Es wird fleißig gearbeitet in einem abgeteilten Bereich des sozialen Kaufhauses der Diakonie am Brauerweg in Schortens: Die Nähmaschinen surren.

Sechs Migrantinnen sind dort fünf Tage pro Woche jeweils vier Stunden an der Nähmaschine aktiv. Sie nähen hier Dinge für den eigenen Bedarf, aber auch Sachen für die Diakonie. Geleitet wird die Gruppe von Ghaydaa Hassoun, die eigentlich Lehrerin ist und sehr schnell gelernt hat, fließend Deutsch zu sprechen.

Seit 15. April läuft das Projekt Nähwerkstatt des Jobcenters Friesland. Ziel ist, die Frauen, die aus Nahost stammen, aus den Familien und vor allem aus den für diese Länder typischen hierarchischen Strukturen zu holen, erklärt Jobcenter-Leiter Andreas Bruns.

„Für die Teilnehmerinnen stellt das Projekt einen Ort dar, an dem sie sich treffen, gemeinsam nähen, sich in deutscher Sprache unterhalten und sich unter Anleitung einer pädagogisch geschulten Fachkraft dem Ziel nähern, mit Hilfe des Projekts eine Arbeit zu suchen und aufzunehmen“, sagt Bruns.

Aufs Nähen verfiel man bei Konzeption des Kurses gemeinsam mit der Diakonie Friesland-Wilhelmshaven, weil das ohnehin frauentypisch sei.

Da es in vielen der Herkunftsländer das Rollenbild der Frau ist, sich auf den häuslichen Bereich zu beschränken, kann durch die Werkstatt den Frauen nahegebracht werden, dass es in Deutschland völlig normal ist, dass Frauen auch berufstätig sind. „Durch ihre Tätigkeit hier können sie in kleinen Schritten an eine Berufstätigkeit herangeführt werden. Gleichzeitig werden sie animiert, Deutsch zu sprechen, da sie aus unterschiedlichen Ländern kommen“, so Bruns.

Ein Glücksfall sowohl fürs Jobcenter als auch für die Kursteilnehmerinnen ist Syrerin Ghaydaa Hassoun: Sie kam 2016 nach Deutschland und hat sich perfekt integriert. „An ihr erleben die anderen Frauen, wie Integration funktioniert. Es ist eine Eingliederung der kleinen Schritte“, sagt Bruns.

Und dadurch, dass die Frauen zu Hause etwas vorweisen können – Selbstgenähtes nämlich – werde auch die Akzeptanz und Anerkennung der Männer der Familie erhöht.

Das Projekt soll durch weiterführende Sprachkurse noch ergänzt werden. Zehn Plätze werden vom Jobcenter gefördert und das Projekt ist zunächst für zwei Jahre angelegt, so Bruns. Zwei Plätze sind zurzeit frei und werden übers Jobcenter vergeben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

NWZONLINE-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten.
Meine E-Mail wird nur zu diesem Zweck verwendet.
Einwilligung jederzeit wider­rufbar, Abmeldelink in jeder E-Mail. Die Datenschutz­erklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.