Kaisershof Die Zahl 225 spielt in Günther Lührings Leben eine besondere Rolle: Sie steht für seine Siege bei Trabrennen. In den 1970er Jahren betrug seine Siegquote 43 Prozent. Heute begeistert er Zuschauer für den Sport.

Eine große Kiste auf dem Tisch, daneben Lühring, der gerade aus dem Stall kommt und das passende Bild zu seiner Geschichte sucht. Einige Artikel und Bilder hat er in der Kiste gesammelt – es ist nur ein Bruchteil dessen, was über ihn geschrieben wurde.

Günther Lühring hat sein Leben dem Pferd gewidmet. „Entweder man hat einen Zugang zu Pferden oder eben nicht“, meint er. Bereits als kleiner Junge habe er sich für Pferde interessiert. Auf einem Arbeitspferd seiner Eltern, das er selbst eingeritten hatte, nahm er bei Fritz Ortgies erste Reitstunden – und gewann das Abschlussreiten in Dressur. Lühring war damals 13 Jahre alt, dieses Erlebnis war „sehr prägend“, erzählt er.

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Erste Siege mit „Donar“

Kurz darauf verunglückte sein Pferd auf dem Feld – der junge Günther litt entsetzlich. Doch es dauerte nicht lange, da kaufte sein Vater ihm ein neues Pferd: „Die Tiere wurden damals langsam sportlicher gezüchtet, weil die Maschinen die Arbeit auf dem Feld übernahmen.“

Mit 16 Jahren zog Lühring mit seinen Eltern auf den Kaisershof, wo er noch heute wohnt. Damit begann seine Erfolgsgeschichte. Mit seinem ersten Pferd „Donar“, das er später zu Ehren seines Großvaters, dessen erstes Pferd „Ulk“ hieß, umbenannte, feierte Lühring erste Siege – damals noch im Sattel. Es gibt ein Foto von Lühring auf „Donar“/„Ulk“: Es hat einen Riss, ist ausgeblichen und leicht zerknickt, die Geschichte dazu nur eine von vielen Anekdoten: „Meine Schwester wollte das Bild damals vergrößern lassen, da wurde ihr die Handtasche geklaut. Doch irgendwann fand man sie im Banter See und das Bild war zum Glück noch darin.“

1966 erhielt Lühring Kontakt zu Heinz-Friedrich Müller vom Traberhof Hooksiel, dem Trabrennfahrer, der mit Lühring in der Folgezeit die gesamte Republik aufwirbeln sollte. Am Abend nach der Arbeit in der Landwirtschaft trainierte Lühring bei H. F. Müller: „Trabrennen hatten mich schon immer fasziniert.“ Nur vier Wochen darauf startete er in Hamburg und siegte – und zwar achtmal in Folge.

Eine Kuh für ein Pferd

Mit dem Verkauf einer Kuh finanzierte Lühring seinen ersten eigenen Traber, doch „da haben sie mich ganz schön über das Ohr gehauen“, sagt er: Das Pferd war lahm. „Was man im Portemonnaie verliert, gewinnt man an Verstand“ – das hat er gelernt.

Kurz darauf kaufte Lühring den Traber „Geweihter“ – der wurde bis dahin meist disqualifiziert, weil er galoppierte. Aber Lühring war das Pferd im wahrsten Sinne des Wortes geweiht: Die beiden fuhren in eineinhalb Jahren 20 Siege ein. „Und das hat mich motiviert.“

Nebenher begann Lühring zu züchten – einige Pferde fuhr er selbst. Und zwar mit Erfolg.

1972 begann das wohl erfolgreichste sportliche Kapitel in der Karriere des Pferdemanns. Er gewann die Amateurmeisterschaft in Berlin – der junge Mann hatte nun endgültig einen Namen in der Traberszene. Doch nicht nur der Name Lühring prangte groß in den Zeitungen, sondern auch „Burgwind“ – sein wohl bedeutendstes Pferd.

Auch diesen Traber hatte zum Zeitpunkt des Verkaufs an Lühring niemand mehr auf der Rechnung. Und dann fuhr er nach einjährigem Training 18 Siege in Folge ein. „Am Anfang ging er bei Rennen immer durch“, erinnert sich der Fahrer. „Also hielt ich ihn einfach so lange zurück, bis er ruhig ging.“ Mit dieser Strategie fuhr Lühring bei seinem ersten Rennen mit „Burgwind“ weit hinter dem Hauptfeld her – nur um dann von hinten das Feld aufzurollen.

Auf allen Siegerfotos läuft die Konkurrenz weit hinter den beiden. 57 Siege bei 110 Starts ließen den Namen „Burgwind“ zum Angstgegner auch für so manchen Profifahrer werden, erzählt Lühring und schmunzelt. 1976 siegte er erneut bei der Amateurmeisterschaft in Gelsenkirchen und 1979 wiederholte er den Coup zum dritten Mal in Recklinghausen.

Lührings Augen leuchten, wenn er anhand Artikeln und Bildern haarklein jeden Zieleinlauf nacherzählt und wie ein Kommentator spannendste Szenen schildert. „Das war schon eine enorm erfolgreiche Zeit“, blickt er zurück. Und zwar so erfolgreich, dass sich durch die Namen Lühring und Müller auch im Wangerland der Trabrennsport entwickelte. 1981 wurde der Hooksieler Rennverein gegründet – und bald darauf die Jade-Rennbahn gebaut.

„Es waren viele Ehrenamtliche, alle haben mit angefasst und dazu beigetragen. Wir hatten ja nicht viel“, erinnert sich Lühring. Ein bisschen mulmig war den Ehrenamtlichen schon, ob 1984 genügend Zuschauer zum 1. Renntag kommen würden. Doch der Rennverein und Lühring eilten erneut von Erfolg zu Erfolg.

Petrus ist Hooksieler

Günther Lühring kommentiert bei den Hooksieler Renntagen, die deutschlandweit einen guten Ruf genießen und große Sportler auf die Bahn lockten. Das sei auch ein Verdienst des guten Wetters: „Petrus ist ein Hooksieler“, diesen Satz sagt Lühring Jahr für Jahr – und meistens stimmt er.

„Schnacken kann ich ja ganz gut“, meint Lühring: Mit Humor und Fachwissen erklärt er, was es mit dem Trabsport auf sich hat. Und zwar in ganz Deutschland: Als Funktionär, als Vorsitzender von Verbänden, Mitglied in Schiedskommissionen und als Kommentator zahlreicher Rennen.

Lührings Stimme ist nicht nur die Stimme, die witzig Rennen kommentiert, sondern auch die Stimme der Pferde. Er ist ein Pferdenarr. Und ohne Pferde – das ginge nicht. So züchtet er auch heute noch und ist im Besitz eines erfolgreichen Hengstes aus Frankreich, von dem nun auch zwei Fohlen im Stall des Kaiserhofs stehen.

Die Pferde sind sein Lebenswerk und die Hooksieler Renntage sind sein Baby, das er mit Freunden großgezogen hat. Die Zügel hat er dabei nach wie vor fest in der Hand, denn Lühring wäre nicht Lühring, wenn er nicht als erster über die Ziellinie käme.


     hooksieler-rennverein.de 
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