Jever /Halle „Das ist eine ganz neue Qualität der Gewalt“, sagt Volker Landig: Er ist entsetzt über den Anschlag in Halle, bei dem am Mittwoch ein schwerbewaffneter Mann versucht hat, die Synagoge zu stürmen. Der 27 Jahre alte Deutsche hat zwei Menschen erschossen. Sein Plan war offenbar, Sprengsätze in der Synagoge zum Detonieren zu bringen.

„In diesem Ausmaß hatten wir noch keine Anschläge auf jüdische Einrichtungen“, sagt Volker Landig, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und engagiert im Gröschler-Haus Jever – Zentrum für Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region in Jever.

„Ich habe damit gerechnet, dass früher oder später so etwas passiert in Deutschland – mich hat der Anschlag in Halle nicht überrascht“, sagt auch Hartmut Peters, Motor und Gründer des Gröschler-Hauses: „Spätestens seit den NSU-Anschlägen ist doch offensichtlich, wohin es mit unserer Gesellschaft geht“, sagt Peters.

Deshalb sei nun wichtig, dass die demokratische Gesellschaft Deutschlands zusammensteht. „Wir müssen unsere Solidarität mit den Opfern – mit der Zielgruppe jüdische Gemeinden – deutlich machen“, betont Peters. Und: „Antisemitismus wird es immer geben – leider. Umso wichtiger ist, dass wir Gesicht und Flagge zeigen und klar machen, dass wir Antisemitismus und Gewalt ablehnen“, so Peters.

Das Gröschler-Haus im Zentrum Jevers, das auf den Grundmauern der 1938 von den jeverschen Nazis angezündeten Synagoge steht, aber auch der jüdische Friedhof in Schenum werden in den nächsten Wochen verstärkt von der Polizei in den Blick genommen. „Wir werden abwarten und beobachten“, sagt Landig.

Mehrfach gab es bereits Hakenkreuz-Schmierereien am Gröschler-Haus selbst, aber auch an den Hinweisschildern und sogar auf der Bronzeplatte, die an die einstige Synagoge erinnert. „Wir sollen hier in Jever nichts dramatisieren“, betont Landig. Doch er und die Mitglieder des Arbeitskreises Gröschler-Haus sehen eine Zunahme von Schmierereien und Randale.

Ein vorläufiger Höhepunkt war, als 2018 Unbekannte 70 weiße Rosen, die am 9. November bei der Verlesung der Opfernamen an der Gedenkstätte für die ermordeten Juden Jevers an der Mauer des Amtsgerichts niedergelegt worden waren, bis auf wenige gestohlen und in der Umgebung verstreut wurden. „Das war dumm und dreist, muss aber als symbolischer Akt bewertet werden“, sagt Landig.

Sehr betroffen gemacht hat ihn außerdem, dass ein junger Mann, der vor dem Gröschler-Haus Unkraut aus dem Pflaster gekratzt hat, von vorbeikommenden Jeveranern angemacht wurde: „Sie sagten, er solle sich schämen, dass er für die Kommunisten arbeitet“, berichtet Landig. Er schließt daraus: „Das geht zurzeit alles in dieselbe Richtung.“

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Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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