Imad Yatim engagiert sich gerne für andere. Ehrenamtlich hilft der 34-Jährige Flüchtlingen in der Gemeinde Bockhorn. Er begleitet sie zu Ärzten, Behörden und Ämtern und fährt sie zur Tafelausgabe. „Es macht mir Spaß“, sagt der Familienvater. Vor einem Jahr flüchtete Imad Yatim selbst mit seiner Familie aus dem Libanon nach Deutschland. Ihre Zukunft ist ungewiss. Das Asylverfahren läuft.

Druck der Familie

Aufgeweckt erzählt Imad Yatims sechsjähriger Sohn Ali, wie er in Bockhorn bereits Freunde gefunden hat. Er gehe gerne in die Schule, sagt der Erstklässler. Seine Mutter Alia Hussein (31) freut sich, dass es ihren Kindern gut geht. Die junge Frau hält ihren jüngsten Sohn Amir im Arm. Er kam im Mai in Deutschland zur Welt. Von dem Albtraum, der hinter der Familie liegt, bekam er nichts mit.

Alia Hussein ist Sunnitin, ihr Mann Schiit. Eine religiöse Konstellation, die die Familie von Alia Hussein nicht duldet. Gemeinsam mit ihrem Sohn Ali hatte das Ehepaar bis vor einem Jahr in der Hauptstadt Beirut im Libanon gewohnt. Imad Yatim arbeitete nach seinem Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftlehre als Einkäufer in der Elektronikbranche. Alia Hussein war als Bürokauffrau tätig. Mit der Zeit sei der Druck seitens der Familie seiner Frau immer massiver geworden, berichtet Imad Yatim. Ihre Brüder forderten, die Ehe zu beenden. „Wir lebten jeden Tag in Angst“, sagt der Familienvater. Als die Situation unerträglich wurde, fasste die Familie einen Entschluss: Anfang Oktober 2014 flohen sie mit dem Flugzeug aus dem Libanon und ließen ihr altes Leben hinter sich. „Wir hatten keine Wahl“, blickt Imad Yatim zurück.

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Die Familie habe sich bisher in Deutschland sehr gut integriert, freuen sich Bernd Bock von der Bockhorner Flüchtlingshilfe und Flüchtlingshelfer Joachim Burmeister. Es habe sich eine richtige Freundschaft zwischen ihm und der Familie entwickelt, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt sei, sagt Bernd Bock. Er begleitet das Paar und ihre beiden Kinder durch das Asylverfahren. Die Chancen für eine Anerkennung ständen nicht gut, bedauert Bernd Bock. Er hofft auf viele Fürsprecher, die die Familie unterstützen. Jeder, der helfen möchte, könne sich direkt bei ihm melden, sagt Bock.

Jedem, der wie er immer berufstätig war, falle es schwer, nicht arbeiten zu können, beschreibt Imad Yatim seine Situation. Er hofft, möglichst schnell aus der Bedürftigkeit herauszukommen.

Mit Internet viel gelernt

Innerhalb eines Jahres hat Imad Yatim bereits sehr gut Deutsch gelernt. „Ich habe viel übers Internet gelernt“, berichtet er. Auch für einen Integrationskursus der Volkshochschule Wilhelmshaven hat sich der 34-Jährige angemeldet. Zudem ließ der Familienvater seinem Berufsabschluss in Deutschland anerkennen. Mehrere Bewerbungen habe er geschrieben.

Auch seine Frau möchte wieder arbeiten und bemüht sich, Deutsch zu lernen. Wie ihr Mann, hilft auch sie Flüchtlingen, in der Gemeinde anzukommen. Neben seinem Engagement für andere Flüchtlinge besucht Imad Yatim seit kurzem wöchentlich auch eine ältere Dame in Bockhorn, um ihr zuzuhören und sie in die Stadt zu begleiten.

Optimistisch blickt die Familie nach vorne. Doch die Angst, wieder in den Libanon zurückkehren zu müssen, begleitet sie.

Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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