Sande Als die Hartgummi-Scheibe beim letzten Penalty von Routinier Viatcheslav Koubenski vom Schienbeinschoner des Wölfe-Goalies Niko Stark zur Seite abprallte, gab es bei den Gästen aus Schönheide kein Halten mehr. Während die Spieler des somit frisch gebackenen Double-Meisters aus dem Erzgebirge ihrer Freude über den Sieg im Penalty-Drama in Spiel zwei des Playoff-Finales freien Lauf ließen, ihre Handschuhe und Helme in die Höhe warfen und in einer wild feiernden Jubeltraube auf ihre mitgereiste Fanschar zu rannten, gingen bei den Akteuren des ECW Sande die Köpfe nach unten. Einige Jadehaie ließen sich tief enttäuscht auf die Eisfläche sacken und ärgerten sich minutenlang maßlos über die – wie in Spiel eins der Best-Of-Three-Serie – erneut nur denkbar knappe Niederlage gegen den großen Titelfavoriten.

Knackpunkt Spiel eins

„Selbstverständlich haben wir unterm Strich eine gute Saison gespielt“, sagte ECW-Kapitän Nick Hurbanek mit Blick auf die zuvor in der regulären Spielzeit 2018/2019 vom Aufsteiger erspielte Meisterschaft in der Eishockey-Regionalliga Nord und zum Abschluss der Finalrunde nun die Nord/Ost-Vizemeisterschaft. „Dennoch sind wir natürlich enttäuscht, dass es im Playoff-Finale nicht zu mehr gereicht hat“, fügte Hurbanek hinzu: „Knackpunkt war dabei das erste Spiel, als wir eine 4:1-Führung noch aus der Hand gegeben haben.“

Beim Wiedersehen nach der unglücklichen 4:5-Niederlage in Spiel eins im „Wolfsbau Schönheide“ war den Jadehaien am Samstagabend von Beginn an anzumerken, dass sie unbedingt Revanche nehmen und so das alles entscheidende Spiel drei erzwingen wollten. So legte das Team von ECW-Coach Sergey Yashin vor der Rekordkulisse von 1300 Fans im heimischen „Haifischbecken“ einen Blitzstart aufs Eis und führten schon nach drei Minuten durch Treffer von Vladislavs Balakuns (1.) und Vitalijs Hvorostinins (3.) mit 2:0.

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Das Einzige, was in der Anfangsphase nicht mitspielte war die Hallentechnik, denn die elektronische Anzeigentafel fiel zweimal aus, was jeweils zu minutenlangen Unterbrechungen führte. Doch auch danach blieb der ECW am Drücker. Die Gastgeber verloren allerdings Stürmer Lubomir Sivak, der sich eine Fünf-Minuten- plus Spieldauer-Strafe wegen eines heftigen Ellenbogenchecks gegen einen Schönheider einhandelte – was wiederum Yashin auf der Auswechselbank zur Weißglut brachte.

Und es kam noch dicker, obwohl die Sander die fünfminütige Unterzahl kampfstark ohne Gegentreffer überstanden. Aber zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt kassierten die Hausherren den Anschlusstreffer der bis dahin noch eher blassen Gäste: So verkürzte Florian Richter fünf Sekunden vor der Drittelpause auf 2:1.

Das Mitteldrittel verlief dann deutlich ausgeglichener, weil Schönheide immer stärker aufspielte. So gelang den Wölfen zunächst der Ausgleich zum 2:2 durch Christian Freitag (23.) und gut zehn Minuten später in doppelter Überzahl sogar der Führungstreffer durch Petr Kukla (34.). Doch der ECW schlug postwendend zurück und nutzte eine Fünf-Minuten- plus Spieldauer-Strafe gegen Schönheides Jannik-Noah Grätke (35.) zum 3:3-Ausgleich in Überzahl durch Tim Maier, der aus dem Gewühl heraus traf (35.).

Im nicht minder umkämpften Schlussdrittel sollten keine weiteren Treffer mehr fallen, wobei Sandes Sergejs Piskunovs Pech mit einem Pfostentreffer hatte. „Kämpferisch brauchen wir uns keine Vorwürfe zu machen, das war top, wir haben alles versucht“, analysierte Hurbanek: „Allerdings waren die Chancenverwertung und das Powerplay erneut nur mäßig.“

Letzte Kräfte mobilisiert

In der nachfolgenden zehnminütigen Verlängerung mit vier gegen vier Feldspielern und Sudden Death (erster Treffer entscheidet) mobilisierten beiden Mannschaften noch einmal ihre letzten Kräfte. Die beste Chance der Hausherren hatte Ivan Rohac auf dem Schläger, doch er verzog nach einem Konter nur knapp. „Irgendwie hat bei uns der letzte Moment, der letzte Tick im Abschluss gefehlt“, bedauerte Hurbanek: „Und Penalty ist dann Lotterie.“

Und so musste die Entscheidung im Penaltyschießen fallen. Auch dieses hatte es in sich. Denn Piskunovs als Sandes erster Schütze, der von der Mittellinie allein auf Wölfe-Goalie Stark zulief, zog ab, und der Puck trudelte zeitverzögert unter den Schützern des Torhüters hindurch über die Torlinie. In den kollektiven Jubelschrei der Haie-Fans mischte sich jedoch die Geste eines Unparteiischen, dass der vermeintliche Treffer nicht zählen würde. „Angeblich hatte er die Aktion schon abgepfiffen, bevor der Torwart sich erhoben hat“, sagte Hurbanek: „Eine merkwürdige Entscheidung, weil der Puck meines Erachtens noch in Bewegung war.“

Doch alle Proteste der Sander brachten nichts. Und weil alle anderen fünf Penalty-Schützen entweder am gegnerischen Torwart oder an den eigenen Nerven scheiterten, erreichte der Nervenkitzel im Haie-Hexenkessel seinen absoluten Höhepunkt. Dabei übernahm Wölfe-Topscorer Kukla, der im ersten Versuch noch am gut reagierenden ECW-Goalie Nikolajs Zurkovs gescheitert war, zum zweiten Mal Verantwortung und traf zum 3:4. Nun lastete der ganze Druck auf Koubenski, der bei seinem Versuch allerdings leer ausging.

Schwerste Saison folgt

„Schönheide hat stark gespielt, und wir müssen den Ausgang akzeptieren“, erklärte Hurbanek. In der nächsten Regionalliga-Saison wird Frieslands „Mannschaft des Jahres 2018“ in der Nord-Staffel dann einen neuen Anlauf nehmen. „Das wird unsere schwerste Saison“, prognostizierte der Kapitän allerdings: „Bislang waren wir stets der Underdog, jetzt treten wir als Nordmeister an, können nicht mehr tiefstapeln, und werden uns alle anderen Teams jagen wollen.“

Zudem wird sich das Gesicht der Jadehaie verändern: „Einige Spieler werden gehen“, bestätigte Hurbanek, der zugleich Sportlicher Leiter der Sander ist: „Schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Wir haben aber auch schon mit möglichen neuen Spielern gesprochen.“ Es bleibt also auch in der Sommerpause spannend beim ECW Sande.

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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