Wangerooge Der Krieg ist vorbei – aber noch einmal droht das Chaos. Zum Glück wird jedoch ein Handstreich der „Spartakisten“ am 10. Januar 1919 durch Wangerooger Bürger vereitelt. Am folgenden Tag verlassen 40 aufständischen Soldaten unverrichteter Dinge die Insel. Der Anführer und frühere Vorsitzender des Soldatenrates Wangeroog, Obermatrose Unasch, muss sich in Wilhelmshaven wegen eigenmächtigen Handelns vor Gericht verantworten.

Der Spartakusbund

Der Spartakusbund: Anhänger der USPD und der aus dem Spartakusbund hervorgegangenen KPD sowie Revolutionäre Obleute entfesseln am 5. Januar 1919 in Berlin einen bewaffneten Aufstand und wollen die Wahlen zur Nationalversammlung boykottieren. Im Zuge antirevolutionärer „Säuberungsaktionen“ durch Regierungstruppen und Freikorps erfolgte wenige Tage später die Ermordung der KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Im Spartakusbund sammeln sich die radikalen Kräfte, die statt einer Demokratie eine Räterepublik nach bolschewistischem Muster anstreben.

Obermatrose Unasch, der bereits am 6. Januar auf der Insel abgesetzt worden war, führt die Aufständischen an, die mit drei Minensuchern von Cuxhaven aus Kurs Wangerooge dampfen. Sie fordern die Herausgabe von 3000 Gewehren, Munition, Minenwerfern, Proviant und Kohlen. Die Waffen sollen angeblich in Bremen zum Einsatz kommen.

Militär bleibt passiv

Inselkommandant Hans Schulte lässt die Seeziel-Geschütze auf der Insel gefechtsklar machen, um Angreifer abzuwehren. Dennoch machen die Schiffe am Ostanleger fest. 40 Soldaten springen an Land. „Die Kommunisten rauben die Arbeiter im Osten aus und besetzen die Jade-Batterie“, weiß Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens. Anführer Unasch erneuert die Forderung, 3000 Gewehre herausgeben.

Das auf Wangerooge verbliebene Militär verhält sich passiv. Die Aufständischen besetzten den Bahnhof, die Signalstation, die Kommandantur und die Post. „Hotelier Kurt Dimmler vom Fresena greift zur Schrotflinte und organisiert mit weiteren, gerade vom Militär entlassenen Wangeroogern den Widerstand“, so Jürgens in seiner „Wangerooger Chronik“ (Band VI).

BILD: Theo Kruse

Inselchronist

Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens (zweiter von links) ist es zu verdanken, dass auch die Ereignisse nach Ende des Ersten Weltkriegs der Nachwelt überliefert werden können. Gegenwärtig arbeitet der 92-Jährige mit seinem Team an der „Wangerooger Chronik“, Band VII. Bei den Führungen durch den Lazarettbunker an der Jadestraße hat er stets eine große Schar aufmerksamer Zuhörer.

„Arno Deichsler nimmt dem Anführer der Überfallkommandos, Unasch, die Pistole weg, als er sich für den Tresor der Garnisonkasse interessiert“, schildert Jürgens die dramatischen Ereignisse von Januar 1919 auf der Insel Wangerooge.

Inzwischen haben die Minensucher zum Marinenanleger (heute Westanleger) verholt. Die Geschütze von Wangerooge haben die Schiffe im Visier.

Schiffe im Visier

Die Besatzungen, die zu dem Handstreich gezwungen worden waren, verlassen mit den Booten erleichtert die Insel Richtung Cuxhaven. Die 40 Aufständischen des Spartakusbundes treten auf dem Gemeindedampfer „Harle“ mit leeren Händen den Rückweg nach Carolinensiel an. Der Handstreich der Spartakisten wird vereitelt; 3000 Gewehre bleiben unter Verschluss.

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