Neuenburg Was muss sich ändern, damit Frauen irgendwann nicht mehr von Altersarmut bedroht sind? Damit sie ihr Leben lang genauso viel verdienen wie Männer? Antworten auf diese Fragen geben die Equal-Pay-Beraterinnen des Landfrauenverbandes. Eine von ihnen ist Ingrid Janßen. Die 58-Jährige aus Obenstrohe kommt am Mittwoch, 19. September, mit einem Vortrag nach Neuenburg. Ihr Thema: Die drei „K“ – Kinder, Küche, Karriere? Ansichten von Gestern, Tatsachen von Heute, Visionen von Morgen.

Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer gleich, aber nicht auf dem Lohnzettel, das bedeutet nicht nur weniger Anerkennung, sondern auch eine niedrigere Rente und die Gefahr von Altersarmut für Frauen. Equal-Pay-Beraterinnen wollen über Ursachen und Folgen dieser Lohnungleichheit aufklären. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im Vorburger Hof in Neuenburg.

Abhängigkeit der Frau

Über die Referentin

Ingrid Janßen ist 58 Jahre alt und führt mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in Obenstrohe. Sie ist gelernte Technische Zeichnerin und Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

In ihrer Doppelfunktion als Equal-Pay-Beraterin und stellvertretende Vorsitzende des Kreislandfrauen-Verbandes Ammerland und Friesland-Süd organisiert sie Veranstaltungen und arbeitet eng mit den örtlichen Gleichstellungsbeauftragten zusammen. In Vorträgen vermittelt sie, wie sich Lebens- und Berufsentscheidungen auf den Alltag von Frauen und deren Familien sowie die Altersversorgung auswirken. Erreichbar ist sie per Mail an ingridjanssen@ewetel.net.

„Schon vor 30 Jahren habe ich es als ungerecht empfunden, dass Männer besser bezahlt werden als Frauen und Frauen über das ganze Erwerbsleben hinweg erheblich weniger verdienen als Männer. Und bis jetzt hat sich daran nichts geändert“, sagt Ingrid Janßen. Das Problem ist tief verwurzelt in der Gesellschaft: Das traditionelle Rollenverständnis und Partnerschaftskonzept, in der sich die Frau als Mutter, die nicht unbedingt (in Vollzeit) arbeiten muss, identifiziert, sei noch heute weit verbreitet. „Viele Frauen entscheiden sich, nicht mehr zu arbeiten, weil es sich nach Abzug der Steuern nicht mehr lohnt, und bleiben dann zu Hause und kümmern sich um die Familie. Die Konsequenz ist, dass sie keine ausreichende Alterssicherung haben. Wenn die Ehe dann in die Brüche geht oder der Partner krank wird, kann das zu sehr großen finanziellen Problemen führen. Die Frauen vergessen, in was für eine Abhängigkeit sie sich begeben, wenn sie nicht arbeiten“, sagt Ingrid Janßen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Sie hofft, dass sich das Selbstverständnis der Frauen ändert. „Das Problem vieler Frauen beginnt ja schon mit der Berufswahl. Viel mehr Frauen könnten in technische Berufe gehen und in das Ingenieurwesen.“ Ingrid Janßen selbst hat Technische Zeichnerin gelernt.

Wenn Frauen von vornherein nur Berufe für sich in Betracht ziehen, in denen sie nicht sehr viel verdienen, etwa Pflegeberufe, Friseurin oder auch andere Branchen, in denen es viele Teilzeit- und Minijobs gibt, schränkten sie sich selbst von vornherein ein. „Frauen sollten sich einfach viel mehr zutrauen.“ Und dann ist da noch das Problem mit dem Image in solchen Berufen. „Die Leistung von Frauen wird oft unterbewertet, vor allem, weil sie oft in Minijobs und Teilzeit steckenbleiben. Da wird gar nicht gesehen, was die Frauen leisten können.“ Selbstbewusstsein ist das Stichwort, auch wenn es darum geht, für eine gerechte Bezahlung zu kämpfen.

Die Frauen, die jetzt zum Vortrag nach Neuenburg kommen, können vielleicht ihr Leben nicht mehr ändern. „Aber sie können das Leben ihrer Enkelkinder beeinflussen. Sie können Mädchen und jungen Frauen Mut machen.“ Manchmal reicht es auch schon aus, Verständnis dafür zu entwickeln, dass die Töchter oder Enkeltöchter ihre eigene Erwerbsbiografie kritischer und gewissenhafter betrachten als ihre Mütter und Großmütter es getan haben.

Problem der Gesellschaft

„Ich hoffe aber auch, dass auch junge Frauen zum Vortrag nach Neuenburg kommen. Ich möchte ihnen Mut machen. Deswegen möchte ich auch gerne noch an Schulen gehen als Equal-Pay-Beraterin. Und dabei geht es nicht nur um die jungen Frauen, sondern auch um die Jungs und jungen Männer. Auch sie müssen dafür sensibilisiert werden, dass Berufstätigkeit auch für Frauen wichtig ist.“ Wenn das gelinge, könnte sich in der Gesellschaft etwas ändern. „Wenn wir jetzt nichts tun, wird es auch in 30 Jahren noch so sein, dass Altersarmut vor allem weiblich ist“, sagt Ingrid Janßen.

Für Frauen, die keine Karriere anstreben, sondern sich hauptsächlich in der Mutterrolle sehen, hat Ingrid Janssen auch einen Rat: „Man muss sich absichern. Das geht zum Beispiel mit einem Ehevertrag. Ich würde diese Frauen außerdem darauf aufmerksam machen, dass eine lange Auszeit vom Beruf den Wiedereinstieg ganz schwierig macht. Denn in dieser Zeit hat sich im Beruf sehr viel verändert. Ich würde Müttern raten, sich eine Erwerbsmöglichkeit zu suchen, bei der sie stundenweise tätig sein oder von zu Hause arbeiten können. Dann fällt der Wiedereinstieg in den Beruf leichter.“ Eines ist sicher: „Frauen müssen sich klar machen, dass sie für ihre eigene Altersvorsorge verantwortlich sind, dass sie ein selbstständiges und unabhängiges Leben führen müssen, wenn sie vermeiden wollen, in der Altersarmut zu enden.“

Große Ziele

Ingrid Janßen ist sicher: „Die Frauen müssen das einfordern, sie müssen sich selbst dafür einsetzen, dass sie gerecht bezahlt werden, sonst tut das nämlich keiner.“ Außer natürlich die Equal-Pay-Beraterinnen des Landfrauenvereins wie Ingrid Janßen.

„Ich möchte auch mit Politikern, mit Gewerkschaftern und Firmen über dieses Thema sprechen, damit da etwas angeschoben werden kann und damit wir dafür sensibilisieren können. Es handelt sich schließlich um 50 Prozent der Bevölkerung und die darf man nicht vergessen, vor allem, wenn es um Fachkräftemangel geht.“

UMFRAGE
Machen Sie mit beim großen Friesland-Check. Was gefällt Ihnen an Ihrer Gemeinde/Stadt und wo sehen Sie Verbesserungspotential?

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.