Schortens Vorsichtig nimmt Sonja Gerdes die dunkelgraue Zuckermasse zwischen die Finger, rollt eine Kugel, formt sie zu einem Rumpf. Es folgen Ohren, Beine, ein Rüssel, dann die Augen. Bis der kleine graue Elefant fertig ist, dauert es mehr als eine Stunde. Weitere Stunden benötigt sie für den Braunbären, den Pandabären, die Giraffe und den kleinen dicken Löwen. „An den Tieren habe ich bestimmt insgesamt zehn Stunden gearbeitet“, sagt die 25-Jährige aus Schortens.

Das war im Januar: Damals wollte sie für ihren Sohn Noah eine ganz besondere Torte backen: eine Arche, die Tiere sollten auf dem Schiff sitzen. „Weil er doch Noah heißt“, sagt sie. Diese Torte, die nicht perfekt war, die die eine oder andere Macke hatte, die dem Einjährigen aber trotzdem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, brachte etwas ins Rollen: „Da hat es mich gepackt, es ist ein bisschen wie eine Sucht, diese Torten zu gestalten“, sagt sie und lacht.

Schon 40 Torten fertig

Bis heute hat sie gut 40 Torten hergestellt – für die Familie und für Freunde. Das Modellieren von Torten – jedes Detail stellt sie in Handarbeit her – ist zu ihrem Hobby geworden. Eine Woche ohne Torte kann sie sich nicht mehr vorstellen: „Aufhören ist keine Option“, sagt sie. Glücklicherweise gibt es im Freundes- und Familienkreis genügend Anlässe, zum Geburtstag, zur Hochzeit oder zur Taufe – „und wenn niemand einen entsprechenden Anlass hat, dann backe ich für meine Kinder und meinen Freund.“

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Damit folgt sie einem Trend, der aus den USA auch nach Deutschland schwappt, erst in den Großstädten anbrandete und langsam auch die ländlichen Regionen erreicht hat. Als Cake-Artist (zu Deutsch: Torten-Künstler) werden Leute bezeichnet, die Motiv-Torten gestalten. In den USA gelten manche als Berühmtheit, sie beliefern die Stars. Und je nach Aufwand gehen ihre Torten für hunderte oder tausende Dollar über die Ladentheke. Aber auch Familien greifen für Kunstwerke aus Zuckermasse, Buttercreme und Biskuit tief in die Tasche. „Das wäre im Jeverland unvorstellbar“, meint Sonja Gerdes. Auch wenn der Aufwand es rechtfertigen würde: Gut eine Woche braucht Sonja Gerdes pro Torte. „Meine Torten verschenke ich und gebe sie nur an Freunde und Familie“, sagt sie. Aufträge aller Art lehnt sie grundsätzlich ab: „Es ist nur mein Hobby und mehr nicht“, betont sie.

Alles, was sie inzwischen kann, hat sie sich selbst beigebracht mithilfe vieler Lehrvideos im Internet und einer Torten-Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook. „Wegen der Kinder arbeite ich meistens abends und nachts, in der Gruppe bekomme ich auch noch um 1 Uhr nachts eine Antwort, wenn ich bei etwas nicht weiterweiß“, erzählt sie.

Am Anfang sei noch viel schiefgegangen, nicht so sehr mit dem Boden oder der Füllung – „aber zum Beispiel beim Eindecken.“

Das Fondant, das es in allen Farben gibt und den Tortenüberzug bildet, darf nicht zu dünn ausgerollt werden – „zumindest nicht bei Anfängern, weil es dann oft reißt.“

Kleine Risse und Macken lassen sich aber kaschieren. Problematischer wird es, wenn etwa ein Blütenblatt der Zuckerblumen beim Dekorieren abbricht. „Die kann man nicht mal eben schnell neu machen, die müssen lange trocknen, bevor sie hart genug sind, sonst fallen die Blumen wieder in sich zusammen“, erklärt Sonja Gerdes.

Viel Geduld notwendig

Deshalb braucht es für dieses Hobby neben einer ruhigen Hand, vor allem viel Geduld, denn oft liegen zwischen den einzelnen Arbeitsschritten Stunden. „Das ist nichts für Eilige“, sagt sie.

Wer mit dem Tortenbacken anfangen will, der sollte wissen: „Mit Backen hat das nicht viel zu tun, eigentlich stehe ich nur für den Boden und die Füllung in der Küche – das ist in einer halben Stunde erledigt.“ Zeit und Liebe fließt ins Eindecken und in die Dekoration – „und das sieht man auch“, sagt Sonja Gerdes.

Dabei orientiert sie sich an ihrem großen Vorbild: Buddy Valastro, bekannt als „Cake Boss“ mit einer eigenen Fernsehsendung in den USA. Die handelt von Carlo’s Bakery, einer italoamerikanischen Bäckerei und Konditorei in Hoboken, New Jersey, die schon seit Generationen der Familie gehört. Dort entstehen Torten, die Sonja Gerdes Herz höher schlagen lassen: „Das ist einfach der Wahnsinn, einen Tag mit Buddy arbeiten, das ist mein großer Traum.“

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