Altjührden Einem Himmelfahrts-Kommando kam die Aufgabe für die Drittliga-Handballer der SG VTB/Altjührden vor dem Anwurf des Heimspiels gegen den Tabellenzweiten TSV Altenholz gleich. In Abwehrchef Helge Janßen (verletzt), Torwart Björn Bröckerhoff (erkrankt) sowie den Youngstern Tom Wiedenmann (erkrankt) und Etrit Xhafolli (Einsatz für kosovarisches Nationalteam) fehlten am Samstagabend gleich vier Spieler aus dem ohnehin nur 13 Mann „starken“ Mini-Kader der Friesen.

Schlimmstes befürchtet

Nicht wenige der 340 Zuschauer in der Manfred-Schmidt-Sporthalle dürften angesichts der enttäuschenden Heim-Vorstellung der Vareler in der Vorwoche und des diesmal scheinbar übermächtigen Gegners Schlimmstes befürchtet haben. Doch es kam anders – und das obwohl Oliver Staszewski sich in der 39. Minute zu allem Überfluss auch noch die dritte Zeitstrafe eingehandelt hatte und Trainer Andrzej Staszewski danach nur noch ein einziger Feldspieler auf der Auswechselbank als Alternative zur Verfügung stand.

Dennoch gaben sich die aufopferungsvoll kämpfenden Hausherren nie auf, entdeckten ihr vor einer Woche noch schmerzlich vermisstes Kämpferherz wieder und hielten somit die Niederlage beim 24:29 (12:16) gegen die mit voller Kapelle angetretenen Schleswig-Holsteiner, die ohne Qualitätsverlust munter durchwechseln konnten, eindrucksvoll in Grenzen.

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„Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenlob machen“, betonte Coach Staszewski: „Sie hat gegen einen tollen Gegner trotz unseres so kleinen Kaders richtig klasse gekämpft. Jeder hat mehr als 100 Prozent gegeben.“

Schwacher Beginn

Dabei hatte die Anfangsphase der Partie nichts Gutes erahnen lassen. Die Altenholzer beantworteten fast jeden Fehlwurf und Ballverlust der Vareler mit Tempogegenstößen oder einer enorm druckvoll ausgespielten ersten Welle und zogen über 3:1 (5. Minute) zügig auf 7:2 (10.) und 13:6 (20.) davon. Doch die Gastgeber hielten trotz ihrer stark limitierten personellen Mittel immer besser dagegen und lagen zur Pause nur mit vier Treffern in Rückstand.

Zum einen hatten die Vareler in Levin Stasch (14/2 Paraden), der angesichts des Ausfalls von Bröckerhoff die Last zwischen den Pfosten diesmal allein schultern musste, einen bestens aufgelegten Rückhalt. Torwarttrainer Andre Seefeldt hielt sich zwar für den Notfall auf der Bank bereit, musste aber gar nicht aushelfen. „Wenn man ein paar Bälle hintereinander gehalten hat, gibt das Stabilität“, erklärte Stasch bescheiden und dankte seinen Vorderleuten in der Abwehr für die starke Deckungsarbeit vor allem nach der Pause.

Zum anderen ergriffen im Angriff vor allem jene SG-Spieler beherzt die Initiative, die ansonsten auf deutlich weniger Spielanteile kommen – allen voran Jan Derk Janßen. Er machte auf der ungewohnten Position auf Rückraum Mitte immer wieder Druck auf die gegnerische Abwehr und kam zudem viermal erfolgreich zum Abschluss.

Beim Stand von 14:18 (39.) schien die SG allerdings endgültig aller Außenseiterchancen beraubt. Der bereits mit zwei Zwei-Minuten-Strafen vorbelastete Oliver Staszewski ließ sich nach einer Fehlentscheidung der Unparteiischen, die mehrmals in der Partie den Zorn der Zuschauer und SG-Verantwortlichen auf sich zogen, zu einer lautstarken Beschwerde hinreißen und wurde wegen Meckerns mit der dritten Zeitstrafe disqualifiziert.

Als sich Andrzej Staszewski auf der Bank daraufhin auch mit den Schiedsrichtern anlegte und ebenfalls eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam, die ein Spieler absitzen musste, standen auf dem Spielfeld plötzlich nur noch vier Vareler sechs Altenholzern gegenüber. Prompt zogen die Gäste in doppelter Überzahl wieder auf 21:14 (41.) davon.

Doch angefeuert von ihren Anhängern auf der Tribüne, die den leidenschaftlichen Einsatz der verbliebenen Vareler Rumpftruppe mit lautstarker Unterstützung honorierten, steckten die SG-Spieler auch danach nicht auf und verkürzten abermals – 17:21 (45.). Selbst nach dem 18:24-Rückstand (51.) ließen sich die Vareler nicht hängen und zeigten eindrucksvoll, dass die Mannschaft lebt. Diesmal kamen sie sogar auf drei Treffer heran – 21:24 (53.). Doch zwischen der 41. und 54. Minute übernahm auf der Gegenseite der mit Abstand beste Altenholzer Sebastian Firnhaber (13) wieder Verantwortung und beseitigte mit fünf Treffern in Folge letzte Zweifel am unterm Strich verdienten Sieg der Gäste.

Verdienter Applaus

Trotz der Niederlage überwog bei den Gastgebern nach dem Schlusspfiff zu Recht der Stolz darüber, alles gegeben und sich so teuer wie möglich verkauft zu haben. Sie holten sich den verdienten Sonderapplaus der Zuschauer ab, von denen sie im vorherigen Heimspiel noch vereinzelt Pfiffe zu hören bekommen hatten. Auch das sollte ihnen Mut machen für einen Abstiegskampf, der angesichts der akuten Personalnot und fehlender finanzieller Mittel für Nachverpflichtungen in dieser Saison bis zum letzten Spieltag andauern könnte.

Schließlich droht Kapitän Helge Janßen wegen einer Achillessehnenreizung noch bis zu sechs Wochen auszufallen. Björn Bröckerhoff wird wegen seiner Herz-Rhythmus-Störungen in dieser Woche von einem Spezialisten in Hannover untersucht. Wie lange der Derby-Held aus dem Aurich-Spiel ausfällt, ist derzeit völlig ungewiss.

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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