HOOKSIEL Er war Zeit seines Lebens ein bekannter Oratorienkomponist und Musikschriftsteller – 100 Jahre nach seinem Tod ist er nahezu unbekannt. Das wollen die Wilhelmshavener Pianisten Gundolf und Svitlana Semrau ändern: Sie haben sich vor einigen Jahren des Werks des vergessenen Komponisten und Autoren Ludwig Meinardus angenommen und arbeiten seinen musikalischen Nachlass auf.

Ludwig Meinardus wurde 1827 in Hooksiel – seine Eltern lebten in einem Haus direkt am Hafen – geboren. Er besuchte das Mariengymnasium in Jever. Die Entscheidung, sich der Musik zu widmen, verdankte er offenbar Robert Schumann: „Er hat ihn als 19-Jähriger auf Norderney angesprochen und ihm Noten vorgelegt. An Schumanns Reaktion merkte er, dass seine Musik etwas taugt“, weiß Semrau.

Als Student schrieb er dann Beiträge für Schumanns „Neue Zeitschrift für Musik“, lernte bei Felix Mendelssohn 1847 in Leipzig Klavierspiel und Komposition. Weitere Stationen Meinardus’ waren Glogau, Dresden, Hamburg und Bielefeld, wo er 1896 vereinsamt verstarb.

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Hinterlassen hat er neben Noten, die in der Universitätsbibliothek Göttingen archiviert sind, auch einige Bücher, darunter eine Mozart-Biografie – „sehr lesenswert“, meint Semrau – und einen Roman „Eigene Wege“, den er 1895 geschrieben hat.

Noten mehrfach korrigiert

Bereits 2006 hatten Svitlana und Gundolf Semrau einige Klavierstücke Meinardus’ und sein großes Oratorium aufgeführt. Nun haben sie ein Klavier-Duo c-moll aufgearbeitet: Da es sich von den handschriftlichen Originalen schlecht spielen lässt, hat Semraus Bekannter Peter Hellmann die Noten auf dem Computer gesetzt und drucken lassen. „Dazu mussten wir den Notensatz mehrmals spielen und korrigieren, denn bei der handschriftlichen Notierung ist doch einiges verrutscht“, berichtet Semrau. Das sei aber nicht ungewöhnlich: „Alle Komponisten werden mehrfach korrigiert“, weiß er.

Inzwischen liegt das Duo gedruckt und gebunden vor und Svitlana und Gundolf Semrau haben angefangen zu üben. Geplant ist, das Werk bei einem Konzert im November zum 125-jährigen Bestehen des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins uraufzuführen. „Wir gehen davon aus, dass es eine echte Uraufführung wird, denn es ist nicht bekannt, dass Meinardus sein Duo c-moll öffentlich gespielt hat“, sagt Semrau: Der Komponist habe große finanzielle Probleme gehabt – „er hat nicht viele Konzerte gegeben“.

Wunderschöne Musik

In Arbeit haben die Semraus zudem ein Duo C-Dur, das Meinardus „meiner lieben Vierhändigen“ gewidmet hat.

Der Reiz Meinardus’ besteht für die beiden Wilhelmshavener Pianisten in seiner Unbekanntheit: „Als Pianist ist es wenig reizvoll, die immer gleiche Beethoven-Sonate, die schon viele andere gespielt haben, aufzuführen“, meint Gundolf Semrau. Stattdessen seien viele Pianisten auf der Suche nach Unbekanntem. „Und wir haben Meinardus für uns entdeckt“, sagt Svitlana Semrau.

Denn nicht zu vergessen sei, dass der Hooksieler Komponist wunderschöne romantische Musik geschrieben hat, die auch mehr als 100 Jahre nach seinem Tod noch hörenswert ist.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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