Schortens Sie liegen ein wenig versteckt in einem kleinen Häuschen an der Jadestraße: die „Ostdeutschen Heimatstuben“. Das ist eine kleine Ausstellung und Sammlung mit allerhand Hausrat, mit alten Bildern, Karten, Fotografien und historischen Erinnerungsstücken, die Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern mitbrachten, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten.

Rund 4000 Schlesier fanden nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Schortens ein neues Zuhause. 1946 kam der erste geschlossene Transport von Schlesien aus Reichenbach und Umgebung in Schortens an. Bei weiteren Transporten kamen Vertriebene unter anderem aus der Gegend von Hirschberg und Schreiberhau und aus der Waldenburger und Neißer Gegend. So sind zum Beispiel die Einwohner zweier Dörfer (Steinseifersdorf und Arnoldsdorf) komplett nach Schortens umgesiedelt worden.

Bezug geht verloren

Schortens hat also auch eine schlesische Geschichte – oder zumindest eine schlesische Querverbindung. Doch die Sammlung, die viele Jahre lang die älteren Schortenser interessierte, weil sie mit ihnen und ihrer Biografie zu tun hat, gerät zunehmend in Vergessenheit. Der Bezug zu den Wurzeln im Osten ist verloren gegangen. Nur noch die wenigsten, die ab 1946 aus Schlesien nach Schortens kamen, leben heute noch; sogar viele ihrer Kinder leben schon im Altersheim.

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„Die Sammlung schläft einen Dornröschenschlaf“ sagt auch Johannes Peters. Er ist Vorsitzender des Heimatvereins Schortens, der die in den 1970er Jahren aufgebaute Sammlung für die Stadt in- zwischen betreut. Regelmäßige Öffnungszeiten wie in früheren Jahren gibt es schon lange nicht mehr; nur sehr selten erreichen den Verein noch Anfragen für eine Führung durch die Ausstellung. „Alte Teller und Tassen aus Ostpreußen und Schlesien – damit lockt man heute niemanden mehr an – und die Jugend schon mal gar nicht“, sagt Peters.

Weil die Stadt nun andere Pläne mit dem Heimathaus hat und die Fläche zwischen Menkestraße und Ladestraße mit dem City-Parkplatz überplanen und das Haus möglicherweise verkaufen will, soll mittelfristig auch das dort gelegene Heimathaus mit seiner Sammlung eine neue Heimat finden. Bei der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins berichtete Peters kürzlich von Überlegungen, mit der Sammlung in die Alte Brauerei umzuziehen. Der große Saal dort biete ausreichend Platz. Problem: Der Treppenaufstieg ist sehr beschwerlich, und einen Aufzug gibt es dort nicht. Für das überwiegend ältere Publikum ist das nichts, meint Peters. „Der Platz mit seiner Hinterhof-Lage ist nicht optimal.“

Ihm und dem Heimatverein schwirrt eine ganz andere Idee durch den Kopf: Zum einen habe man in Schortens unweit der St. Stephanus-Kirche eine gut gelegene Immobilie im Blick, die geeignet wäre für die Sammlung der Ostdeutschen Heimatstuben. Zum zweiten wäre das Haus auch groß genug, um eine völlig neue Ausstellung zu konzipieren. Eine, die sich mit der Geschichte von Schortens als Ganzes befasst. Eine Ausstellung, in der die Geschichte des Klosters, der St. Stephanus-Kirche, der alten Heide-Mühle, vielleicht auch die Olympia-Ausstellung auf dem ehemaligen Werksgelände in Roffhausen, die Stadtwerdung, die Städtepartnerschaften und auch die Sammlung der Heimatstuben zusammengeführt werden.

Sammlung für die Stadt

Schortens hat eine lange Geschichte, da gibt es viel zu erzählen, meint der Heimatverein. Da gebe es so manches, was man den Bürgern oder Besuchern zeigen könnte. Aber das, was es bereits gebe, sei alles zu sehr verteilt und müsste insgesamt attraktiver aufbereitet und dargestellt werden.

Dass Schlesien als die alte Heimat vieler Schortenser nicht vergessen werden sollte, dafür will sich der Heimatverein einsetzen. Denn die Vertriebenen hatten später großen Anteil am Aufbau der Olympia-Werke. „Und dadurch, dass sie hier heimisch wurden, haben sie Schortens ganz entscheidend mitgeprägt“, meint Johannes Peters haben. Das müsse auch künftig in einer Ausstellung gewürdigt bleiben.

Er hofft, dass sich eine gute neue Heimat für das Heimathaus findet.


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Oliver Braun Redakteur / Redaktion Jever
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