VAREL Wer das alltägliche Wetteifern der Mainstream-Radiosender um die lustigsten Morningshows nicht mehr hören will und das Rädchen am Radio ein bisschen weiter dreht, landet mit etwas Glück bei „Tag für Tag“, einer Sendereihe des Deutschlandfunks. Dort wird jeden Tag eine halbe Stunde lang das wichtigste „Aus Religion und Gesellschaft“, so der Untertitel, berichtet. Beachtlich ist dabei, wie sehr die Redakteure dieser Sendung in die Tiefe gehen.

Radiosendung „Tag für Tag“

Zwei der Macher von „Tag für Tag“ waren jetzt in Varel zu Gast. Die Kirchenhistoriker Rüdiger Achenbach und Hartmut Kriege referierten in der Aula des Lothar-Meyer-Gymnasiums. Unter dem Titel „Ketzer verändern die Welt“ hatte der Verein für Kunst und Wissenschaft (Kuwi) Varel zum Vortrag eingeladen. Die Referenten spannten den Bogen vom Römischen Reich bis in die jüngste Gegenwart.

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Rüdiger Achenbach erläuterte zunächst, dass es zwar auch um Ketzer gehen werde, aber nicht nur. Der Schwerpunkt seines Vortrages lag auf dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, dem Humanismus und der Renaissance, Schauplatz Florenz. Auf breiter Fläche änderte sich das Weltbild im 15. Jahrhundert. Die Sicht auf die Welt und auf den Menschen wurde grundlegend revidiert. Auch der Blick zurück, das historische Verständnis, entwickelte sich. Die ketzerische Antwort auf die Frage „Warum hat Brutus Cäsar ermordet?“ lautete: „Weil er die Demokratie retten wollte!“

In der Renaissance gab es den Gedanken der „Urweisheit“ und die Idee, dass die monotheistischen Religionen eigentlich das gleiche Ziel verfolgen. Der Friede zwischen den Religionen wurde gesucht. In der Reformationszeit wurde das bereits wieder anders gesehen, Gipfel der Religionsstreitigkeiten war der 30-jährige Krieg, wie Hartmut Kriege im zweiten Teil umfassend erläuterte. Auch Reformatoren wurden als Ketzer verfolgt. Calvinisten, Lutheraner und Katholiken standen sich unversöhnlich gegenüber.

Die Auswirkungen der Religionsgeschichte auf die Gegenwart darf nicht unterschätzt werden. Und sei es nur die Frage, warum Prinz Ernst August von Hannover in England nachfragen muss, ob er Caroline von Monaco heiraten darf. Denn die enge Verbindung der Königshäuser ist die direkte Folge des „Act of Settlement“ von 1701, nachdem nur ein Protestant in England König werden kann. Der Sohn von Sophie von der Pfalz, auch „Bischofin“ von Osnabrück und Kurfürstin von Hannover, wurde deshalb als Georg I. englischer König.

Gemeinsames Buch

Die Radiomoderatoren Achenbach und Kriege referierten kompetent und akzentuiert, vor allem umfangreich. Der Vortrag basierte auf ihrem gemeinsamen Buch „Von Savonarola bis Robespierre“. Zuhörer, die nach zwei Stunden noch nicht genug gehört hatten, und dieses Buch anschließend kaufen wollten, mussten enttäuscht werden. Es ist nur noch antiquarisch erhältlich.

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