Hooksiel Der erste Vorhang für die 50. Inszenierung der Theatergruppe Hooksiel fiel am Sonnabend für die „kriminelle“ Klamotte „Brägenklöterig un mehr“ im ausverkauften Gästehaus in Hooksiel. Das von Speelbaas Jan Gerjets inszenierte Stück ist ein Angriff auf die Lachmuskeln, gepaart mit enthusiastischer Spielfreude und als plattdeutsche Aufführung ein Bekenntnis zur Heimatsprache – ein Volltreffer zum 50. Bühnenjubiläum.

In gleißendem Licht empfing das Publikum den Anblick eines Zwei-Bett-Zimmers im Krankenhaus Sanderbusch (Dependance Hooksiel), aus dem 100 Minuten Unterhaltung geboten wurde. Bis ins kleinste Detail haben Jürgen Schirmer (Bühne), Doris Dietrich-Wenzel (Requisite), Reinhold Harms, Torben Klein (Technik), Kristina Gronde, Sabine Gerjets (Maske) das Bühnenbild als Patientenzimmer mit dem dazugehörenden Umfeld ausgestaltet.

Premierenfieber, wie die großen Vorbilder, zeigten die acht Darsteller im ersten Akt. Doch mit jedem Schritt auf der Bühne wurden die Rollen lebendiger und die Spieler wuchsen in ihre Rolle hinein, spielten sie mit Leidenschaft und wo der Text fehlte, half Topustersche Christiane Funke.

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Während die meisten Patienten der Klinik unfallbedingt „nur“ einen oder mehrere Gipsverbände trugen, lag der Fall bei Alfred Heinze etwas anders. Thomas Ulfers mimt die Rolle des brägen­klöterigen Alfred, der, nach einem Unfall von Amnesie geplagt, immer wieder aus dem Schlaf in die Biografien prominenter Persönlichkeiten schlüpft und damit bei seinen Zimmerkollegen für manche Verwirrung und Erheiterung sorgt.

Dabei bewies Ulfers seine Vielseitigkeit – ob Wallenstein, Romeo, Einstein oder Altbundespräsident Scheel – die Vorstellung hatte das Zeug für die Bretter, die die Welt bedeuten.

Hannes Besssenbinner (Frank Langenhorst) erlebt als Zimmergenosse von Alfred diese eigenwilligen Kapriolen. Rainer Popken als Patient Kurt Klopper stolperte mit seinen zwei eingegipsten Armen durchs Stück, versetzt Heinze immer wieder Kinnhaken, so dass er noch häufiger einschläft und als Prominenter erwacht. Franziska Friedrich stellt eine authentische Chefärztin Dr. Mechthild Wusler dar.

Renate Galski (Oberschwester Hiltrud) ist mit allen Wassern gewaschen und sehr auf die Nachtmedikamente bedacht, die die Patienten in Tiefschlaf für ihre unredliche „Zweitbeschäftigung“ versetzen. Anna Friedrich als Schwester Gaby liebt Miss Marple, ein Grund mehr, mit den Patienten zu sympathisieren, um dem Dieb, der parallel zu den Krankengeschichten sein Unwesen treibt, auf die Schliche zu kommen. Sie ist die gute Seele der Klinik und wohl das jüngste, wunderbar Platt snakende Ensemblemitglied der Bühne.

Trenchcoat, Hut und schlurfender Gang – so betritt Kommissar Keller (Joachim Janßen), der dem Klinikklau auf der Spur ist, die Bühne, verrennt sich dabei aber gehörig. Ulla Schmidtke (Monika Künken) als Verlobte ihres an „Brägenklöterig“ leidenden Alfred führt nicht nur neuesten Schick und Blondtönung vor, sie wird auch noch narkotisiert in der Badewanne zusammen mit Kommissar Keller und Dr. Wusler versteckt. Denn sie stören dabei, als die Patienten die Diebstahl-Aufklärung selbst in die Hand nehmen.

Am Ende lösen sich alle Rätsel, die gesundheitlichen und die kriminellen. Diejenigen, die die Premiere nicht sehen konnten, und beim „Happy End“ in der „Bruchklinik“ dabei sein und lachen wollen, haben noch die Möglichkeit am Dienstag, 30. Dezember, sowie am 2., 3., 9., 10., 16. und 17. Januar ab 20 Uhr das Krankenzimmer zu besuchen.

Ein echter Arzt musste zur Premiere ebenfalls noch gerufen werden: Fünf Minuten vor dem Schluss des letzten Akts musste für eine Besucherin der Rettungsdienst gerufen werden. Die Aufführung wurde unterbrochen und nach Stabilisierung und Abtransport der Patientin wieder aufgenommen.

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