Jever „Wilhelmshaven und Friesland waren in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg die wohl größte Baustelle der Welt.“ Das schilderte Hartmut Peters in seinem Vortrag im Schloss Jever über die „Militarisierung der Region Friesland Wilhelmshaven vor dem Zweiten Weltkrieg“ anschaulich. Aber auch die Militarisierung aller Lebensbereiche in der Zeit des Nationalsozialismus hat er untersucht.

Die Ausstellung

„Aufrüstung, Krieg und Befreiung im Jeverland: 1933 bis 1945“ ist im Gröschler-Haus Jever an der Großen Wasserpfortstraße 19 in Jever zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags und freitags von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr sowie für Gruppen nach Absprache über info@groeschlerhaus.eu. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Ein weiterer Vortrag folgt am 17. September, 19.30 Uhr, im Gröschler-Haus: Heiko M. Pannbacker berichtet mit Musik und Filmausschnitten über „Wie der Jazz unter die Nazis fiel“. Pannbacker ist Historiker und Jazzexperte.

Schon Anfang der 1920er Jahre hatten hier in der Region völkisch-nationale Gruppierungen starken Zulauf, berichtete der Lokalhistoriker. Das verstärkte sich am Ende der Weimarer Republik. Im Jeverland hatte die NSDAP mehr als 20 Prozent mehr Stimmen als im gesamten Reichsgebiet. Und im Staat Oldenburg konnte die NSDAP zusammen mit der DNVP schon im Jahr 1932 „die Macht ergreifen“.

Und als die Nazis dann auch in Berlin die Macht hatten, begann hier in der Region eine Bautätigkeit, die auch heute noch unvorstellbar ist.

Der Hafen Wilhelmshavens wurde zu einem Kriegshafen umgebaut. Und es bestanden Pläne, den gesamten Bereich der Innenstadt der Marine zuzuschlagen. Dort sollte ein Marineforum entstehen, das nur in Teilen realisiert wurde.

Die Planung sah vor, dass Wilhelmshaven auf 500 000 Einwohner anwachsen sollte. Satellitenstädte wie Fedderwardergroden mit 20 000 Wohnungen wurden geplant und teilweise auch realisiert. das Wilhelmshavener Gebiet reichte bis Jever – das Städtchen wurde zum Vorort.

Parallel dazu baute das NS-Regime den Flugplatz Upjever mitten in den Upjeverschen Forst, der 1936 mit großen Aufmärschen eingeweiht wurde. Und auch das Kreishaus in Jever entstand in dieser Zeit.

„Diese riesigen Projekte führten natürlich dazu, dass die Region wirtschaftlich enorm profitierte, gleichzeitig wurden alle gesellschaftlichen Bereiche mit der NS-Ideologie überzogen“, so Peters. Und es hätte jedem klar sein können, dass diese Kosten den Staat in eine Verschuldung trieben, die nur durch Krieg und Eroberung aufgehoben werden konnte.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

NWZONLINE-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten.
Meine E-Mail wird nur zu diesem Zweck verwendet.
Einwilligung jederzeit wider­rufbar, Abmeldelink in jeder E-Mail. Die Datenschutz­erklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.