Bohlenbergerfeld /Hude Die Fliegerei ist seine Passion. Schon fast sein gesamtes Leben lässt sie ihn nicht los. Für diese nie endende Leidenschaft ist Johann Twietmeyer von der Luftsportgemeinschaft Waterkant-Zetel nun geehrt worden. Beim 49. Fliegerabend im „Vielstedter Bauernhaus“ in Hude bekam er den begehrten Wanderpreis „Kavalier der Lüfte“ verliehen. Die vom legendären Huder Kunstflieger Gerd Achgelis (1908 – 1991) gestiftete Auszeichnung wird seit 1967 jährlich vergeben.

Begeistert von Pionieren

Johann Twietmeyer wuchs auf einem Bauernhof in Delmenhorst in der Nachbarschaft der Focke-Achgelis-Werke auf. Hier erlebte der junge Mann die Testflüge der ersten Hubschrauber, die unter der Bezeichnung Fw 61 und später als Focke-Achgelis Fa 61 bekannt wurden.

Das Aufsteigen der außergewöhnlichen Fluggeräte beeindruckte Johann Twietmeyer so sehr, dass er selbst fliegen wollte und im Alter von 14 Jahren eine Ausbildung als Segelflieger begann. „Es war mein damaliger Klassenlehrer, der meine Begeisterung für die Fliegerei entdeckte und diese als aktiver Segelflieger auch förderte“, erinnert sich Twietmeyer noch genau an sein erstes Mal in einem Cockpit.

Dann begann der Zweite Weltkrieg. Aufgrund seiner fliegerischen Ausbildung wurde Johann Twietmeyer als 17-Jähriger eingezogen und Flugzeugführer. „Wie hätte ich als ein vom Fliegen faszinierte Junge der Aussicht, fliegen zu dürfen, widerstehen können“, blickt er zurück. Die Konsequenzen seines Handelns habe er damals nicht richtig einschätzen können.

Jagdflieger im Krieg

Kurz vor Kriegsende geriet er 1945 in englische Gefangenschaft. „Aufgrund meiner landwirtschaftlichen Vorkenntnisse musste ich in den schottischen Highlands als Farmer arbeiten“, berichtet Johann Twietmeyer. Nach dem Krieg fand er zunächst nicht wieder ins Cockpit zurück – bis zu dem Tag im Jahr 1999, an dem ein allgemein nicht alltägliches, aber flugbetrieblich gesehen, ganz normales Zufallsereignis eintrat.

Auf dem Maisfeld des mittlerweile 75-Jährigen, der in Westerstede wohnt, musste ein Flugzeug notlanden. „Bei näherer Besichtigung der Absturzstelle reckte ein Segelflugzeug seinen erhobenen Tragflügel über die Sichtlinie der Hecke, und daneben stand Nelly Doden, die Pilotin des Segelflugzeugs aus Bohlenbergerfeld, der beim Heimflug die Thermik ausgegangen war“, sagt Twietmeyer. Beide kamen ins Gespräch, und Nelly Doden lud den ehemaligen Segel- und Jagdflieger auf dem LSG-Flugplatz nach Bohlenbergerfeld ein – und entfachte damit wieder dessen Leidenschaft fürs Fliegen.

Alte Papiere ungültig

Da seine alten Papiere allerdings nicht mehr gültig waren, entschied sich Johann Twietmeyer, erneut den Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer zu erwerben. Nach der fliegerärztlichen Untersuchung absolviere er die nötigen Schulungen und bestand alle Prüfungen. Bis zum 88. Lebensjahr legte er über 400 Starts zurück. Ihm besonders in Erinnerung ist ein anspruchsvoller Sechstunden-Flug, den er stolz in sein Fliegerbuch eintrug.


Mehr Infos unter   www.lsg-segelflieger-zetel.de 
Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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