VAREL Gewittrige Luft hatte den Donnerstagabend in Varel geprägt, und Gewitteratmosphäre im übertragenen Sinne herrschte auch im Saal des Restaurants Tivoli, wohin man die Ratssitzung wegen des erwarteten Besucherinteresses verlegt hatte. Die Zukunft der Kuranlage Deichhörn hatte die Zuhörer erhitzt – und nach zweieinhalbstündige Debatte auch die Ratsmitglieder. So war es wohl zu erklären, dass Ratsvorsitzende Hannelore Schneider (SPD) der Versprecher entfuhr: „Ich darf sie bitten, keine Beileidsbezeugungen zu bekunden“, als sie wegen wiederholten Beifalls die Zuhörer zur Ordnung rufen wollte.

Widerstand vorhergesagt

Die Kuranlage war zweimal Thema in der Ratssitzung. Zum einen bei der Debatte um die Bürgerbefragung (mehrheitlicher Beschluss gegen MMW/Linke und Zukunft Varel: zum jetzigen Zeitpunkt nein) und bei dem Konzept zur Sanierung der Kurverwaltung (Mehrheit: ja, Gegenstimmen MMW und ZV). Er könne die Empörung der Bürger verstehen und bezweifele, ob das Angebot zur Beteiligung der Bürger ernst gemeint sei, machte ZV-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Funke den Aufschlag. „Dieses Konzept können sie nicht mehr durchsetzen. Sie werden Widerstand hervorrufen, wie sie ihn in Varel noch nicht erlebt haben“, warnte Funke. Die Gruppensprecher Jürgen Bruns (SPD) und Hergen Eilers (CDU) erinnerten an den Auftrag, den der Rat Taddigs als Sanierer der Kurverwaltung erteilt hatte. Die Gruppe habe das Konzept sehr früh öffentlich gemacht, „lassen sie uns im Arbeitskreis darüber reden“, wandte sich Bruns an die Zuhörer. Die hatten zu Anfang der Sitzung die Einwohnerfragestunde boykottiert: „Wir stellen keine Fragen, weil wir darin keinen Sinn sehen“, hatte Peter Beyersdorff für die Bürgerinitiative gesagt. Funke, so Bruns, habe doch den weitergehenden Beschluss des Aqualon-Gutachten 2007 zu Veränderungen in Dangast mitgetragen. Funke konterte, dass der Rat vom im Gutachten vorgeschlagenen Abriss abgerückt sei. Man solle nicht vor Idee scheuen, warb Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. Er forderte die Bürger auf, sich einmal in die Rolle der Ratsvertreter hineinzuversetzen, die nun einmal angesichts des defizitären Haushalts sparen müssten. MMW-Fraktionschef Iko Chmielewski warf der Mehrheitsgruppe vor, ein Konzept zu verfolgen, ohne zuvor über Inhalte (und Leitlinien) zu diskutieren. Das sei schon beim Aqualon-Gutachten so gewesen. Schon damals habe MMW die Frage der Deichsicherheit für elementar gehalten. „Weniger Strand, weniger attraktiv, weniger Besucher“, fürchtet er.

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Erbitterte Debatte

Rudi Böcker (BBV) und Walter Langer (Grüne) wiesen auf das Defizit und die Notwendigkeit zum Handeln hin. Was fehle, sei ein Verkehrskonzept für Dangast, kritisierte Langer. Noch einmal erinnerte Bürgermeister Wagner an den Aqualon-Beschluss (Quellbad, Campingplatz und Strand in private Betreibergesellschaft geben, Verwertung des Grundstücks Deichhörn). „Von Abriss und Verkauf der Kuranlage haben wir uns gelöst“, konterte Funke. Den damaligen Ratsbeschluss hatte MMW abgelehnt. Iko Chmielewski: „Der Beschluss war mutig, wenn nicht dämlich.“

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Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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