Neustadtgödens Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts galt Neustadtgödens als wirtschaftlicher Motor für die Region: „Hierher zog es innovative Leute genauso wie Desperados, die anderswo Schwierigkeiten hatten, Fuß zu fassen.“ Das berichtete Stephan Horschitz, Leiter des Museums im Landrichterhaus, aus der Geschichte des Fleckens.

Als Kurator der Sonderausstellung „Leinenlos“ im Landrichterhaus informierte er über die Anfänge und weitere Entwicklung von Neustadtgödens in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Die Ausstellung „Leinenlos“ umfasst drei große Kapitel.

Neustadtgödens’ Entwicklung geschah unterm Dach der Herrschaft von Gödens, die alles daran gesetzt habe, „hier am äußersten Rand der bewohnbaren Welt, von Sturmfluten gebeutelt, sich ökonomisch und politisch gegenüber dem ostfriesischen Grafenhaus zu behaupten“.

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In Neustadtgödens wurden so viele Steuern bezahlt wie nirgends sonst in Ostfriesland, was auch die Herrschenden auf Schloss Gödens immer reicher und selbstbewusster werden ließ, berichtete Horschitz. Ökonomische Weitsicht, eine liberalere Zuwanderungspolitik und religiöse – gleichwohl eng definierte – Freiheiten schufen einen ganz eigenen Mikrokosmos, der sehr attraktiv auf die Menschen wirkte. „Im Ministaat Herrlichkeit Gödens mit höchstens 400 Einwohnern in der Grafschaft Ostfriesland, gelang den damaligen Häuptlingen zu Gödens, den größten Handelsfleckens am Jadebusen zu errichten.“

Dem folgte die Eindeichung, der Neustadtgödens seine Gründung verdankt. 50 Jahre später schnitt der von den Oldenburgern gebaute Ellenserdamm den Hafen von der Nordsee ab. Gödens gelang es, über das Reichskammergericht in Speyer, dass die Neustädter Schiffe die 1615 fertiggestellte Sielanlage des Ellenserdamms kostenfrei nutzen durften – das brachte nochmals enormen wirtschaftlichen Schwung. Zudem stand das Gericht der Herrlichkeit zu, dass alle Waren die ein- und ausgeführt wurden, zollfrei passieren durften und keine weiteren Kosten für die Instandhaltung der Siel­anlage anfallen würden.

„Neustadtgödens ist die einzige Plansiedlung dieser Zeit an der Nordseeküste“, sagte Horschitz. Einzig gebaut, um Handel und Gewerbe anzusiedeln. Schon bei seiner Anlage vor 475 Jahren wurde Platz für Bleichflächen gelassen. Mennonitische Flüchtlinge brachten auch das Handwerk des Leinenwebens und ihre wichtigen Geschäftsbeziehungen vor allem in die Niederlande mit. Durch die Kontakte der mennonitischen Leinenweber und Händler (auch Reeder genannt), belieferte man nicht nur die regionalen, sondern vor allem die internationalen Märkte, was eine enorme Ausweitung der Produktion mit sich brachte, die erst mit der vertrackten Steuerpolitik des „Alten Fritz“ von Preußen zu Ende ging.

Viel Lob für die engagierten Neustadtgödenser hatte der Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft Dr. Michael Brandt mitgebracht: Es gebe Hoffnung für die zukunftsfähige Ausrichtung – wenn man sich zusammenraufe, um dem Abfluss der Infrastruktur entgegenzutreten. Stellvertretender Landrat Reinhard Onnen-Lübben wünschte, dass Schule, Kirche, Krug und Feuerwehr erhalten bleiben und sich Neustadtgödens als schönstes Dorf Friesland erhält.

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