Betrifft: „Johann-Ahlers-Haus: Hitzige Debatte über Neubau-Pläne“, NWZ  vom 19. Juli 2013

Die Atmosphäre war an diesem Abend anfangs gespannt, diese Spannung wich aber nach und nach, weil der Ton immer ziviler wurde. Die Ratsmitglieder gaben zu jeder Frage ihre Statements ab, die aber in den meisten Fällen in der Antwort mündeten: alles ist mit dem Denkmalpfleger abgestimmt worden.

Alle haben sich bei der Abstimmung über den Entwurf des Bebauungsplans 26 und den geplanten Neubau auf die fachmännischen Aussagen des Denkmalpflegers verlassen. Entsprechend ist auch die Abstimmung ausgefallen.

Man kann aber auch feststellen, dass – mit der Gebiets- und Verwaltungsreform der früheren Landesregierung – bei der bis dahin ganz guten Struktur, insbesondere der Denkmalpflege, etwas „schief“ gelaufen ist. Die untere Denkmalspflege ist jetzt im örtlichen Bereich federführend.

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Das hat dazu geführt, dass sich bei den denkmalpflegerisch Tätigen auch die Ansichten geändert haben müssen. Der bislang feinfühlige Behördenchef (. . .) hat seine Feinfühligkeit in Baugestaltung, was man auch in der Innenstadt sehen kann, vor allem aber bei dem Eingriff in ein Gartendenkmal von hohem Rang gänzlich verloren.

Infolge seiner Expertisen haben die Ratsmitglieder einen Beschluss gefasst, der einen Teil der historischen Wallanlagen zerstören wird. Zudem wird hier (. . .) ein Gebäude hineingebaut, das den Vorgaben des früher über ihm angesiedelten Denkmalpflegers weder in Höhe, Größe, Masse, Material und Farbgebung entspricht. An die Ratsmitglieder ergeht die Bitte: Wir wollen nicht „deren Dorf“, sondern unsere schöne Stadt Jever behalten!

Udo Kraft Jever

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie und das ist auch gut so, denn sie hat gravierende Vorteile. Die Bürger delegieren die Verantwortung in Personen ihres Vertrauens. Nicht mehr jeder muss sich um alles kümmern.

Wenn die Bürger allerdings das Vertrauen verlieren, werden sie aktiv (manchmal eben vor Toresschluss); z. B. dann, wenn sie erkennen müssen, dass sie historisches Kapital (. . .) nach und nach verlieren.

So fügt sich das St. Annen-Quartier alles andere als harmonisch ins Stadtbild ein, und an den Wallanlagen wird hier und da geknabbert. Dazu wird auch das geplante Johann-Ahlers-Haus beitragen.

Die Bürger werden sich noch über die Wuchtigkeit bei einer Traufhöhe von 8 Metern und einer Firsthöhe, die noch darüber hinausgeht, wundern, ganz zu schweigen vom Bauvolumen und der Farbgebung. So werden die Schätze, von denen Jever noch zehrt, nach und nach verspielt und die Kommune wird zu einer geschichtslosen und gesichtslosen Stadt.

Das gewachsene Bild der Stadt zu erhalten, sollte der Rat zur Maßgabe seines Handelns machen und nicht danach Ausschau halten, was der Denkmalschutz alles genehmigt. Leitbilder spielen in Kommunen längst eine große Rolle. Leitbilder konkretisieren das Selbstverständnis der Bürger von ihrer Stadt, sind aber auch Vorstellungen davon, wohin sich eine Stadt entwickeln sollte.

Verbindliche Leitbilder ermöglichen, Entscheidungen schneller, zielgerichteter, weitsichtiger zu treffen und abzuschätzen, wofür die knappen Ressourcen eingesetzt werden sollen. Es ist noch nicht zu spät, den Gang zu einer gesichtslosen Stadt aufzuhalten: Nein zum Neubau des Johann-Ahlers-Hauses! Für den Erhalt des historischen Stadtbildes!

Prof. Dr. Heinz Sahner Jever

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