Varel „Wir waren noch nie so oft einkaufen wie in dieser Zeit“, sagt Steffi und fängt dabei an zu lachen, während sie mit ihrem Freund Matthias Schütte auf der Terrasse in Obenstrohe sitzt. „Ich möchte mir eben auch was gönnen“, erwidert er mit einem schmunzeln. Und das aus einem guten Grund. Denn Matthias hat sich auf eine der härtesten Rennserien der Welt vorbereitet.

30 Wochen Training

An diesem Sonntag startet der 23-Jährige beim Ironman in Hamburg. Um optimal auf das Rennen vorbereitet zu sein, hat Matthias hart trainiert. 30 Wochen schweißtreibendes Training liegen mittlerweile hinter dem jungen Mann, der in Schichtarbeit bei der Papier- und Kartonfabrik in Varel arbeitet. Fast jeden Tag spulte der Papiertechnologe so im Wasser, auf dem Rennrad oder zu Fuß Kilometer um Kilometer ab. „Das Training ist sehr Zeitintensiv“, erzählt Matthias. Im Durchschnitt drei bis vier Stunden investierte er so beinahe täglich ins Training. Innerhalb von acht Monaten ist er 300 Kilometer weit geschwommen, über 5000 Kilometer mit den Rad unterwegs gewesen und über 1800 Kilometer gelaufen – und das alles in Eigenregie.

Der Ironman

Beim Ironman müssen die Athleten 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Die Half-Ironman-Distanz (Ironman 70.3) umfasst 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen.

Jedes Jahr werden die Startplätze für die Ironman World Championship auf Hawaii vergeben. Die Profis müssen bei bis zu fünf Rennen, unter denen mindestens ein Ironman-Rennen sein muss und höchsten drei Ironman 70.3-Rennen sein dürfen, Punkte sammeln.

Die meisten Startplätze für den Ironman Hawaii werden an Amateure vergeben, die bei den Qualifikationsrennen einen sogenannten „Slot“ erreichen.

Mit Thomas Hellriegel (1997), Norman Stadler (2004 und 2006), Faris Al-Sultan (2005), Sebastian Kienle (2014), Jan Frodeno (2015 und 2016) und Patrick Lange (2017) kam acht Mal der männliche Sieger des Ironman Hawaii bisher aus Deutschland.

Ein Trainer sei zu teuer gewesen, sagt Matthias. „Ich hab mir Bücher geholt und mir einen Trainingsplan zusammengestellt.“ Das harte Training spornt ihn an. „Es reizt mich so etwas extremes wie den Ironman zu machen. Außerdem ist es ein guter Ausgleich zur Arbeit. Ich will zudem fit sein und auch bleiben“, erklärt der 23-Jährige. „Ich kann so auch meine eigenen Grenzen austesten und nach oben verschieben.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Und wer so viel trainiert, der verbrennt auch automatisch jede Menge Kalorien. So ist es nicht verwunderlich, dass Matthias und seine Freundin oft zusammen einkaufen waren. „An einem guten Trainingstag hab ich schließlich 5000 bis 6000 Kalorien verbraucht“, erzählt der 23-Jährige. Und das muss eben wieder rein.

Mit 18 erster Marathon

Doch der Vareler war nicht immer ein Läufer. Zehn Jahre lang hat Matthias Fußball gespielt. Mit 17 Jahren beendete er aufgrund von Knieverletzungen und der Ausbildung seine Karriere. 2012 ist er schließlich das erste Mal beim IHK-Ausbildungslauf mitgelaufen und hat Blut geleckt. „Da hab ich gemerkt, das ist genau mein Ding.“ Zwei Jahre später folgte schließlich sein erster Marathon in Bonn. „Ich wollte meinen ersten Marathon unbedingt mit 18 Jahren laufen“, erinnert sich Matthias zurück. Kurz danach feierte er seinen 19. Geburtstag. 2015 ging der Vareler schließlich beim Berlin-Marathon an den Start. In Thüle (Landkreis Cloppenburg) hat der 23-Jährige im vergangenen Jahr dann seinen ersten Triathlon absolviert. „Mein Lehrer hat immer schon gesagt, dass ich ein Triathlet bin. Ich glaub der freut sich jetzt“, sagt Matthias und lacht. „Ich bin in Thüle aber relativ schlecht vorbereitet reingegangen“, gesteht er. Für Platz zehn hat es am Ende aber dennoch gereicht.

Da der Ironman in Hamburg nicht irgendein Rennen ist, hat Matthias in den 30 Wochen nichts dem Zufall überlassen. Den Hamburg-Marathon im April nutze er zur Vorbereitung. Hier landete Matthias bei 25 000 Startern, davon auch vielen Hobbyläufern, auf Platz 121. Beim Halbdistanz-Triathlon in Hannover (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer laufen) beendete er das Rennen im Juni auf Rang 15. In seiner Altersklasse bedeutete das sogar den Sieg.

Duathlon statt Triathlon

Der Ironman in Hamburg gilt, wie die anderen Ironman-Rennen auch, als Qualifikation für das Rennen auf Hawaii. Und den wollte Matthias eigentlich laufen, doch es fehlt das Geld. „Ich hab versucht Sponsoren zu finden, doch das hat nicht geklappt. Das Startgeld liegt bei 950 Dollar, dazu kommen noch Flug und Unterkunft“, sagt der 23-Jährige. „Es ist aber weiterhin mein Traum.“

In Hamburg will der 23-jährige Vareler unter neuneinhalb Stunden bleiben. Auch wenn er eigentlich gar keinen richtigen Ironman mehr läuft. Am Freitag teilten die Organisatoren nämlich mit, dass der Ironman in diesem Jahr ohne das Schwimmen stattfinden wird. Grund dafür ist die zu hohe Konzentration von gesundheitsgefährdenden Blaualgen in der Alster durch die große Hitze der vergangenen Wochen. Somit wird aus dem Triathlon ein Duathlon. Die Athleten starten nun mit einem sechs Kilometer langen Lauf, bevor der Wettkampf wie üblich mit 180 Kilometer Radfahren weitergeht und mit einem Marathon endet.

„Es ist zwar schade, dass ich die die Ironman-Distanz nicht absolvieren kann, aber das ist jetzt besser für mich“, verrät Matthias, der im Laufen und Radfahren stärker ist. Und Bock hat Matthias ohnehin. „Der Ironman ist auch eine Kopfsache. Man kann alles erreichen, wenn man es nur will. Ich bin heiß.“

Niklas Benter Redakteur / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.