Kultur
Bild: Gösta Berwing
Bejun Mehta und das La Folia Barockorchester gastierten in der Vareler Schlosskirche.Bild: Gösta Berwing
Varel

Konzert
Countertenor begeistert in Schlosskirche

Das Musikfest Bremen machte Station in Varel. Countertenor Bejun Mehta schlug das Publikum nicht nur mit seinem Gesang in seinen Bann.

Varel Eine bewegungsintensive Spielfreude und teils irrwitzige Tempi, gepaart mit zahlreichen barocken Melismen und Verzierungen und eine überzeugende, die Grenzen des Machbaren auslotende Interpretationsvielfalt: All dies war am Donnerstagabend in der Schlosskirche in Varel äußerst beeindruckend zu erleben.

Das namhafte La Folia Barockorchester unter der Leitung des Sologeigers Robin Peter Müller spielte im Rahmen des Musikfestes Bremen einige Meisterwerke des Generalbasszeitalters. Darunter Archangelo Corellis „La follia“ Variationen in einer Bearbeitung für Orchester von Francesco Geminiani. Die überbordende Spielfreude des Klangkörpers führte zu einer Virtuosität, welche die Grenzen der Erkennbarkeit der Motive und Spielfiguren erreichte und in manchem auch sprengte.

So wirkte Corellis bekannte Pastorale und Antonio Vivaldis g-Moll Konzertsatz durch die forsche Tempowahl und zu viele Akzentuierungen etwas fremdartig. Dem gegenüber erreichte der lyrisch dargebotene Adagio-Satz aus Vivaldis Violinkonzert eine wunderbare Atmosphäre: Zu den zarten Melodielinien der Solovioline spielten die anderen Streicher weich gezupfte Pizzikatotöne, unterstützt von der durch eine Theorbe und eine Harfe erweiterten Continuogruppe.

Fünf gut intonierende Bläser waren in den zwei Sätzen aus Georg Philipp Telemanns F-Dur Suite zu hören. Neben den beiden Oboen und einem Fagott gefiel besonders der weiche Klang der zwei barocken Naturhörner, welche Jagdhörner imitierten.

Uneingeschränkter Star des Konzertabends war zweifellos der auf den großen Bühnen der Welt, wie in Wien, Berlin oder New York, regelmäßig gastierende Countertenor Bejun Mehta. Mit seiner überragenden Gesangskunst bot er acht Arien aus Georg Friedrich Händels Oper „Julius Cäsar in Ägypten“ dar. Mit einer beeindruckenden Souveränität und Stilsicherheit präsentierte er, immer wieder mit Zwischenapplaus bedacht, die unterschiedlichsten Stimmungen und Gemütslagen des Kaisers.

So wurden die virtuosen Koloraturen zum Ausdruck der Wut, aber auch der Siegesgewissheit des Despoten. Der auch schauspielerisch begabte Bejun Mehta konnte aber ebenso überzeugend die verzweifelte Seite seine Protagonisten ausdrücken. Dazu nahm er seine Stimme dezent zurück und modellierte in einen geraden, vibratolosen Stimmklang zahlreiche Melismen, was zu faszinierenden Klangfarben führte.

Ein absoluter Höhepunkt des Konzertes war sein Wechselgesang mit der den Gesang der Vögel nachahmenden Violine. Was hier noch Metapher für Cäsars unbändigen Liebestrieb war, wurde bei der Zugabe im schmeichelnd dargebotenen Liebesduett letztendlich erfüllt. Hier ersetzte Robin Peter Müller die Duettpartnerin Kleopatra mit seiner Violine und erntete dafür einen wohlverdienten Backenschmeichler des Sängers.

Das Publikum hielt es nicht mehr auf den Sitzen: Standing Ovations für einen überragenden Countertenor mit einem erlesenen Orchester und für ein spannendes, die interpretatorischen Grenzen durchaus tangierendes Programm.

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