Zetel Ausgerechnet in der Adolf-Hitler-Straße fand die Verhaftung statt: Nach dem gescheiterten Attentat auf den Diktator Adolf Hitler am 20. Juli 1944 – vor genau 69 Jahren – setzte eine Verhaftungswelle ein, die auch einen unbescholtenen Zeteler Bürger nicht verschonte: Schergen der Nationalsozialisten verhafteten auf Weisung des sogenannten SS-Reichsführers Heinrich Himmler am 22. August 1944 in Zetel den Sozialdemokraten Fritz Frerichs. Die Verhaftungswelle unter dem Namen „Gewitter“ betrafen in Weser-Ems 206 Personen. In Varel wurde der Sozialdemokrat Adolf Heidenreich (1897 bis 1958) verhaftet, in Zetel der frühere Landtagsabgeordnete Fritz Frerichs.

Er lebte mit seiner Frau Elisabeth in der Adolf-Hitler-Straße in Zetel, der späteren Fritz-Frerichs-Straße (die 1946 nach Frerichs benannt wurde). Elisabeth Frerichs, während der Weimarer Republik Stadträtin in Rüstringen und ebenfalls Landtagsabgeordnete für die SPD, hatte sich zum Zeitpunkt seiner Verhaftung nicht in Zetel aufgehalten, weil sie ihren verwundeten Sohn aus erster Ehe, Hans Oppel, in einem Lazarett im Osten besuchen wollte. Sie zögerte nicht, sich bei einem ihr bekannten SS-Offizier, Partei- und staatlichen Stellen für ihren verhafteten Mann einzusetzen.

Torturen nicht überlebt

Es war vergeblich. „Das Reichssicherheitshauptamt lehnte eine Freilassung ab und bezog sich auf die politische Beurteilung der Kreisleitung der NSDAP“, schreibt der Oldenburger Historiker Werner Vahlenkamp. Diese Beurteilung lautete über Frerichs: „Stiefsohn als Soldat West- und Ostfeldzug mitgemacht, jetzt Lazarett. Von 1907 bis 1933 SPD-Mitglied, von 1920 bis 1933 SPD-Landtagsabgeordneter. Nach 1933 nicht in Erscheinung getreten. Politische Beurteilung: Größte Zurückhaltung. Verdächtiges nicht festgestellt. Positive Mitarbeit nicht zu erkennen.“

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Das sich jemand politisch zurückhielt, reichte 1944 aus, um einen unbescholtenen Bürger ins Konzentrationslager zu bringen. Elisabeth Frerichs scheute auch nicht, den NSDAP-Ministerpräsidenten Georg Joel anzusprechen. Auch diese Fürsprache blieb vergeblich. Frerichs blieb im KZ Neuengamme, wohin man ihn verschleppt hatte. Es gibt einen Aktenvermerk, dass der „Meister der Gendarmerie“, ein Polizist namens Munderloh, Elisabeth Frerichs am 23. Oktober 1944 benachrichtigt hatte, dass das Reichssicherheitshauptamt Frerichs Entlassung abgelehnt habe.

Nach dem Kriege bemühte sich Elisabeth Frerichs bei vielen Stellen und SPD-Politikern, das Schicksal ihres Mannes aufzuklären. Frerichs überlebte die Torturen im KZ Neuengamme nicht. Er starb unter nicht geklärten Umständen wahrscheinlich am 3. Mai 1945 an Bord der „Cap Arcona“ zusammen mit anderen Häftlingen, die man aus dem KZ evakuiert hatte.

Handschlag verweigert

Mehr Glück hatte der Vareler Sozialdemokrat Adolf Heidenreich, der aus der KZ-Haft entlassen wurde. Heidenreich überlebte den Krieg und engagierte sich als Bürgermeister in Varel und als Landtagsabgeordneter in Hannover für die Region und den demokratischen Wiederaufbau. Für den Wiederaufbau engagierte sich auch Fritz Frerichs Witwe Elisabeth. Sie war die einzige Frau im Oldenburgischen Landtag (bis 1946, als das Land Oldenburg im Land Niedersachsen aufging) und wurde auch Mitglied des neu gebildeten Niedersächsischen Landtags. Sie half mit, die Arbeiterwohlfahrt wiederaufzubauen, die die Nationalsozialisten zerschlagen hatten. Später zog sie nach Oldenburg, wo sie auch Mitglied des Stadtrates war.

Eine Wiederbegegnung gab es für sie 1956 mit dem früheren Nazi Georg Joel, der als Mitglied der „Deutschen Reichspartei“ (DRP) in den Oldenburger Rat gewählt worden war. Als sie (als ältestes Ratsmitglied) ihn verpflichten sollte, verweigerte sie ihm unter dem Applaus der Demokraten den Handschlag.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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