Altjührden Der anvisierte Aufstieg aus der Oberliga auf direktem Wege in die Dritte Liga wird für die Handballer der SG VTB/Altjührden wohl nur noch in der kommenden Oberliga-Saison 2019/2020 möglich sein. Grund: Das erweiterte Präsidium des Handball-Verbands Niedersachsen (HVN) hat sich für eine Strukturreform ausgesprochen. Durch diese soll eine neue eingleisige Liga als niedersachsenweit höchste Spielklasse installiert werden – das hieße: oberhalb der bisherigen beiden Oberligen und unterhalb der Dritten Ligen.

Mehrheitlich Zuspruch

An diesem Samstag, 25. Mai, kommen beim 40. ordentlichen Verbandstag in Hannover nun die Delegierten der HVN-Unterverbände bzw. Regionen zusammen, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Die Liga-Reform ist bereits seit zwei Jahren im Gespräch. „Wir haben die Vereine abgefragt und mehrheitlich Zuspruch bekommen – sonst hätten wir das gar nicht in die Wege geleitet“, erläutert Jens Schoof, Vizepräsident Spieltechnik beim HVN, auf Nachfrage.

Gibt es auch beim Verbandstag grünes Licht für die geplante Reform, würde die neue „Regionalliga“ (bisher nur Arbeitstitel) zur übernächsten Saison 2020/2021 eingeführt. Die Staffelstärke dürfte 14 Teams umfassen. Qualifiziert wären dafür die besten Teams aus den Oberligen Nordsee (Nordwest-Niedersachsen und Bremen) und Niedersachsen (Süd-Niedersachsen) der kommenden Saison 2019/2020 plus die niedersächsischen Absteiger aus der Dritten Liga.

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Zur genauen Zusammensetzung der „Regionalliga“ will sich Schoof nicht äußern: „Wir sollten jetzt nicht schon Schritt drei oder vier machen, sondern müssen mit der Abstimmung erst einmal Schritt eins gehen.“ Sollte der Antrag am Samstag durchgehen, sei man allerdings vorbereitet: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Meister steigt auf

Fakt wäre im Falle der Einführung der neuen Vierten Liga für die Vareler Handballer: Nur als Meister der nächsten Saison 2019/2020 wäre der direkte Weg aus der Oberliga zurück in die Drittklassigkeit noch einmal möglich. Trotz Reform: „Man kann einem Meister den Aufstieg ja nicht verwehren“, sagt Schoof. Die Situation in der aktuellen Saison, dass aufgrund der Reduzierung der Zweiten Bundesliga von 20 auf 18 Teams wohl nur zehn der insgesamt zwölf Oberliga-Meister aufsteigen werden und daher eine Aufstiegsrelegation spielen, sei eine einmalige Ausnahme.

Landen Varels Handballer in der kommenden Oberliga-Spielzeit gegen starke Konkurrenz „nur“ auf den Plätzen zwei bis fünf oder sechs (die genaue Einteilung steht noch aus), würden sie sich für die neu dazwischen geschaltete „Regionalliga“ qualifizieren. Sie müssten dort in der darauf folgenden Saison 2020/2021 dann den nächsten Anlauf Richtung Dritte Liga nehmen.

Beendet die SG VTB/Altjührden die bevorstehende Oberliga-Saison indes in der unteren Tabellenhälfte, bliebe sie vom Namen her zwar in der Spielzeit 2020/2021 Oberligist, wäre de facto aber nur noch fünftklassig aktiv.

Die Einführung der „Regionalliga“ hätte zudem Auswirkungen auf alle darunter liegenden Spielklassen. So würden in die Oberligen der übernächsten Spielzeit die besten Teams der jeweiligen Verbandsligen nachrücken. Deren freie Plätze wiederum würden im gleichen Zuge mit Teams der bisherigen Landesligen (dann wohl vier statt fünf Staffeln) besetzt.

Fahrstuhl-Mannschaft

Hauptgrund für die Liga-Reform ist das zu große Leistungsgefälle zwischen Dritter Liga und Oberliga. Dies hat zur Folge, dass für Drittliga-Aufsteiger nach nur einer Saison meist schon wieder Endstation ist. Das haben auch die Vareler Handballer zu spüren bekommen. Nach dem ersten Abstieg aus der Dritten Liga im Sommer 2017 gelang in der Oberliga-Saison 2017/2018 zwar in souveräner Manier der direkte Wiederaufstieg in die Drittklassigkeit. Im Stile einer Fahrstuhl-Mannschaft ging es nun aber als Drittletzter auch schon wieder runter in die Oberliga.

Weiteres Beispiel: Der OHV Aurich stieg in der vergangenen Saison aus der Dritten Liga in die Oberliga Nordsee ab, wurde dort in der aktuellen Spielzeit ungeschlagen und mit großem Vorsprung Meister und kämpft momentan in der Aufstiegsrelegation um die Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse.

„Das Leistungsgefälle wäre zwar auch zwischen Regionalliga und Oberliga nicht ohne, aber es würde durch die Liga-Reform immerhin verringert“, ist sich Schoof sicher: „Darüber hinaus erhoffen wir uns in allen Ligen eine bessere Leistungsdichte und ein ausgeglicheneres Niveau – auch in der Verbands- und Landesliga oder darunter.“ Ob es wirklich so kommt, werde die Erfahrung nach zwei, drei Jahren dann zeigen.

Wie stehen die hiesigen Oberligisten zur geplanten Liga-Reform? „Die Schere zwischen Dritter Liga und Oberliga ist in der Tat groß. Es gilt, diese ein Stück weit zu schließen. Wie die neue Liga dann genannt wird, ist mir relativ wurst“, sagt Christian Schmalz, Trainer der SG VTB/Altjührden. Klar sei aber auch, dass im Falle der Einführung der „Regionalliga“ der Konkurrenzkampf schon in der kommenden Oberliga-Spielzeit insbesondere bei den ambitionierten und finanzstarken Teams zusätzlich angeheizt werde.

„Die Mannschaften, die in die Dritte oder Vierte Liga wollen, werden noch mehr aufrüsten“, meint Schmalz: „Der direkte Wiederaufstieg in die Dritte Liga, der bei der SG VTB/Altjührden unser Anspruch sein muss, wird daher eine schwierige Sache. Es wird noch spannender zugehen und schwerer werden.“

Schere zu groß

Soeben als Vizemeister der Verbandsliga Nordsee in die Oberliga zurückgekehrt ist der Elsflether TB. „Ich finde die Einführung der Regionalliga gut“, sagt dessen Trainer Ulrich Adami: „Sonst klafft die Schere zwischen Dritter Liga und Oberliga einfach zu weit auseinander.“ Ob der gewünschte Effekt dann wirklich eintrete, müsse abgewartet werden: „Natürlich würden wir uns kommende Saison gerne für die Regionalliga qualifizieren, aber als Aufsteiger wird das sehr schwer.“

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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