Horumersiel Was war es, was am 9. November 1989 abends die Westdeutschen vor den Fernseher bannte oder sie dazu trieb, ins Auto zu steigen und nach Berlin zu fahren. . . Für Alice Brandenburg-Bienek, die damals mit ihrer Familie in Westberlin lebte, war der Abend, als die DDR ihre Schlagbäume öffneten, ein Ereignis voll grenzenloser Euphorie und Glück, aber auch voller Angst.

„Wir hatten in Westberlin große Angst vor bewaffneten Auseinandersetzungen“, erinnerte sie sich am Samstagabend im Kursaal Horumersiel. Und deshalb flossen bei ihr einfach die Tränen – und ihre damals neun Jahre alte Tochter fragte, „Mama, haben wir Krieg?“.

Mit knapp 100 Gästen feierte die CDU Wangerland dort den 30. Tag des Falls der Berliner Mauer. CDU-Vorsitzende Brandenburg-Bienek hatte in Pfarrer Lars Bratke, Schauspielerin Stephanie Trapp und Karin Mennen Menschen dazu eingeladen, die Einblicke ins deutsch-deutsche Erleben aus erster Hand geben konnten.

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Brandenburg-Bienek verbrachte die Nacht des Mauerfalls mit ihrer Tochter am Grenzübergang nahe des Flughafens Schönefeld damit, „Trabis zu beklopfen wie bekloppt und Sekt und Mettwurst zu teilen“.

Künstlerin Karin Mennen, damals im Studium, hatte viele Freunde in Westberlin, die sich so dem Wehrdienst entzogen. Und so fuhr sie kurzentschlossen nach dem Fall der Mauer nach Berlin. „Die Stimmung war euphorisch bis aggressiv – ich hatte durchaus auch Angst“, erzählt sie rückblickend. Berauscht vom Erlebten begann sie zurück in Düsseldorf zu malen. 30 Bilder sind entstanden. „Eine schnelle, expressive Nacharbeit – mein visuelles Tagebuch“, sagt sie. Und ihre Bilder spiegeln wieder, wie bedrohlich sie als junge Frau die Situation in Berlin empfunden hat.

Schauspielerin Stephanie Trapp erzählte von Axel aus Arnstadt in Thüringen – ihr Freund aus Kindertagen, als ihre Eltern und sie oft die Freundin ihrer Mutter in der DDR besuchten. Von ihm erfuhr sie, wovor der „imperialistische Schutzwall“ beschützen soll: „Vor dem Klassenfeind – Dir.“ „Wir fanden die Mauer als Kinder völlig blödsinnig“, berichtete die 54-Jährige; als junge Frau, als sie 1986 die Berliner Mauer erstmals bewusst wahrnahm, fand sie das Bauwerk „abstrus und komplett unmenschlich“.

Die Freundschaft zu Axel schlief lange vor dem Mauerfall ein – „unsere Mütter hatten sich plötzlich nicht mehr lieb“. Doch 1990 stand Axel plötzlich vor ihrer Tür. „Es ging ihm immer um die persönliche Freiheit, dahin gehen zu können, wo man will – wenn man denn möchte“, sagte Stephanie Trapp. Ihr Axel lebt noch immer in Arnstadt. Seit 1990 haben sich die beiden nicht mehr gesehen – doch zur Vorbereitung auf den Abend in Horumersiel machte Stephanie Trapp ihn ausfindig. „Wir haben lange telefoniert“ – und nun wird es auch ein Wiedersehen geben.

Wangerlands Bürgermeister Björn Mühlena und die stv. Landrätin Marianne Kaiser-Fuchs riefen in ihren Grußworten dazu auf, das Verbindende zwischen Ost und West zu sehen und nicht die Unterschiede.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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