Jever Der gute Besuch bei den gemeinsamen Vortragsreihen des Schlossmuseums Jever und des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins im Schlossmuseum beweist das große Interesse an der Geschichte des Jeverlands.

Von der Rettungsarchäologie bei Objekten wie Langhäusern, Stadttoren und Wurtenschnitten in Weser-Ems berichtete Dr. Jana Esther Fries vom Niedersächsischen Institut für Denkmalpflege, Stützpunkt Oldenburg.

Die Archäologen müssen schnell reagieren, wenn sich bei Erdarbeiten Verfärbungen in den Erdschichten zeigen und unbekannte Steinwerkzeuge oder Keramiken auftauchen. Wenn Baugebiete erschlossen werden oder großvolumige Neubauten mit Kellern entstehen, gibt es oftmals Funde – es gilt, unwiederbringliche Zeitzeugen der Geschichte zu erfassen, wenn nicht zu retten.

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Nicht alle Bauherren sind dabei so enthusiastisch wie die Grabungsteams, denn Archäologie ist ein Kosten- und Zeitfaktor. Doch meistens, so Fries, kann Einvernehmen mit den Bauträgern hergestellt werden, denn auch der Gesetzgeber fordert den Einbezug der Archäologen bei Verdacht auf Bodenfunde.

Sandgruben, wie Fries an einem Beispiel in der Glaner Heide südlich von Dötlingen zeigte, sind besonders wichtige Fundplätze. Oft deuten Reste von Langhäusern auf die Besiedlung hin, die großflächig und arbeitsintensiv aufgenommen werden müssen, ehe mit Kelle und Kamelhaarpinsel der „Feinschliff“ zur Bestimmung der Zeitepoche freigelegt wird.

Die Wurten im Jeverland, wie in Groß Rhaude 2011/12 beim Bau eines Laufstalls archäologisch erkundet, ergeben tolle Ergebnisse, schwärmte Jana Esther Fries: Hölzer, Textilien und Bast sind durch den Luftabschluss durch Wasser gut erhalten.

Zeitnah berichtete sie auch von einer archäologischen Stichprobengrabung in den Wallanlagen von Jever, die sie als eine historisch bedeutsame Stelle für archäologisch Relevantes bezeichnete. Beim Bau des neuen Ahlers-Hauses könnten mehrere Funde zutage treten. Bei der Prospektion im Bereich des Parkplatzes beim Amtsgericht wurden im Boden archäologische Strukturen festgestellt, die auf einen Beginn der Graft Richtung Johann-Ahlers-Haus hindeuten.

Hobbyarchäologen so wie Heino Albers aus Schortens, Archäologiebeauftragter des Landkreises, sind laut Fries wichtige Informanten der Archäologie und helfen mit Kompetenz und Engagement. So konnte Albers in Jever an der Schlachte einige Strukturen sowie das Schwert eines Plattbodenschiffs retten – die Funde geben wichtige Hinweise zu den einstigen Hafenanlagen. Auch im Klosterpark in Schortens sicherte Albers an einem umgestürzten Baum eine Fundstelle, an der Skelette Aufschluss über das Bestattungs- und Siedlungswesen gaben.

Sechs Skelette waren damals entdeckt worden, Bezirksarchäologin Fries vermutete, dass es sich um eine Grabstätte des alten Klosters Oestringen – möglicherweise um Opfer einer Pestepidemie – handelt.

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