch nicht ins Internet. Zu allem Überfluss liegt sein Hof nämlich auch noch mitten in einem Funkloch. „Wenn ich telefonieren will, muss ich erst einmal den Hof absuchen, bis ich eine Stelle mit Netz gefunden habe.“

Beides zusammen macht dem Landwirt das Leben und die Arbeit schwer. „Man ist zeitlich total am Limit und nicht mehr konkurrenzfähig“, sagt Heiner Eilers.

Wie kann es sein, dass der Hof trotz Anschluss so lange vom World Wide Web abgehängt ist?

„1999 haben wir mit Online-Banking angefangen“, sagt Heiner Eilers. Damals waren sie so etwas wie Vorreiter. Von den anderen Familien in der Gegend hatte da kaum jemand einen Internetzugang. Aber das änderte sich. Immer mehr Haushalte wurden ans Netz angeschlossen und hängen seitdem an der gleichen Leitung wie der Hof Eilers. Bei Heiner Eilers machte sich das bemerkbar: Erst wurde die Verbindungsgeschwindigkeit immer langsamer, dann kam Anfang 2017 überhaupt nichts mehr an.

Besonders bitter: Nur einen Steinwurf entfernt ist die Kreisgrenze zum Ammerland. Dort sind die Höfe alle angeschlossen. „Da hat der Landkreis investiert“, sagt Heiner Eilers. Nur auf der friesischen Seite gibt’s kein Internet. Heiner Eilers sieht vor allem die Politik in der Verantwortung. Er kann sich gut vorstellen, dass es sich für die Netzanbieter nicht lohnt, seinen Hof besser anzuschließen.

Dass der Hof erst spät von neuen technischen Errungenschaften profitiert, hat schon fast so etwas wie Tradition. Heiner Eilers führt den Hof bereits in der fünften Generation. Von seinen Vorfahren weiß er, dass es damals beim Anschluss ans Wassernetz genauso war. Die Familie musste die letzten Meter zum Hof selbst bezahlen. Genauso sei es gewesen, als die Gegend ans Stromnetz angeschlossen wurde. Eine feste Straße zum Hof gibt es erst seit zehn Jahren. Das ist alles ernüchternd und macht zugleich ein bisschen Hoffnung: Es hat zwar immer länger gedauert als bei allen anderen – aber letztendlich kam es.

Und tatsächlich kann Heiner Eilers auf Besserung hoffen: Auch der Landkreis Friesland investiert in den Breitbandausbau. Auf dem Plan steht auch die Adresse von Heiner Eilers. Mit dem Ausbau soll im Herbst begonnen werden.

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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