Friesland Der FDP-Ortverband Jeverland hat den Landkreis Friesland aufgefordert, sich beim Land für Lockerungen auf lokaler Ebene einzusetzen, wenn der Inzidenzwert an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 liegt. „In Friesland haben wir mittlerweile eine Inzidenz von unter 50, seit einigen Tagen sogar unter 35, trotzdem bestehen bei uns dieselben Einschränkungen wie in Landkreisen mit einer Inzidenz von 150 und mehr“, so die FDP-Ortsvorsitzende Sibylle Raquet.

Datenanalyse: So rollt die Corona-Welle

Friesland: Als Anfang November der Lockdown „light“ verkündet wurde, lag die Inzidenz bei knapp über 30. Nach rund drei Wochen im Lockdown stiegen die Zahlen plötzlich stark: bis auf eine Inzidenz von 113,5 am 12. Dezember. Hauptsächlich verantwortlich: ein größerer Corona-Ausbruch in der Behindertenwerkstatt in Jeringhave, einer im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch und im Sophienstift Jever. Seit 18. Januar befindet sich der Inzidenzwert im Sinkflug. Mit 19,2 war am Montag die Inzidenz so niedrig wie nirgendwo in Deutschland. In Friesland selbst wurde dieser Wert zuletzt am 28. Oktober unterboten.

Wittmund:Für die Menschen im Landkreis Wittmund war bis Ende Oktober bei Inzidenzen im einstelligen Bereich (19. Oktober: 1,8) Corona kein Thema. Doch kaum wurde der Lockdown „light“ ausgerufen, stiegen die Werte und schwankten zwischen 50 und 100; auch die Feiertage waren noch vergleichsweise ruhig. Erst Anfang 2021 schnellte der Inzidenzwert bis auf 188 (10. Januar), unter anderem wegen eines Ausbruchs in einer Pflegeeinrichtung in Carolinensiel. Wenige Tage nach den Verschärfungen am 11. Januar ging es wieder steil bergab bis auf 77,3 (24. Januar). Am 25. Januar ist der Wert wieder leicht gestiegen.

Wilhelmshaven: In Wilhelmshaven lag das Infektionsgeschehen lange Zeit auf niedrigem Niveau. Im November (vor allem aufgrund eines Corona-Ausbruchs in einem Altenheim) und Dezember (auch hier war unter anderem ein Ausbruch in einem Pflegeheim eine Ursache) waren die Ausschläge allerdings besonders hoch, und die Inzidenzzahl kletterte bis auf 184 am 22. Dezember. Seit einigen Tagen sinkt sie wieder. Der aktuelle Wert von 71,0 liegt für Wilhelmshavener Verhältnisse noch nicht auf niedrigem Niveau.

In der Coronaverordnung des Landes wurde den Landkreisen und Städten die Möglichkeit gegeben, bei einer 7-Tagesinzidenz von über 200 den Bewegungsradius zu beschränken. „Leider wurde versäumt, einen Passus für den Fall aufzunehmen, dass die Inzidenz an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 liegt“, so Raquet. So hält die FDP Jeverland es für angebracht, die pauschale Maskenpflicht – etwa auf der Schlachtstraße und auf der Promenadenbrücke am Wangermeer – aufzuheben. „Die Maskenpflicht wirkt bei einer so niedrigen Inzidenz auf viele wie Schikane“, sagt Hendrik Theemann.

Nach Auffassung der Liberalen ist ein Passus zu Lockerungsmöglichkeiten dringend geboten, denn „die Coronapolitik greift tief in unsere Grundrechte ein“, so Raquet.

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Auch Frieslands Landrat Sven Ambrosy würde „ein differenziertes Modell“ begrüßen: „Denkbar ist sicherlich ein räumlich differenzierteres System von strengen Regelungen bei steigender Inzidenz und ebenso lockerer Vorgaben, die gelten, wenn der Wert niedrig ist. Aber darüber gilt es seitens Bund und Länder zu entscheiden“, teilte er mit.

Er verstehe den Unmut von Bürgerinnen und Bürgern: „Unsere Fallzahlen sind geringer als in vielen anderen Regionen und dennoch gelten bei uns die gleichen, strengen Regeln und Einschränkungen.“ Dennoch verweist er darauf, dass die Inzidenz immer eine Momentaufnahme sei. „Und die Situation kann sich auch bei uns jederzeit wieder ändern.“ Ambrosy appelliert deswegen weiterhin an die Friesländer, sich an die geltenden Corona-Regelungen zu halten.

Krankenhaus Wittmund

Nach Corona-Fällen unter den Mitarbeitern des Krankenhauses Wittmund hat die Geschäftsführung die Patientenaufnahme gestoppt: 25 Mitarbeiter – Pflegekräfte und Ärzte der „Inneren“ – wurden positiv getestet, 14 Mitarbeiter mussten als Kontaktpersonen in Quarantäne. 17 Patienten mit Covid-19 werden stationär versorgt. Am Dienstag wurden alle Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus getestet – die Ergebnisse sollen Donnerstag vorliegen. Bis dahin werden nur Notfälle aufgenommen. Ziel sei, möglichst schnell wieder in einen

Normalbetrieb überzugehen, so die Geschäftsführung.

Impfung geht weiter

Der Landkreis Friesland hat wie erwartet die Lieferung für die zweite Impfung aller Senioren und Mitarbeiter in Pflegeheimen erhalten: die rund 1100 Personen, die Anfang Januar die erste Impfung erhalten hatten, erhalten jetzt bis 1. Februar die zweite Impfung. Zudem wurde die 1. Impfung in zehn weiteren Seniorenheimen am vergangenen Mittwoch gestartet und nach vier Tagen am Samstag abgeschlossen; damit sind nun Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeiterinnen in insgesamt 18 von 21 Senioren-Einrichtungen in Friesland geimpft, teilt der Landkreis Friesland mit.

Warten auf Impfstoff

Die Stadt Wilhelmshaven muss weiter auf Impfstoff warten: Das Land hat die nächste Lieferung von etwa 1000 Impfdosen für Wilhelmshaven für den 5. Februar angekündigt – und damit den eigentlich kommunizierten Lieferabstand von 23 Tagen noch vergrößert. Begründet wird dies mit den Lieferengpässen des Herstellers, teilt die Stadtverwaltung mit. Mehrfach hat Oberbürgermeister Carsten Feist das kritisiert – ohne Erfolg. „Diese Situation ist nicht akzeptabel – die Frustration in der Bevölkerung steigt“, sagt er. Ab wann es Termine im Impfzentrum gibt, ist derzeit noch offen.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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