Sande Einmal angefangen, fallen ihnen nach und nach immer mehr Geschichten ein. Die ersten Wettkämpfe, bei denen die Regeln noch nicht einmal ganz klar waren. Oder auch die Feiern nach dem Sport, die natürlich auch dazu gehörten. Heute ist zwar nicht mehr alles so wie damals. „Aber diese Zeit, die kann uns keiner mehr nehmen“, sagt Käthe Neumann bewegend – und alle stimmen ihr zu.

Seit 70 Jahren besteht jetzt der Klootschießer- und Boßelverein „Freesenspeel Sande“. Und in diesen 70 Jahren ist viel passiert. Einer, der das ganz genau weiß, heißt Theo-Günther Thomsen – denn er war damals ein Gründungsmitglied, von insgesamt 14. Am 28. Oktober 1948 kamen sie zur Gründungsversammlung in das Bahnhofsrestaurant Sanderbusch zusammen.

Zunächst verboten

„Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, nach und nach normalisierte sich das Leben“, erinnert sich Thomsen. Geschäfte, Banken und andere Unternehmen nahmen ihren Betrieb wieder auf, die britische Militärregierung wollte, dass sich das Leben wieder normalisiert – hier war die britische Besatzungszone.

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„Nur die Vereine konnten nicht sofort wieder arbeiten, denn jede Ansammlung mehrerer Personen war verboten“, so Thomsen. „Erst 1946 wurden die ersten Vereine von dieser Beschränkung befreit und konnten ihre Arbeit mit Genehmigung der britischen Militärregierung wieder aufnehmen.“

Der Klootschießer- und Boßelverein „Einigkeit“ Sanderahm bestand schon länger – doch hier gab es einige Streitigkeiten und Querelen. „In Sande wollten wir dann einen eigenen Boßelverein gründen: Und so entstand der Verein Freesenspeel Sande.“

Bereits eine Woche nach Gründung des Vereins gab es den ersten Wettkampf – gegen den im gleichen Jahr gegründeten Nachbarverein „Hart um Hart Cäciliengroden“. Das war aber ein reines Freundschaftsspiel, Punktespiele gab es noch nicht.

„Wir kannten zuerst ja noch nicht mal die Regeln. Wir wussten am Ende nicht, ob wir gewonnen oder verloren hatten“, sagt Käthe Neumann und schmunzelt – sie selbst trat 1974 ein, in dem Jahr, als die Frauengruppe gegründet wurde. „Damals waren wir eine starke Truppe“, sagt Angelika Klaßen, die ein Jahr später eintrat.

Viele Erfolge erzielt

Einen großen Teil zum Erfolg der Frauengruppe, so sind sich alle einig, trug Petra Neumann bei. „Sie ist ein Naturtalent“, ruft Theo-Günther Thomsen und überschüttet sie mit Lob.

Petra Neumann selbst bleibt eher locker: „Ich bin ja auch praktisch auf der Boßelbahn großgeworden, war immer dabei“, sagt sie. Sie war sehr ehrgeizig. „Was auch bedeutete: Wenn ich nach fünf Metern einen Pfahl getroffen hatte, dann dachte ich schon, dass es vorbei wäre.“

Doch oftmals holte sie doch noch auf. Ihr Geheimnis? „Ich habe viel geübt“, meint sie. Denn: Früher war es möglich, sich die Turnier-Bahn vorher anzuschauen und darauf zu üben. „Heute darf man das gar nicht mehr.“

70 Jahre

Der „Klootschießer- und Boßelverein Freesenspeel Sande“ feiert sein 70-jähriges Bestehen unter der Schirmherrschaft von Umweltminister Olaf Lies am Samstag, 27. Oktober, ab 19 Uhr in Leiners Landhotel in Sande, Bahnhofstraße 46 bis 48. Einlass ist ab 18.30 Uhr.

Der Eintritt kostet 7,50 Euro pro Person, inklusive Büffet. Für die Musik sorgt DJ Mike mit seiner Sound Disco.

Anmeldungen – nicht nur für Vereinsmitglieder – nimmt der Vorstand entgegen:


 Angelika Klaßen, Tel. 04422/6813804
 Käthe Neumann, Tel. 04422/2569
 Ute Janßen, Tel. 04453/978151
 Rike Groeneveld, Tel. 04422/4429
 Elisabeth Bücking, Tel. 04422/3386

Das ist zum Beispiel so eine Veränderung, die die Vereinsmitglieder in all den Jahren festgestellt haben. Genauso wie das Material der Boßelkugeln: Während es früher nur Holzkugeln gab, gibt es sie jetzt aus verschiedenen Materialien, darunter auch Gummi. „Jeder wirft mit der Kugel, mit der er am besten werfen kann“, sagt Käthe Neumann.

Nur Frauengruppe aktiv

Doch da sind noch mehr Veränderungen – eine ist sehr gravierend: „Wie viele Vereine haben auch wir Probleme mit dem Nachwuchs“, sagt Theo-Günther Thomsen.

Den Verein „Freesenspeel Sande“ gibt es – entgegen einiger Gerüchte – zwar immer noch. Aber aktiv spielt nur noch die Frauengruppe. Insgesamt sind derzeit 122 Mitglieder im Verein. „Anfangs waren schon mal 350 dabei“, meint Thomsen. „Im Jahr 2020 ist wohl auch mit dem Vereinsheim Schluss“, sagt Angelika Klaßen. Die Kosten sind einfach zu hoch.

Schade ist diese Entwicklung, da sind sich alle einig. „Aber viele Jüngere wollen sich eben nicht mehr an einen Verein binden“, meinen sie. Und dabei sei Boßeln doch eine schöne Abwechslung, neben dem Alltag vor Computern und Smartphones. „Es ist kein Hochleistungssport, jeder kann mitmachen“, sagt Angelika Klaßen.

„Die Bewegung an der frischen Luft, die Geselligkeit – das ist doch schön.“ Thomsen habe zum Beispiel bis er 82 Jahre alt war noch geboßelt – so viel Freude hatte er daran. „Und gefeiert wird natürlich auch“, meint er.

Aber: Jedem müsse auch klar sein, dass die Saison für Wettkämpfe von September bis März ist, also im Herbst und im Winter. „Auch bei Wind und Regen gehen wir raus“, sagt Käthe Neumann. „Da wollen wir keine Weicheier“, fügt sie scherzhaft hinzu – und alle lachen.

Da wird sehr deutlich: Geselligkeit, Bekanntschaften oder sogar Freundschaften, die über den Verein hinaus gehen: all das gibt es hier neben dem Sport auch, beim „Klootschießer- und Boßelverein Freesenspeel Sande“ – und das nun schon seit 70 Jahren.

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Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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