Horsten Er war eine Legende: Robert de Taube, langjähriger Inhaber des Horster Grashauses. Er hat den Holocaust in Berlin als Illegaler überlebte und ist nach dem Krieg auf seinen Hof in Horsten zurückgekehrt. Unter den Namen „Das offene Versteck“ ist jetzt sein Buch erschienen, das auf drei kürzlich aufgetauchten Audi-Kassetten basiert. Das Buch wird an diesem Dienstag um 11 Uhr im Horster Grashaus in Horsten vorgestellt.

Robert de Taube, der langjährige Inhaber des Horster Grashauses, starb 1982 im Alter von 85 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits eine lebende Legende. Den nationalsozialistischen Mördern entkommen zu sein, im Chaos des Kriegsendes die geraubten Besitztümer zurückgefordert zu haben und inmitten der Täter und Mitläufer den größten Bauernhof weit und breit erneut zu bewirtschaften, machte nur einen Teil seiner Bekanntheit aus.

„Sein Charisma stand in einem seltenen Kontrast zu seiner bäuerischen Bodenständigkeit“, sagt Hartmut Peters, Herausgeber des Buches, „aber zum Gespräch machte diesen fast einzigen Holocaust-Überlebenden weit und breit, was er über die Nazi-Zeit erzählte – oder eher nicht erzählte“.

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2018 kamen in Kentucky, USA, drei Audio-Kassetten ans Licht. Auf ihnen schildert Robert de Taube ausführlich seine Überlebensgeschichte. Sie beginnt mit den Verbrechen der Pogromnacht vom 9. November 1938 auf dem Grashaus und in Neustadtgödens.

De Taube berichtet anschließend von seiner Verschleppung in das KZ Sachsenhausen, von den vergeblichen Bemühungen, ein rettendes Exilland zu finden, und vom Raub des Eigentums durch die Nationalsozialisten, die ihn 1940 nach Berlin vertrieben. Während die Deportationszüge nach Auschwitz rollten, versteckte er sich auf den Straßen der Reichshauptstadt Berlin und in den Waggons der Stadtbahn.

Er fuhr als „Landschaftsgärtner August Schneider aus Hamburg“ kreuz und quer durch Berlin bis hin zu den Vororten Beelitz und Bernau. Er handelte mit Gemüse, Obst und Kleidung, arbeitete als Gärtner und Hausmeister und wechselte ständig seinen nächtlichen Unterschlupf. „Töchter aus Nazi-Familien verliebten sich in ihn“, weiß Hartmut Peters. Im Villenviertel von Grunewald fand der Landwirt aus Ostfriesland seine beste Bastion. „Ohne mutige Unterstützer hätte er nicht überlebt“, ist sich Hartmut Peters sicher.

Nach der Befreiung 1945 wollte Robert de Taube sofort zurück auf seinen Gutshof und nahm den langwierigen Kampf um die Wiedererlangung des geraubten Besitzes auf. „Sein Bericht zeugt von Klugheit, Leid und Glück in den Zeiten des Holocausts – und vom Preis, den die permanente Wachsamkeit vor der SS und die Entscheidung, im Land der Täter zu bleiben, forderten“, sagt Hartmut Peters: „Robert de Taube hat einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von ,Heimat’ geschaffen.“

Hartmut Peters hat den Bericht kommentiert und mit einer Einleitung versehen. Er stellt das Buch und die langen Recherchen kurz vor. Für ihn ist es selbstverständlich, dass die erste Präsentation des Buches im Gutshaus des Horster Grashauses erfolgt, wo sich heute das Cafe „Best Stuuv“ befindet und wo die SA 1938 mit Gewalt eingedrungen war.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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