Varel Laufen ist für Günther Janßen nicht einfach nur ein Hobby. Es ist ein Versprechen. Ein Versprechen, das er sich und seinen Kindern nach einem tragischen Schicksalsschlag gegeben hat.

Janßens Frau ist 1980 nach langer, schwerer Krankheit verstorben. „Da hab ich mir selbst versprochen, immer fit für meine Kinder zu sein“, erzählt der 77-jährige Vareler. Und das ist ihm bis heute gelungen. Der pensionierte Lehrer wird in diesem Jahr 78. In über 30 Jahren hat er so 75 000 Kilometer hinter sich gelassen. 1983 absolvierte der damals 43-Jährige seinen ersten Wettkampf über 25 Kilometer in Wilhelmshaven.

„Ich bin zwei- bis dreimal die Woche laufen gegangen.“ Eine Trainingsintension steckte jedoch nicht dahinter, er wollte einfach nur fit bleiben. „Es war wie ein Virus.“ Auch bei seinen Schülern kam diese neue Lebensphilosophie gut an. Zusammen mit den zehn- bis zwölfjährigen hat er das kleinste Laufabzeichen gemacht.

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Es folgten schließlich 15 Teilnahmen am Berlin-Marathon und zehn Starts beim Hamburg-Marathon. Besonders Emotional war für Janßen vor allem der Marathon 1990 durch Berlin. „Es war ein erhabenes Gefühl durch das Brandenburger Tor zu laufen“, erinnert sich der pensionierte Lehrer. Dieses war 28 Jahre als Symbol der deutschen Teilung durch die Mauer zur DDR unpassierbar. „Wir haben es ja vorher immer nur aus 300 Metern Entfernung sehen können. Und nun dort durchzulaufen, das war toll. Heute ist das ja selbstverständlich.“

Berlin ist ohnehin ein gutes Pflaster für den Vareler. Sein bestes Ergebnis bei einem Marathon erzielter Janßen Anfang der 90er an der Spree. Damals belegte er den fünften Platz – von 2004 Teilnehmern. Bei einem Halbmarathon in Stapelmoor zu Beginn der 90er Jahre ging er für den Vareler TB an den Start und belegte in seiner Altersklasse den ersten Platz.

Den schönsten und zugleich weitesten Lauf unternahm der 77-Jährige 1989. Es war ein Spendenlauf für krebskranke Kinder. „Das war mein eindrucksvollster Lauf“, schwärmt er noch heute. Von Bruchhausen-Vilsen ging es 44 Kilometer weit bis ins Bremer Weserstadion.

Das Soziale ist Janßen wichtig, sei es auf oder neben der Strecke. „Bei den Rennen hab ich die anderen Läufer unterstützt, wenn sie nicht mehr konnten.“ 2001, mit 60 Jahren, lief der Vareler seinen letzten Marathon. „Bei großen Läufen war es immer schön, mit den Zuschauern zu interagieren“, denkt er gerne daran zurück.

Laufen geht Janßen aber immer noch. 2017 lief er für das NWZ-Team beim Hospizlauf mit. „Sowas mache ich gelegentlich noch.“ Ansonsten trifft man den rüstigen 77-Jährigen im Vareler Wald. Mit seinem Freund Hans Brünlow (67) dreht er dort seine Runden. „Ich laufe dreimal die Woche sieben Kilometer – mit Pause“, sagt Janßen. „Laufen war und ist immer wichtig für mich gewesen. Wenn ich nicht mehr laufen kann, dann werde ich walken oder Fahrradfahren. Aber bewegen werde ich mich immer.“ Auch, um sein Versprechen zu halten.

Niklas Benter Redakteur / Sportredaktion
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