Altjührden „Hamburg, Hamburg!“ Die Freude bei Andreas Swalkiewicz und Dennis Graeve, dem neuen Trainergespann der SG VTB/Altjührden hätte bei ihrer Heimpremiere kaum größer sein können. Nicht nur die beiden, sondern auch die 334 Zuschauer hatten am Samstagabend in der Manfred-Schmidt-Sporthalle einen denkwürdigen Handball-Krimi gesehen.

Die Verlängerung des Viertelfinales im Deutschen Amateurpokal zwischen den Varelern und der SG Wift Neumünster hätte kaum dramatischer sein können. Am Ende stand ein hauchdünner 35:34 (28:28, 15:13)-Sieg und der erhoffte Einzug ins Final-Four-Turnier am 4./5. April in Hamburg.

Ots beweist Extraklasse

Fynn Menne hätte aus Sicht der Gastgeber alles schon in der regulären Spielzeit entscheiden können, doch Sekunden vor dem Abpfiff der über 60 Minuten ausgeglichenen Partie scheiterte der Youngster am starken Wift-Torwart Eric Quednau. 28:28 – Verlängerung um zweimal fünf Minuten. Dort bewies SG-Keeper Rasmus Ots erneut seine Extraklasse. Kurz nach Wiederanpfiff entschärfte der estländische Nationalspieler einen Wurf des besten Gästespielers Louis Haß (9 Tore) nach einem Tempogegenstoß, um anschließend auch einen Siebenmeter von Haß zu parieren.

Vorne zeigte sich Varels Lukas Kalafut in der letzten Sekunde der ersten Hälfte der Verlängerung kaltschnäuzig, als er einen direkten Freiwurf um die Wifter Mauer herum zum 31:30 ins Netz wuchtete. Mit diesem auch moralischen Vorteil gingen die Gastgeber in den zweiten Teil der Verlängerung.

Als Renke Bitter zum 32:30 traf (66.), Wifts Fridtjof Koslowski einen Siebenmeter nur an die Latte hämmerte (66.) und Aydrian Dröge die Führung der Gastgeber per eiskalt verwandeltem Siebenmeter auf 33:30 erhöhte (67.), schien der Drops gelutscht.

Bis kurz vor Schluss konnten die Vareler den Drei-Tore-Vorsprung halten. Doch als die Gäste aus Schleswig-Holstein noch mal alles in die Waagschale warfen und offensiv deckten, wurde es wieder spannend. Fridtjof Koslowski verkürzte auf 33:35 (69.). Sekunden später hatte Wifts-Spielertrainer Yannik Stock bei einem Tempogegenstoß die große Chance auf den Anschlusstreffer, doch Ots parierte zum Entsetzen der Gäste erneut überragend.

Dennoch mussten die Vareler weiter zittern, denn nach einer völlig unnötigen Zwei-Minuten-Strafe von Jonas Rohde wegen Festhaltens verkürzten die Gäste auf 34:35. Zu mehr reichte es aber nicht.

Ausgelassener Hüpfkreis

Während die Gästespieler frustriert zu Boden sanken, feierten die Vareler, die ohne ihren an der Achillessehne verletzten Mittelmann Dennis Summa angetreten waren, den knappen Sieg und den Einzug ins Final Four in Hamburg ausgelassen mit einem Hüpfkreis.

Am Sonnabend, 4. April, werden an der Elbe zunächst die Halbfinals in der Sporthalle Wandsbek ausgetragen, ehe das Finale am Sonntag, 5. April, beim großen Final-Four-Turnier des DHB in der 14000 Zuschauer fassenden Barclaycard-Arena folgt. Die Partie dient als Vorspiel, bevor der DHB-Pokalsieger zwischen THW Kiel, TBV Lemgo, TSV Hannover-Burgdorf und MT Melsungen ermittelt wird.

Im Amateurpokal-Halbfinale trifft die SG VTB/Altjührden am 4. April um 10.30 Uhr auf die SG OSF Berlin aus der Oberliga Ostsee-Spree. Das zweite Halbfinale bestreiten an diesem Tag die MSG HF Illtal (Saarland) und die SG Langenfeld (Niederrhein).

SG VTB/Altjührden: Ots, Schwagereit - Schildknecht 4, Dick, Dröge 3/3, Kalafut 6, Langer 2, Rüdebusch, Schröder 4, Bitter 8, Menne 2, Abram 3, Rohde 3.

SG Wift: Hoffmann, Quednau - Lorenzen 3, M. Koslowski 2, Hannemann, Plöhn 6, F. Koslowski 1, Hagelmoser, Stock 1, Kaminski 7, M. Haß 2, Liedtke, L. Haß 9, Kreft 3.

Stimmen zum Pokal

Andreas Swalkiewicz (Trainer SG VTB) Ich muss erst einmal Luft holen. Danke für die tolle Unterstützung von den Rängen. Die Fans und die Halle waren ein Grund für uns, nach Varel zu wechseln. Wir haben ganz glücklich das Viertelfinale gewonnen. Dabei hat Rasmus Ots entscheidende Bälle gehalten. Ich muss meinen Jungs ein Riesenkompliment machen, wie sie in der Verlängerung mutig gespielt haben. Von den zehn Minuten haben wir sechs in Unterzahl gespielt. Allerdings haben wir zu viele Treffer über Außen und vom Kreis bekommen. Fynn Menne hat mit seinen gerade mal 18 Jahren ein solides Spiel in der Mitte gemacht und immer kühlen Kopf bewahrt.

Renke Bitter (SG VTB) Das war ein typisches Pokalspiel, das wir uns aber anders vorgestellt haben. Wir haben Wift nicht so stark eingeschätzt. Rasmus Ots gewinnt das Spiel, und wir haben es mit unseren individuellen Fehlern noch einmal spannend gemacht.

Kai Schildknecht (Kapitän SG VTB) Das war eine gute Teamleistung, die wir in den vergangenen Punktspielen haben vermissen lassen. Wir sind diesmal gut über das Tempo gekommen. Die Halle hat zum Sieg beigetragen, und Ots hat uns mit seinen Paraden immer wieder nach vorne gepuscht.

Christoph Deters (Sportlicher Leiter SG VTB) Wir haben es unnötig spannend gemacht. Dieser Sieg freut mich für die Trainer. Jetzt haben wir in dieser Saison doch noch ein Highlight vor der Brust. Für Wift tut es mir leid. Wir haben für diese Saison noch einen Punkt gesetzt. Seit dem verlorenen Cloppenburg-Spiel war es für alle nicht so einfach.

Yannik Stock (Spielertrainer SG Wift) Glückwunsch an Varel zum Einzug ins Halbfinale. Wir hatten einen Traum. Am Ende haben Nuancen entschieden. Wir sind gut in die Partie hineingekommen, kriegen aber immer wieder leichte Tore. Wir haben vieles über unser Tempospiel gelöst. Die Verlängerung ist am Ende unglücklich für uns gelaufen.

Thorben Plön (SG Wift) Schade, dass wir verloren haben. Es sah lange gut aus. Leider haben wir in der zweiten Hälfte der Verlängerung den Ball nach einem Tempogegenstoß verworfen. Wir hatten gedacht, dass Varel in der Verlängerung konditionell nicht mehr so gut drauf sein würde.

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