NEUENBURG Die Familien Kuhlmann und Wiechmann haben es schon schwer. Tante Marthas Beerdigung hat allen zugesetzt. Zumindest hat sie die Erwartung auf eine lukrative Erbschaft ausgelöst, weshalb die Schweigeminute zu Ehren der Verstorbenen von Marthas Schwester Olga (Lisa Schrievers) mit Rücksicht auf die Testamentseröffnung auch rasch beendet wird. Auch Marthas Neffe Heinz (Peter Egenhoff) hält sich nicht lange mit Vorreden auf.

Dumm ist nur, dass beim Ausräumen des Haushalts ein Testament auftaucht, das ausgerechnet den Saxofonspieler Klaus (Timo Lübben) zum Alleinerben erklärt. Da Klaus von dem Testament nichts weiß, beschließen Heinz und Olgas Sohn Kurt (Rainer Behrends), das Testament zu ignorieren. Die anderen Mitglieder der Familien müssen Schweigen geloben.

Häme und Mutmacher

Das geht nicht ohne Mutmacher und Lacher ab: Mehrfach kreisen erst Bier-, dann Sekt-, schließlich Schnapsflaschen. Es wird geprügelt, gerauft und voller Häme gelacht. Doch schließlich bekommt Klaus seine Erbschaft und Tante Martha damit ihren letzten Willen.

Regisseurin Gudrun Oeltjen-Hinrichs hat eine flotte Inszenierung der Komödie „De letzte Willen“ abgeliefert, die ihr Publikum finden wird. In fünf Akten erfahren die Zuschauer einiges über die Tiefen und Untiefen der familiären Beziehungen, die am Beispiel der verwickelten Verwandschaftsverhältnisse von Tante Martha (sie tritt nur als Wandbild und in einer prä-mortalen Filmkonserve auf) ausgebreitet werden. Autor Fitzgerald Kusz hat dick aufgetragen, und doch kommt einem manches an galligen Beobachtungen bekannt vor aus Erzählungen oder gar eigenem Erleben. Wenn geerbt wird, hört der Spaß nämlich auf. Peter Egenhoff als Heinz kennt beim Erben keine Verwandten und schon gar kein Nachgeben, grell gezeichnet und lautstark gibt er die Rolle des raffgierigen Erbschleichers.

Müsker als Hausmeister

Da tritt seinen Bühnen-Ehefrau Karin (Anke Lammers) ein wenig in den Hintergrund. Etwas überkandidelt, interessiert an Rauschmitteln und Männern gibt Christin Howe als Siggi die Ehefrau von Kurt (Rainer Behrends). Der überzeugt einmal mehr mit nuancenreichem Spiel in einer Rolle, die durch spießbürgerliche Konvention und materielles Erfolgsstreben charakterisiert ist.

Als Olga brilliert Lisa Schrievers, die die Rolle der Mutter mit materiellen Interessen streitlustig und mit Wortwitz ausfüllt. Als Aschenputtel und später gar nicht so brave Tochter überzeugt auch Insa Fröhlich, die sich mit dem Alleinerben Klaus zusammentut. Die Hausmeister-Rolle füllt Ferdinand Müsker perfekt.

Das Premierenpublikum honorierte die turbulente Geschichte mit langanhaltendem Applaus und mehreren Vorhängen. Auch wenn das Stück seichte Stellen hat – äußerst unterhaltsam ist es allemal. Und das ist nicht wenig.

„De Letzte Willen“: von Fitzgerald Kusz, plattdeutsch von Rolf Petersen. Regie: Gudrun Oeltjen-Hinrichs, Regieassistenz Lutz Bode; Bühnenbild: Hermann Hinrichs.

Ensemble: Lisa Schrievers (Olga), Insa Fröhlich (Ursel), Rainer Behrends (Kurt), Christin Howe (Siggi), Peter Egenhoff (Heinz), Anke Lammers (Karin), Timo Lübben (Klaus), Ferdinand Müsker (Hausmeister Rothbüdel).

Hinter den Kulissen: Mariechen Goesmann (Souffleuse), Silke Köhler-Behrends, Gabi Uphoff (Fundus, Kostüme), Britta Bohlen, Hannelore Habben, Petra Weidhüner (Garderobe); Waltraut Blenke, Susanne Gerdes, Renate Kunde, Johanna Rusert (Schneiderei); Gerd Diers, Ewald Meine (Licht, Ton); Gerd Diers, Günther Diers, Wolfgang Fischer, Harry Heine, Hermann Hinrichs (Bühnenbau), Erwin Goesmann (Bühnenmalerei).

Termine: 14., 16., 18., 20., 21., 23., 24., 26., 28., 29. Januar und 1. Februar 20 Uhr, Sonntag, 30. Januar, 16 Uhr (Vereinshaus, Urwaldstraße 37; Karten unter Tel. 04452/918073.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.