Altjührden Für eine Handball-Sternstunde haben am Samstagabend die abstiegsgefährdeten Drittliga-Akteure der SG VTB/Altjührden gesorgt: Vor der Vareler Saison-Rekordkulisse von 604 Zuschauern warfen die wie entfesselt aufspielenden Hausherren den HSV Hamburg durch einen hauchdünnen, aber hochverdienten 34:33 (20:16)-Erfolg wohl schon aus dem Titelrennen. Zugleich sammelten sie dank ihrer besten Saisonleistung zwei enorm wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

Held in Schlussphase

Zum großen Helden der dramatischen Schlussphase, in der die ersatzgeschwächten Vareler fast noch um den Lohn ihrer enormen Mühen gebracht worden wären, avancierte Rechtsaußen Kevin Langer. Mit einem frechen Heber hatte er die SG in der Manfred-Schmidt-Sporthalle acht Sekunden vor dem Abpfiff mit 33:32 in Führung gebracht.

handball-Splitter

Die Verantwortlichen der SG VTB/Altjührden wollen sich in für eine möglichst positive Zukunft des Traditionsvereins neu aufstellen und sind beim Heimspiel gegen den HSV Hamburg erstmals mit einer Stellenausschreibung an die Öffentlichkeit gegangen. Gesucht wird ein „Manager für Marketing & Sponsorship“. Zu den Aufgaben zählt die Pflege vorhandener und die Akquise neuer Sponsoren, die Ausgestaltung der Marketing-Strategie sowie die Organisation von Veranstaltungen und Events.

Aus gesundheitlichen Gründen ist Youngster Tom Wiedenmann (19) bis auf Weiteres vom Trainings- und Spielbetrieb der SG freigestellt. Er gehört weiter zur Mannschaft, allerdings ist es fraglich, ob er in dieser Saison noch einmal für die Friesen auflaufen wird.

Derweil ist Kapitän Helge Janßen wieder ins Training eingestiegen. Wegen anhaltender Achillessehnenbeschwerden hatte der Abwehrchef und Kreisläufer auf ärztlichen Rat hin wochenlang aussetzen müssen. Nun hofft er auf seine Rückkehr aufs Spielfeld noch im Januar.

Doch das junge Hamburger Team, das ohne die ehemaligen Nationalspieler und Champions-League-Sieger Stefan Schröder und Torsten Jansen an den Jadebusen gereist war, schlug durch Jan Torben Ehlers postwendend zurück: 33:33 – da wurden noch vier Sekunden auf der Spieluhr angezeigt. Zudem sah Kreisläufer Fabian Hartwich für seine Abwehraktion, bei der er Ehlers unglücklich im Gesicht getroffen hatte, Rot und musste vom Feld.

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Dann schnappte sich Routinier Martins Libergs nach dem Wiederanwurf den Ball, beorderte Langer nach vorn, der auf Außen auch sofort in Richtung HSV-Tor sprintete, und verdutzte mit seinem zielgenauen Zuspiel die noch unsortierten Hamburger Abwehrspieler. Denn diese hatten vielmehr mit einem Abschluss von Oliver Staszewski (9) oder des an diesem Abend überragenden Marek Mikeci (10/3) gerechnet.

So rannte Langer allein auf Torhüter Dominik Plaue zu, hob in vollem Tempo völlig freistehend am Kreis ab, behielt die Nerven und erzielte per Aufsetzer durch die Beine mit dem Schlusspfiff den alles entscheidenden Treffer.

Danach gab es kein Halten mehr: Während sich diverse HSV-Spieler entsetzt zu Boden fallen ließen, war Langer von seinen aufs Spielfeld stürmenden Mitspielern kaum einzufangen. Dann bildete sich eine wild umherhüpfende Jubeltraube, ehe sich die Vareler Akteure den verdienten Applaus von ihren restlos begeisterten Fans abholten. Den Abschluss bildete stilecht eine ausgelassene Humba.

Erstklassige Stimmung

Überhaupt hatte die Atmosphäre in der altehrwürdigen Pfeilerhalle an beste Vareler Zweitliga-Zeiten und Derbys gegen den WHV, Aurich oder Edewecht erinnert: Das lag zum einen an den 120 mitgereisten HSV-Unterstützern, die bereits vor dem Anpfiff die ersten Fangesänge anstimmten. Zum anderen aber auch an den Vareler Anhängern, die sich im Laufe des offenen Schlagabtausches immer mehr von den Protagonisten auf dem Spielfeld mitreißen ließen und auch lautstärkemäßig voll dagegen hielten. Nach dem 31:31 hatte es dabei keinen einzigen Zuschauer mehr auf den Sitzen gehalten. Die letzten beiden Spielminuten wurde im Stehen mitgefiebert, angefeuert und geklatscht.

Unterm Strich hätten sich die Vareler selbst über ein vor dem Anpfiff wohl kaum für möglich gehaltenes Remis gegen die favorisierte Hamburger Mannschaft ärgern müssen. Schließlich hatte die SG, obwohl in Abwehrchef Helge Janßen und Tom Wiedenmann abermals zwei wichtige Akteure fehlten, das Team von HSV-Coach Jens Häusler lange voll im Griff. Und es kam ja auch anders.

Nach dem frühen 2:4 (4. Minute) waren die Vareler beim 7:6 (9.) erstmals in Führung gegangen und gaben diese, angeführt von Mikeci, der bereits vor der Pause achtmal getroffen hatte, über 9:6 (12.), 12:8 (16.) und 17:13 (24.) bis zum Seitenwechsel nicht mehr her. Schlüssel dazu waren eine enorm gute Trefferquote sowie nur zwei technische Fehler im Angriff.

Bärenstarker Rückhalt

Zudem hielt Libergs die 5:1-Deckung der Hausherren im Mittelblock bestens zusammen und steigerte sich der eingewechselte Levin Stasch zwischen den Pfosten immer mehr. Gleich mehrfach entschärfte er sogar Hundertprozentige nach Tempogegenstößen und entnervte damit zusehends die Hamburger Schützen.

Auch nach Wiederbeginn agierten die von Trainer Andrzej Staszewski bestens eingestellten Vareler selbstbewusst vor ungewohnt großer Kulisse. Erst als die Hamburger nach dem 25:20 (37.) mit einer Manndeckung gegen Mikeci den bis dahin gefährlichsten SG-Spieler weitestgehend aus der Partie nahmen, begann der Vorsprung zu schmelzen.

Über 25:23 (42.), 28:24 (50.) und 28:26 (52.) drohte das Spiel nach einem kaltschnäuzigen Treffer von Jan Derk Janßen (30:27/54.) tatsächlich noch zu kippen. Beim 30:30 (57.) glich der HSV erstmals wieder aus, ehe die Partie unweigerlich ihrem absoluten Höhepunkt zusteuerte – mit dem beschriebenen verdienten Happy End für die Vareler.

Derweil weist der HSV nach der vierten Saisonniederlage bereits sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Henstedt-Ulzburg auf.

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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