JEVER Die schwarzen Raben-Figuren im Kirchenraum mögen vielen Besuchern des Konzerts zunächst gar nicht aufgefallen sein. Spätestens als die Sängerinnen und Sänger durch den Mittelgang zum Altarraum liefen, war aber allen klar, dass sie diesmal kein normales Kirchenkonzert erleben würden: Die 14 Mitglieder des Ensembles „vOkabile“ aus Hamburg waren in schwarze Federumhänge gekleidet, Hüte mit schwarzen Schleiern verdeckten die Gesichter. Als sie im Altarraum Aufstellung nahmen, kamen Erinnerungen an Ottfried Preußlers Roman „Krabat“ auf, in dem sich die Müllergesellen in schwarze Raben verwandeln, um die schwarze Kunst zu erlernen.

Doch keine Angst: In der Kirche gab es keine Hexerei und kein Teufelswerk. Der Chor vermittelte vielmehr die himmlische Kraft der Musik.

Aber Mythen, Märchen und Magie spielten in dem Konzert dennoch eine zentrale Rolle. Der Rabe ist weltweit ein wichtiges Symbol in Märchen und Sagen. Die Geschichte von den sieben Brüdern, die von ihrem Vater verflucht und in Raben verwandelt werden, gehört zu den bekanntesten deutschen Volksmärchen. In ihm steckt nicht nur die Raben-Mythologie, sondern auch die magische Zahl sieben, die sich auch wie ein roter Faden durch das Konzertprogramm zog.

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Sieben Lieder spiegelten die sieben Lebensabschnitte wider, die jeweils einen siebenjährigen Zeitraum umfassen: In „Lux Aurumque“ bejubelt Eric Whitacre die Geburt eines Kindes, in „Die Stimme des Kindes“ beschreibt Jaakko Mäntyjärvi die Kindheit, von der Unbeschwertheit der Jugend handelt das Lied „Die drei Frühlingstage“ von Peter Cornelius. Es folgten der Hochzeitstanz „Lakodalmas“ von György Ligeti und das Lied „Verlorene Jugend“ von Johannes Brahms, bevor der Zyklus mit „Unser Leben währet siebnzig Jahr“ von J. H. Schein und schließlich „A Death“ („ein Tod“) von Benjamin Britten endete.

Der Chor griff die Zahl sieben aber auch mit sieben Liedern auf, die für die göttliche Dreieinigkeit auf der einen Seite und für die vier Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer auf der anderen Seite stehen. Für Vater (der die Welt – wie bekannt – in sieben Tagen erschaffen hat), Sohn und Heiligen Geist hatte das Ensemble die Liedsätze „Hymn to the Creator of Light“ von John Rutter, das wunderschöne „Christus factus est“ von Anton Bruckner und „Veni Sancte Spiritus“ von Tomás Luis de Victoria ausgewählt. Die vier Elemente besangen sie mit den Liedern „Die Luft“ von Harald Genzmer, „Limpido e fresco fonte“ (für die Erde) von Hans Leo Hassler, „The Fountain“ von Edward Elgar und „Der Feuerreiter“ von Hugo Distler. Dass der Liedtext von Eduard Mörike eine brennende Mühle beschreibt, schloss sicher nicht ganz zufällig den Kreis zu Krabats Raben, die die schwarze Magie besiegen und die Teufelsmühle in Flammen aufgehen lassen.

„The Seven Words from the Cross“ von Knut Nystedt über den Leidensweg Christi in sieben Teilen und das gesungene „Vater unser“ von Józef Swider komplettierten das ungewöhnliche Programm.

Der Chor beeindruckte mit einer gesanglichen und stimmlichen Qualität und Perfektion, die ihresgleichen sucht. Der Auftritt war mehr als ein Konzert – er war ein gelungenes und beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Mit der Liedauswahl muteten die Sängerinnen und Sänger ihren Zuhörern aber auch Einiges zu: Viele der meist zeitgenössischen Stücke waren hochkomplex und im wahrsten Sinne des Wortes gewöhnungsbedürftig.

Dass die große Stadtkirche fast voll besetzt war, zeigte einmal mehr, welchen hohen Stellenwert die Chormusik in Jever hat und dass auch Experimente problemlos gewagt werden können. Die mehreren hundert Zuhörer – und in diesem Fall auch Zuschauer – applaudierten begeistert.

Das Ensemble „vOkabile“ bedankte sich mit einem Lied, das so ganz anders war und dennoch wunderbar ins Konzertkonzept passte: dem Rockschlager „Über sieben Brücken musst Du gehn“ in einer konzertanten A-cappella-Version.

Ulrich Schönborn Chefredakteur (ViSdP) / Chefredaktion
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