Jeverland Am 75. Jahrestag der Pogromnacht, bei der in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 überall in Deutschland Synagogen angezündet wurden, haben in Jever, Schortens und Neustadtgödens zahlreiche Menschen der Opfer der Nazis gedacht.

Eine bewegende Rede hielt Dr. Fritz Kleinsteuber bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit vor rund 50 Jeveranern, die sich an der Großen Wasserpfortstraße an der Stelle der einstigen Synagoge zu einer Gedenkfeier versammelt hatten. Kleinsteuber erinnerte an jüdische Jeveraner, denen er und seine Familie verbunden waren, und schilderte die Ereignisse jener Schandnacht von 1938, als der braune Mob entfesselt war und Vernunft und Menschlichkeit schwiegen.

Auch heute würden im Namen von Göttern und ideologischer Verblendung in Asien und Afrika Kirchen angezündet und würden Menschen umgebracht.

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Der Frau und Tochter eines jüdischen Kaufmanns sei in der Pogromnacht ein junges Mädchen beigestanden und habe beide versteckt. Kleinsteuber sprach sich dafür aus, jene Helden des Alltags, die damals Zivilcourage zeigten, mit einem „Platz der Erinnerung“ zu ehren. Die heute fast 90-jährige Grete Badberg solle die Ehre für ihren Mut noch erleben dürfen, bat Kleinsteuber.

In Schortens hatte die SPD zur Gedenkfeier auf den jüdischen Friedhof an der Menkestraße eingeladen. Pastor Axel Kullik mahnte dort, nicht zu vergessen, dass die Täter damals ganz normale Menschen waren.

Die Erinnerung lebendig halten und der Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung entgegenzutreten, das forderte Michael Clemens vom Heimatverein Gödens-Sande bei der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Gödens. Weil es das jüdische Gesetz vorsieht, am Sabbat keinen Friedhof zu betreten, fand die Feier erst am 10. November statt.

Clemens erinnerte an die rund 300-jährige Geschichte der Juden in Neustadtgödens, wo sie Tür an Tür mit christlichen und mennonitischen Nachbarn gelebt hatten. Doch wirklich gleichberechtigt waren die Juden in Gödens nicht – sie wurden gegen eine Schutzgebühr geduldet. Ab 1933 wurden sie mehr und mehr ausgegrenzt, bis es ab der Pogromnacht zur systematischen Vertreibung kam.

Zum Auftakt der Gedenkveranstaltung hatte bereits am Freitag die Gruppe „Laway“ in der jeverschen Stadtkirche ihr Programm „As Gotteshusen brannt hebben“ gespielt. Der in Neustadtgödens lebende Musiker Gerd Brandt und der in Norden lebende Autor Hans-Hermann Briese haben die „Kantate Mauthausen“ des jüdischen Schriftstellers Iakovos Kambanellis, Überlebender des KZ Mauthausen, den Mikis Theodorakis vertonte, behutsam ins Plattdeutsche übertragen. „Die Sprache der ostfriesischen Juden war unser Platt“, sagt Gerd Brandt. Von Hans-Hermann Briese stammt der Gedichtzyklus „Israel“. Dieser Zyklus wurde in der Tradition der jüdisch-israelischen Musik bearbeitet und mit Liedern aus Israel, übertragen auf Plattdeutsch, ergänzt. Pastor Rüdiger Möllenberg rief zu Beginn des Konzerts dazu auf, gewappnet zu sein: „Das Bedrohliche von damals ist 1945 nicht einfach ,weggegangen‘“, betonte er.

Weitere Aufführungen von „As Gotteshusen brannt hebben“ sind am 15. November, 20 Uhr, in Norden in der Ludgeri-Kirche, am 16. November in Weener Georgskirche, 17. November in Leer Große Kirche, 25. Januar Westrhauderfehn Hoffnungskirche und 26. Januar Aurich Lamberti-Kirche.


     www.laway.de 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/friesland 
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