Jever Nichts für schwache Nerven war am Samstagabend das Derby zwischen den Landesliga-Handballern der HG Jever/Schortens und dem Wilhelmshavener SSV. Zwar sahen die Hausherren vor 350 Zuschauern, die in der pickepackevollen Jahnhalle für eine tolle Kulisse sorgten, kurz vor Schluss schon wie die sicheren Sieger aus. Sie verspielten beim 31:31 (16:15) in den letzten dreieinhalb turbulenten Spielminuten aber noch einen Fünf-Tore-Vorsprung. Dabei kam mit einer Roten und drei Blauen Karten inklusive Rudelbildung auch noch mächtig Farbe ins Spiel.

„Da war alles drin, was ein Derby so bieten kann“, bilanzierte HG-Coach Henning Cassens: „Dabei waren wir 55 Minuten die bessere Mannschaft, umso ärgerlicher und bitterer ist es, dass wir den Sieg noch aus der Hand gegeben haben. Das Unentschieden fühlt sich für uns wie eine Niederlage an.“

Statistik

Landesliga

HG Jever/Schortens - Wilhelmshavener SSV 31:31 (16:15)

HG Jever/Schortens Suttner, O. Schönheim – Laurinat 1, Beck 3, Winterhalder, Margner, Th. Schönheim, Schwarzenberger, Iken 4, Bergmann 6, Busalski, Siebels, Arends 10/4, Wolf 7.

Rote Karte Eden (WSSV/60.).

Blaue Karte Siebels (HG/60.), Herbold, König (beide WSSV/60.) .

In der Tat war für die Hausherren zunächst alles nach Plan verlaufen. „Wir haben vor allem ein super Angriffsspiel mit vielen gelungenen Spielzügen gezeigt“, lobte Cassens. Zwar waren die SG-Spieler nach dem 8:8 (14.) zunächst leicht ins Hintertreffen geraten (8:11/16.), nahmen danach aber wieder das Zepter in die Hand.

Angeführt von Tim Arends (10/4), Christian Wolf (7) und Jan Bergmann (6) schienen die Gastgeber nach dem Seitenwechsel über 18:15 (33.), 22:20 (40.), 26:20 (45.) und 28:22 (50.) dann bereits auf die Siegerstraße eingebogen zu sein, ehe der WSSV beim Stand von 31:26 (57.) mit dem Mute der Verzweiflung auf Manndeckung umstellte.

„Da ist dann leider fast alles gegen uns gelaufen“, bedauerte Cassens auch mit Blick auf zwei Stürmerfoul-Pfiffe gegen die HG sowie einen Pfostentreffer und eine weitere vergebene freie Wurfchance. So verkürzten die Wilhelmshavener auf 31:30 (59.), ehe HG-Spieler Tim Winterhalter 20 Sekunden vor dem Abpfiff eine Zeitstrafe kassierte. In Überzahl markierte WSSV-Torjäger Justin Herrmann mit seinem 14. Treffer sechs Sekunden vor Schluss den 31:31-Ausgleich.

Doch die HG kam noch mal in Ballbesitz und spielte im letzten Angriff Dennis Siebels frei, der von Wilhelmshavens Ruben Eden regelwidrig gestoppt wurde. Dann ging es drunter und drüber. Der aus dem Tor herausgestürmte WSSV-Keeper und Siebels gerieten aneinander, es folgte eine Rudelbildung, an der auch der aufs Feld geeilte WSSV-Betreuer Sven Herbold beteiligt war. Es wurde unübersichtlich: Während Eden „nur“ die Rote Karte (ohne Bericht) gezeigt bekam, sahen Siebels und Herbold auch noch den Blauen Karton (mit Bericht). Vor der Ausführung des Siebenmeters legte sich dann noch WSSV-Trainer Jörg König mit den Schiedsrichtern an und sah ebenfalls die Blaue Karte.

„Nach einer halben Ewigkeit durften wir dann endlich den Siebenmeter ausführen, was für unseren Schützen die Sache natürlich alles andere als erleichtert hat“, erklärte Cassens. Und so kam es, wie es kommen musste: Arends, der bis dahin alle seine vier Siebenmeter sicher verwandelte hatte, versagten beim letzten Wurf im Derby die Nerven – gehalten.

„Da macht ihm aber natürlich keiner einen Vorwurf“, betonte Cassens: „Im Gegenteil: Wir haben eine junge Mannschaft, die auch aus solchen Spielverläufen noch viel lernen muss – auch ich. Klar überwiegt jetzt erst einmal die Enttäuschung. Andererseits müssen wir das Positive aus dieser Partie mitnehmen. Und das war 55 Minuten lang eine super Leistung.“

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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