Vareler Hafen Wenn Gerald Chmielewski auf der Holzbank vor dem Spijöök am Vareler Hafen sitzt, ist er nicht lange allein. Der Buchhändler kommt vorbei und bringt Wasser mit, Klaus Tellinghusen vom Recyclinghof stellt sein Moped vorm Spijöök ab und schnackt erstmal eine Runde. Oder man sitzt einfach da und guckt aufs Hafenbecken. Während im Spijöök Touristen reichlich Seemannsgarn geboten bekommen, hat sich die schlichte Bierzeltgarnitur vor dem Eingang zum Treffpunkt der Menschen entwickelt, die auf der Hafenseite leben oder arbeiten. Und immer dabei ist Gerald Chmielewski.

Vor 20 Jahren hat er zusammen mit seinem Bruder Iko und anderen Kumpels aus der Aktionsgruppe „Menschenmüll“ das Kuriositätenmuseum gegründet. Den Auftakt für „Menschenmüll“ bildete ein Film über einen Banküberfall, der eigentlich sozialkritisch sein sollte, aber zum reinen Slapstick wurde.

Es folgten das bis heute legendäre Weihnachtstheater im Kurhaus Dangast, der Menschenmüll-Flugtag, Wattgolfen und die Fischerspiele. Später ging „Menschenmüll“ sogar in die Politik und gründete den Verein „Kunstdünger“, der das Spijöök betreibt. „Wir machen das hier alle ehrenamtlich und fördern junge Künstler aus der Region“, berichtet Gerald Chmielewski.

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Als Freiberufler hat er am häufigsten Dienst im Spijöök und erzählt den Besuchern von Admiral Brommys Reisetoilette und vom legendären Polizeimofa, mit dem Varels spektakulären Kuhmorde aufgeklärt wurden.

So mag es Gerald Chmielewski.

Dabei kann Chmielewski sein schauspielerisches Talent so richtig ausleben, das er auch schon in Soaps wie „Richter Alexander Holt“ oder „Niedrig & Kuhnt“ bewiesen hat. Der studierte Grafik-Designer hat aber noch viel mehr drauf: 1992 wurde er zu den weltweit 80 besten Kinderbuch-Illustratoren gekürt, er hat eigene Kinderbücher geschrieben, Schulbücher illustriert, ist zweimal für Hörspiele mit dem Niedersächsischen Medienpreis ausgezeichnet worden und bringt nächste Woche seinen neuen Krimi „Sieben-Wolken-Flieger“ heraus.

Meine Lieblingstasse

Seine Lieblingstasse, ein schwarz-weiß gefleckter Becher mit Kuh innendrin, hat Gerald Chmielewski schon ewig. Sie hat ihn zu seinem Kinderbuchklassiker „Muku Muh, die weiße Kuh und Bingel Bingel, das Schaf mit der Klingel“ inspiriert, in dem das faszinierende Naturphänomen Ebbe und Flut erklärt wird. „Wenn der Kaffee weniger wird, ist das wie Ebbe“, so Chmielewski.

Mein Lieblingsplatz

Die Bank vorm Spijöök ist der absolute Lieblingsplatz. Die schlichte Bierzeltgarnitur ist der Treffpunkt aller, die auf der Seite des Hafenbeckens leben und arbeiten. Kaum hat sich Gerald Chmielewski nach seiner Führung durchs Spijöök dort hingesetzt, kommt auch schon Klaus Tellinghusen auf seinem Moped vorbei, und auch die Frauen und Männer von der Fisch- und der Eisbude, vom Antiquariat und von Bahlsen trifft man dort.

Das mag ich an der NWZ

Die Antwort kommt schnell: das Horoskop in der Nordwest-Zeitung. „Das haut bei mir immer hin“, sagt Gerald Chmielewski. Das Sternzeichen des 60-Jährigen, der am 24. Dezember Geburtstag hat, ist Steinbock. Allerdings träfen die dort vorausgesagten Geschehnisse immer erst zwei Tage später ein, sagt Chmielewski, dafür aber immer sehr zuverlässig. Und auch die Abenteuer des Wikingers Hägar in der NWZ liest Gerald Chmielewski jeden Tag mit Begeisterung.

Das macht mir Sorgen

Bei der Frage nach seinen Sorgen muss Gerald Chmielewski erstmal lange überlegen, während er nach einer Führung durchs Spijöök entspannt auf der Bank sitzt und aufs Vareler Hafenbecken blickt. Im Kuriositätenmuseum Spijöök ist die Welt noch in Ordnung, da zählt nur der Humor, sagt Chmielewski. Dann fällt ihm aber doch noch etwas ein, was ihm Sorge bereitet: „die amerikanische Regierung und der wachsende Rechtspopulismus in Deutschland.“

Das macht mir Freude

Die Frage erübrigt sich, wenn man mit Gerald Chmielewski auf der Holzbank vor dem Spijöök sitzt. „Hier mit Freunden zu sitzen, aufs Wasser zu gucken und sich Geschichten anzuhören, die rund um den Hafen kreisen, das ist das Größte für mich“, sagt Gerald Chmielewski, „das ist pure Inspiration“. Klaus Tellinghusen pflichtet ihm bei. Er sitzt oft mit auf der Bank und hat dem Autoren Chmielewski viele Ideen für seine Krimis geliefert, so auch den Titel „Sieben-Wolken-Flieger“.

Dafür stehe ich nachts auf

Es gibt tatsächlich etwas, für das Gerald Chmielewski nachts aufsteht: Kriminaldokumentationen. „Wenn ich mal nicht schlafen kann, stehe ich mitten in der Nacht auf, fahre den Computer hoch und gucke mir im Internet interessante Kriminaldokumentationen an“, verrät er. Sie liefern ihm viele Inspirationen für seine eigenen Krimis. An Weiterschlafen ist dann allerdings nicht zu denken: „Manchmal fange ich hinterher gleich an zu schreiben“, sagt der Autor.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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