Bockhorn „Von mir aus könnte der Winter schon wieder zu Ende sein“, sagt Heinz Martin Schekahn. Er sitzt in einem bequemen Ledersessel in seiner Praxis an der Schulstraße in Bockhorn, hinter ihm ein großes Bücherregal, auf der anderen Seite des Raums steht eine kleine Skulptur von Sigmund Freud. Heinz Martin Schekahn ist Psychoanalytiker, und manchmal analysiert er auch sich selbst. „Ich meckere im Januar und Februar auch viel“, sagt er. Und schon geht es los: „In Bayern, da hat man im Winter wenigstens weißen Schnee, der die strahlende Sonne reflektiert. Hier ist monatelang einfach alles nur grau.“

Im Winter leiden viele Menschen unter Stimmungstiefs. Die Erklärung ist simpel: „Uns fehlt einfach das Licht. Ohne Sonnenlicht produzieren wir kein Vitamin D. Außerdem wird zu wenig Serotonin produziert, und das ist das Glückshormon. Stattdessen haben wir viel Melatonin, das wiederum macht müde. So fördert der Mangel an Sonnenlicht depressive Stimmungen.“

Doch für den Psychologen ist es ganz wichtig zu unterscheiden, ob ein Stimmungstief vorliegt, das oft als Winterdepression bezeichnet wird, oder ob es tatsächlich eine Depression ist.

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Wer im Winter oft schlechte Laune hat, weil er die Sonne vermisst, hat es sicher nicht leicht. Doch sich ständig über das Wetter und den Winter zu beschweren, sich damit selbst ständig runterzuziehen und nur das Negative an der kalten Jahreszeit zu sehen, ist vor allem eines: Jammern und Meckern. „Im Winter wird viel gemeckert, und das ist oft einfach eine schlechte Angewohnheit“, sagt Schekahn.

Ursache finden

Manchmal ist es aber mehr als das. Menschen, die kaum noch aus dem Bett kommen, die ständig müde sind, gereizt und traurig, die häufig schlecht schlafen und über Appetitlosigkeit klagen, leiden in einigen Fällen tatsächlich an einer Winterdepression. Aber Vorsicht: „Nur zehn Prozent der Depressionen, die im Winter auftreten, haben ihre Ursache im Winter“, sagt Schekahn. Die Ursache für Depressionen könnten überall liegen. „Es ist wie eine Wut, die ein Mensch unbewusst gegen sich selbst richtet.“ In seiner Praxis in Bockhorn empfängt Heinz Martin Schekahn überwiegend Klienten mit mittelschwerer Depression.

Keine Medikamente

Depressionen werden unterteilt in leicht, mittelschwer und schwer. Das, was der Volksmund als Winterdepression bezeichnet, sei allenfalls eine leichte Depression. „Damit brauchen die Menschen nicht herkommen. Das überwinden die meisten von selbst“, sagt Schekahn. Aber wie?

Eines ist klar: „Ich rate allen mit leichter Depression, auf Medikamente zu verzichten.“ Die Psychopharmaka, die verhindern sollen, dass Serotonin abgebaut wird, seien absolut überflüssig. „Sie zeigen in Studien bei Patienten mit leichter Depression in der Wirkung absolut keinen Unterschied zu Placebos.“ Im Gegenteil: Der Bockhorner Psychologe warnt vor gefährlichen Nebenwirkungen wie innerer Blutungen, emotionaler Affektabstumpfung, Nervosität und Schlafstörungen. „Und bei Kindern und Jugendlichen kann sich durch diese Medikamente sogar die Suizidgefährdung stark erhöhen.“

Für alle Menschen mit anhaltendem Stimmungstief in der kalten Jahreszeit und leichter Winterdepression hat Heinz Martin Schekahn einen konkreten Tipp: „Sorgen Sie gut für sich selbst.“ Wer lerne, sich selbst ernst zu nehmen, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und sich selbst genauso gute Pflege und Liebe entgegenzubringen wie den wichtigen Mitmenschen oder den geliebten Haustieren, erziele schnell Erfolge.

Zeit für sich selbst

„Es geht dabei darum, sich ganz bewusst etwas Gutes zu tun und sich Zeit für sich selbst zu nehmen“, sagt Schekahn. Lange Waldspaziergänge zum Beispiel hätten gleich drei Vorteile: das Sonnenlicht, das auf die Haut fällt, regt die Produktion von Vitamin D an, die frische Luft belebt und die Bewegung fördert den Ausstoß von Endorphinen.

Sich etwas Gutes tun – das kann für jeden etwas anderes sein: ein heißes Bad bei entspannender Musik, ein gutes Buch oder eine Fußmassage. Eines ist aber immer gleich, sagt der Bockhorner Psychologe: „Wir müssen uns gerade im Winter bewusst die Zeit dafür nehmen und uns daran erinnern, gut für uns selbst zu sorgen.“

NWZonline.de/gesundheit
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