Altjührden Die durch die Corona-Krise in finanzielle Schieflage geratene SG VTB/Altjührden hat die nächsten personellen Weichen für die kommende Spielzeit in der Handball-Oberliga Nordsee stellen können. Nach der Zusage von zwölf Spielern für die neue Saison 2020/2021 (die NWZ berichtete) konnte sich Varels Sportlicher Leiter Christoph Deters nun auch mit dem Trainerduo Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve auf neue Arbeitspapiere zu reduzierten Konditionen einigen – und zwar im Eilverfahren.

„Das Telefonat mit Christoph hat gerade Mal zweieinhalb Minuten gedauert, dann war die Zusage von Dennis und mir schon klar“, verrät Szwalkiewicz und freut sich auf zwei sportlich möglichst erfolgreiche Jahre in der Manfred-Schmidt-Sporthalle: „Wir fühlen uns da mit dem Umfeld und der Mannschaft pudelwohl und wollen dort etwas entwickeln.“

Erst Anfang Februar war das Trainergespann vom Liga-Rivalen HSG Schwanewede/Neuenkirchen losgeeist worden. Zuvor hatte Mitte Januar Varels vorheriger Coach Christian Schmalz seinen Rücktritt erklärt. Unter neuer Führung brauchte das spürbar verunsicherte SG-Team drei Anläufe, ehe der erste Punktspielsieg eingetütet war – am 11. März mit 34:22 gegen Rotenburg. Doch nur zwei Tage später wurde die Saison wegen der Corona-Pandemie unterbrochen. Inzwischen ist sie nach der Quotienten-Regelung abgebrochen worden.

Der SG-Kader

Die Mannschaft der SG VTB/Altjührden für die Oberliga-Saison 2020/2021 auf einen Blick (Stand: 5. Juni):

Zugänge: Markus Zindler (Elsflether TB), Niklas Planck (HSG Schwanewede/Neuenkirchen) Abgänge: Rasmus Ots (Rückkehr nach Estland), Dennis Summa (ATSV Habenhausen), Lucas Rüdebusch, Felix Dick (jeweils Ziel unbekannt)

Kader: Finn-Luca Schwagereit, Niklas Planck (beide Tor), Kai Schildknecht, Martin Harm Steusloff, Lasse Thünemann (alle Kreis), Lukas Kalafut, Kevin Langer, Fynn Menne, Markus Zindler, Jonas Rohde (alle Rückraum), Aydrian Dröge, Patryk Abram (beide Außen) Trainer: Andreas Swalkiewicz, Dennis Graeve

„Schade, die Mannschaft hatte gerade die Kurve gekriegt, und man konnte unsere Handschrift schon etwas sehen“, blickt Szwalkiewicz zurück: „Jetzt fangen wir nach bislang vier Abgängen und zwei Zugängen zwar nicht bei Null an. Wir müssen uns aber mit einer veränderten Mannschaft vieles wieder neu erarbeiten. Doch wenn es nach uns beiden Trainern geht, kann sich daraus – den sportlichen Erfolg vorausgesetzt – gern eine langfristige Sache entwickeln.“

Noch zwei Fragezeichen

Zurzeit ist nur noch der Verbleib von zwei Spielern aus dem aktuellen Kader fraglich: Während beim Rückraum-Rechten Renke Bitter sehr vieles auf eine weitere Saison im SG-Dress hindeutet, stehen bei Kreisläufer Michael Schröder die Zeichen dem Vernehmen nach auf Trennung.

Unterdessen hat nach Rückraumspieler Lucas Rüdebusch in Rechtsaußen Felix Dick ein weiterer Youngster signalisiert, dass er keinen Oberliga-Handball mehr spielen möchte und die SG verlassen wird. Beide Perspektivspieler waren in der abgebrochenen Saison nur auf wenig Einsatzzeiten gekommen.

Parallel dürfte die Suche nach externen Verstärkungen für den Rückraum bei den Varelern bald abgeschlossen sein – darunter ein oberliga-erfahrner Mittelmann als Ersatz für den zum Drittliga-Aufsteiger ATSV Habenhausen abgewanderten Dennis Summa. „Da stehen wir kurz vor dem Abschluss“, bestätigte Deters am Freitag auf Nachfrage.

Derweil zeigen sich die Verantwortlichen der SG VTB/Altjührden begeistert vom positiven Verlauf der Crowdfunding-Aktion. Diese war wegen Einnahmeverlusten nebst des Absprungs von Sponsoren in Corona-Zeiten ins Leben gerufen worden. Binnen 24 Tagen hatten dabei 148 Unterstützer online 320 Artikel bestellt, sodass am Ende laut Verein rund 16 400 Euro Umsatz generiert werden konnten.

Glücklich und ein bisschen stolz

„Dass uns so viele Menschen bei dieser Aktion unterstützen, war nicht zu erwarten“, freut sich Geschäftsführer Piet Ligthart: „Ich bin glücklich und auch ein bisschen stolz auf unsere Fans, dass sie uns in diesen schwierigen Zeiten auf diese Art helfen.“ Abzüglich aller Verwaltungs- und Herstellungskosten habe der Verein letztlich einen Gewinn von 10 000 Euro generieren können.

Bei der Auswertung der Zahlen dürfe aber nicht vergessen werden, dass 91 vergünstigte Dauerkarten und 17 Dauerkarten „4 für 3“ verkauft worden seien. „Natürlich freuen wir uns, dass die Fans uns weiterhin vertrauen. Aber uns ist auch bewusst, dass diese Karten alle subventioniert sind“, erklärt Ligthart: „Das ist natürlich auch so gewollt, damit die Fans für ihre Unterstützung auch eine Gegenleistung bekommen. Aber bei normalem Verkauf hätten wir hiermit fast 2000 Euro Mehreinnahmen gehabt.“

Zudem sei eine gewisse Anzahl an Dauerkarten auch in der Kalkulation für die neue Saison berücksichtigt worden, so dass die Einnahmen durch die Crowdfunding-Aktion nicht eins zu eins als Mehreinnahmen eingestuft werden könnten. „Aber in der aktuellen Situation hilft uns der Umsatzgewinn enorm,“ betont der Geschäftsführer: „Damit können einige Löcher aus der abgebrochenen Saison gestopft werden.“ Darunter etwa die Nachforderungen der Berufsgenossenschaft, bei der alle Spieler versichert sind.

Besonders erfreut zeigen sich die SG-Verantwortlichen über die Nachfrage nach den Supporter-T-Shirts, von denen 125 verkauft wurden. „Das zeigt die große Solidarität unter unserer Anhängerschaft und ist natürlich überragend“, betont Pressesprecher Andre Seefeldt: „Das macht uns wirklich froh und diese Aktion mehr als gelungen. Trotzdem hoffe ich, dass wir so etwas in Zukunft nie wieder brauchen werden – und auf eine baldige Normalisierung.“

Henning Busch Lokalsport / Redaktion Friesland
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