Wittmund /Jeverland Der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 72 „Richthofen“, Oberstleutnant Kai Ohlemacher, steckt in der Bredouille: Zum einen muss er das Geschwader so aufstellen und die Flugzeiten seiner Eurofighter so einteilen, dass aus den vorhandenen Ressourcen an Mensch und Material das Optimale herauszuholen ist – ohne dabei auch nur einen Deut an Flugsicherheit preiszugeben. Denn für die Lizenzen und für die Alarmrotte, die die Wittmunder für den nördlichen Bereich der NATO zu stellen hat, ist eine bestimmte Anzahl von Flugbetriebsstunden vorgeschrieben.

Zum anderen sorgen genau dieser Flugbetrieb und die technische Wartung der Kampfjets für einen nicht immer vermeidbaren Lärm – und somit vor allem im Umfeld des Flugplatzes Wittmundhafen und vereinzelt auch aus Jever, Schortens und dem Wangerland für Beschwerden von Bürgern.

In der Summe ist das Beschwerdeaufkommen allerdings rückläufig, sagte Ohlemacher am Donnerstag vor der Lärmschutzkommission in Wittmund. Im vergangenen Jahr habe es etwa 20 Beschwerden gegeben, für das laufende Jahr zeichne sich ein ähnliches Beschwerdeaufkommen ab. Dass das Beschwerdeaufkommen im bundesweiten Vergleich relativ gering ist, liegt vor allem daran, dass rund 60 Prozent des Übungsflugbetriebs über der Nordsee stattfindet.

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Für Unmut sorgt seit einiger Zeit allerdings die Mittagspause – also das Zeitfenster, in der die Maschinen nicht fliegen und die Anwohner vom Fluglärm verschont bleiben. Diese Zeit wurde mit Blick auf den ersten Übungsflug am Morgen und einen weiteren Flug am Nachmittag und der zwischen beiden Flügen erforderlichen Wartung angepasst. Mit der Folge, dass ab 13 Uhr – und nicht wie zuvor erst um 14 Uhr – die Triebwerke wieder laufen. Bei vielen Anwohnern kommt das nicht gut an – sie baten darum, wenigstens bis 13.30 Uhr zu pausieren.

„Uns ist bewusst, dass wir hier Lärm produzieren“, sagte Ohlemacher. Gleichwohl habe das Geschwader einen Auftrag zu erfüllen. Der Kommodore sagte aber zu, das Zeitfenster mit Blick auf die Bedürfnisse der Bürger so gut es eben geht, zu optimieren.

Vor einigen Jahren sah der Flugbetrieb noch ganz anders aus. Vor zehn Jahren, damals noch mit der F4-F „Phantom“, flogen die Wittmunder 8000 Stunden im Jahr, 2017 waren es mit dem Eurofighter 1800 – und davon wiederum nur 1635 am Standort selbst. Lärm verursachen zudem auch geschwaderfremde Maschinen oder Hubschrauber, die zu Bohrplattformen fliegen. „Die Bürger hören Getöse am Himmel – woher das kommt und wer der Verursacher ist, kann der Laie ja oft auch gar nicht wissen“, sagt Ohlemacher.

Vom 20. August bis 14. September wird es sehr ruhig: Der Platz wird zur turnusgemäßen Sanierung der Start- und Landebahn für vier Wochen geschlossen, das Geschwader verlegt in dieser Zeit nach Laage bei Rostock.

In diesem Jahr hat das Geschwader 1385 Stunden in der Luft absolviert, 2500 Flugstunden sind bis Jahresende geplant. Ab Oktober beginnen die Nachtflüge – auch die sind wichtig, um die Lizenzen zu erhalten. Anfang 2019 werden Eurofighter für vier Monate nach Estland verlegt, im Herbst stehen Übungen in Spanien und Israel auf dem Programm.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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