Zetel „Das Problem ist, dass die Leute heute oft nicht mehr in der Lage sind, vernünftig miteinander zu reden“, sagt Rüdiger Dierks. Wenn Laub vom einen ständig in der Auffahrt des anderen liegt, wenn der Nachbar seine Hecke nicht schneidet oder der eine den anderen bei einer Party beleidigt: Es wird oft so lange weiter gestritten, bis einer von beiden vor Gericht ziehen will. Damit die Gerichte aber nicht mit Nachbarschaftsstreitigkeiten überlastet werden, kommen in solchen Fällen die Schiedsleute ins Spiel. Mehr als zehn Jahre lang hat Rüdiger Dierks diese Aufgabe in Zetel übernommen. Im Team mit Ingrid Salamero hat er Hunderte Streitigkeiten geschlichtet. Nun gibt er sein Amt ab.

Zur offiziellen Verabschiedung von Rüdiger Dierks aus dem Amt hatte Bürgermeister Heiner Lauxtermann zu einer Feierstunde ins Schulmuseum eingeladen. Mit dabei waren unter anderem auch der Amtsgerichtsdirektor Jörg Duvenhorst, die Bockhorner Schiedsmänner Günter Hochfeld und Klaus Wenzel sowie Olaf Oetken und Michael Röben vom Ordnungsamt der Gemeinende. Auch der Landes- und Bezirksvorsitzende der Schiedsleute im Landgerichtsbezirk Oldenburg, Reinhard Kropp, nahm an der Feier teil.

Zetels Schiedsfrau Ingrid Salamero hatte dafür gesorgt, dass Rüdiger Dierks mit einem Polizeiwagen von zu Hause abgeholt wurde – und darüber freute er sich wohl mehr als die meisten Menschen, die auf der Rückbank eines Streifenwagens Platz nehmen müssen.

Bei seiner Verabschiedung bekam Rüdiger Dierks Lob in größten Tönen. „Rüdiger hat mit unglaublicher Fähigkeit, Ausdauer, Menschlichkeit und Gewissenhaftigkeit seinen Job ausgeführt“, sagte Bürgermeister Lauxtermann. Die Gemeinde sei ihm sehr zu Dank verpflichtet.

Auch Amtsgerichtsdirektor Duvenhorst sagte, Rüdiger Dierks habe in vorbildlicher Weise seine Aufgabe erfüllt. Rüdiger Dierks fiel der Abschied zwar schwer, doch habe er sich entschieden, dieses Amt, für das man immer für fünf Jahre gewählt wird, im Alter von 75 Jahren abzugeben. „Ich habe das immer gern gemacht“, sagte er.

In diesem Jahr habe es nur sechs offizielle Schiedsverfahren gegeben, was nicht viel ist. Dafür gab es aber 26 sogenannte Tür-und-Angel-Fälle, bei denen die Streitparteien ohne bürokratisches Verfahren beraten wurden. 21 davon waren Nachbarschaftsstreitigkeiten, fünf fielen ins Strafrecht, bei denen es um Beleidigungen, Bedrohungen, Verleumdungen oder leichte Körperverletzungen gehen kann. Bei leichten Handgreiflichkeiten, etwa einer Ohrfeige, bestehe kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung, dann kommen die Schiedsleute zum Einsatz. Meist habe er es zusammen mit Ingrid Salamero geschafft, Streitigkeiten auf vernünftige Art und Weise zu schlichten, was gar nicht so einfach ist, wenn zwei Parteien am Tisch sitzen, die mitunter schon seit Jahren zerstritten sind. „Es gab auch schon Fälle, da musste ich mit der Faust auf den Tisch hauen“, sagt Rüdiger Dierks.

In diesem Sinne wünschte er seinem Nachfolger, dem Zeteler Egon Damrau (67), ein glückliches Händchen bei der wichtigen Arbeit im Zeteler Schiedsleute-Team. Egon Damrau war jahrelang Vorsitzender der Bürgerstiftung Varel-Friesische Wehde und früher Leiter der Pestalozzi-Schule in Varel.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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