Altjührden „Turnen stählt die Kraft – Kraft ist’s was Leben schafft“. Mit diesen markigen Worten „spricht“ die historische Fahne des Turnvereins (TV) Altjührden. Doch sie hat noch mehr zu sagen, behauptet Peter Dorsch, Vorsitzender des kleinen, aber rührigen Vereins auf dem Dorf. Er lässt die Fahne, die viele Jahre lang verschwunden war, zu neuen Ehren kommen, und das aus gutem Grund: „Unsere Gesellschaft ist sprachlos geworden“ hat Dorsch mit Blick auf die „immer mehr zunehmende Kommunikation per Handy oder Internet“ festgestellt. „Die Menschen sollten mehr miteinander reden“, wünscht er sich – und stellte dazu die Vereinsfahne in den Mittelpunkt eines Vereinstreffen.

Mit Erfolg: Mehr als 30 Vereinsmitglieder, Aktive von einst und von heute, trafen sich und tauschten vor der Fahne Erinnerungen aus – allen voran Ilse Müller, langjährige Übungsleiterin, und Waltraud Dierks, die 1987 die Fahne wiederentdeckt und mit ihrer Seniorengruppe in unendlich vielen Stunden restauriert hat. Das Vereinssymbol hatte zuvor viele Jahre lang auf irgendeinem Boden gelegen, dem Zahn der Zeit ausgesetzt. Die Wiederherstellung der Fahne wurde damals gebührend gewürdigt: in einer Feierstunde in der Gaststätte „Almsee-Mühle“, mit einem Grußwort des damaligen Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Funke, mit Vorführungen und einem Rückblick auf die Geschichte des Vereins, der 1920 gegründet wurde – in zwei Jahren also das 100-jährige Bestehen begehen kann.

Die Fahne dokumentiert nicht nur die Geschichte des „Turn-Vereins Altjührden“, sie erinnert auch an Vereine, die es heute längst nicht mehr gibt. Geweiht wurde sie am 25. April 1926 – worüber „Der Gemeinnützige“ einen Tag später ausführlich berichtete: „Nach dem Empfang der Vereine bei Börjes Gaststätte bewegte sich ein stattlicher Festzug unter Vorantritt des Reitervereins durch das Dorf zum Vereinslokal. Am Denkmal der Gefallenen sprach der Gauvertreter Bernett-Oldenburg einige Worte dem Gedenken der Gefallenen. Die Fahnen senkten sich, die Musik spielte das Lied vom Kameraden und alle Anwesenden hielten ergriffen Einkehr.“

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Später betonte Bernett „in markigen Worten die Bedeutung der Fahne für einen Verein. Die Fahne ist vor allem das Bindemittel für ein festes Zusammenstehen im Verein, sie ist das Symbol der Zugehörigkeit zur großen deutschen Turnerschaft, die sich als höchstes Ziel gesetzt hat, alle Volksgenossen, alt und jung, arm und reich unter ihrer Fahne zu vereinen und in den Leibesübungen ein Mittel zu ersehen, das Ziel, ein gesundes Geschlecht zu schaffen, zu erreichen.“ Grade auf dem Lande sei es nötig, durch Leibesübungen ein schönes Gleichmaß am Körper und Geist zu erziehen. Turnen sei ein Quell der reinen Freude, die nichts gemein hat mit den seichten Freuden des Lebens.“

Vereine, die damals Fahnennägel überreichten, gibt es heute nicht mehr – wie den Reiterverein Altjührden und auch den eher berüchtigten „Stahlhelm Altjührden“. Der auch als „Bund der Frontsoldaten“ bekannte Verein existierte bundesweit noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Während über den Altjührdener „Stahlhelm“ nichts bekannt ist, tauchte die Vareler Organisation immer wieder in den Zeilen des „Gemeinnützigen“ auf. So fand im August 1957 in Varel die „Führertagung des Landesverbandes Weser-Ems“ statt. „Landesverbandsführer“ Schrader appellierte damals an die Mitglieder, „für die Werte einzustehen, für die sie in soldatischem Geist jahrelang im Felde gestanden haben und Deutschland vor einer totalitären Bedrohung aus dem kommunistischen Osten bewahren zu helfen“. Aufgabe des Stahlhelms sei es, den Geist des Soldatentums und das Staatsbewußtsein wachzuhalten“.

Entsprach die Fahnenweihe 1926 dem damaligen Zeitgeist, gelten für Dorsch und das Vereinssymbol heute andere Werte und Inhalte – nämlich der Zusammenhalt im Dorf und im Verein, wie er seit mehr als 45 Jahren im besonderen Maße gepflegt wird. So ist der Name des Turnvereins Altjührden eng mit dem Handball verbunden – und somit auch mit dem Bau der Manfred-Schmidt-Turnhalle, die der Verein Anfang der 1970er Jahre in Eigenregie erstellt hat – am Richtfest 1974 nahm das ganze Dorf teil.

Die Handballsparte steht inzwischen als Spielgemeinschaft verschiedener Vereine auf eigenen Füßen. Im TV spielen heute noch 45 Aktive Faustball und Badminton, und es gibt eine Frauengymnastikgruppe. Mit ihnen will Dorsch im September den 98. Vereinsgeburtstag feiern – und auch mit Ilse Müller, die bei der Fahnenehre spontan zum Ehrenmitglied ernannt wurde, übrigens in Gegenwart auch des Vareler Bürgermeisters und Vorsitzenden der Vareler Handballjugend, Gerd-Christian Wagner.


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