Jever Püttgemeinschaften gibt es in Jever mehr als 20. Und alle feiern am Montag nach dem Dreikönigstag Püttbier. Wer jedoch meint, dass jede dieser Gruppen das gleiche macht, der hat das Püttbier in Jever noch nicht miterlebt. Püttbier ist nämlich nicht gleich Püttbier.

Bis ins Jahr 1756 reicht die Tradition zurück. Pflicht sind laut Brunnenverordnung die Benennung eines Püttmeisters und die Wasserprobe. Doch ob mit oder ohne Frauen, mit Anekdoten oder ernsteren Gesprächen, mit einer Wassertaufe für Neuzugänge oder einer Fragerunde: jede Gruppe hat inzwischen ihre eigene Tradition entwickelt.

„Wasser marsch“, hieß es bei der Gemeinschaft der Cyriacus-Pütt. Dort wurde eine „Wasserprobe“ entnommen – auch wenn die kalte, klare Flüssigkeit einen etwas anderen Geschmack hatte. In jedem Jahr singen die Püttmitglieder auch ein traditionelles Püttlied, zu dem jeder neue Püttmeister eine Strophe hinzudichten muss. „Nach 30 Strophen haben wir allerdings aufgehört, sonst singen wir ja ewig.“

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Taufe ohne Gnade

Auch die Püttacht der drei Brunnen Marstall/Kleine Rosmarinstraße/Kirchpütt sang fröhliche Lieder. Ernst wurde es aber für die Neuzugänge Christoph Arndt, Dr. Michael Rudolph und Michael Stegle. „Wir kennen da keine Gnade, wir machen das jetzt so wie immer“, sagt Fritz Oltmanns. Die Köpfe der drei werden so lange mit Wasser beträufelt, bis sie ein großes Glas voll Schnaps ausgetrunken haben. Als Profi stellte sich der heraus, der am Ende kein Handtuch benötigte.

Um einen nassen Kopf kamen auch die Neulinge Johann Michels-Lübben, Thorsten Harms und Thorsten Schletter nicht herum – Altmeister Hendrik Schultz vollzog eine Wassertaufe an der Pütt Bremer Schlüssel: Die Neuen mussten ihre Köpfe ins laufende Brunnenwasser halten – erst dann waren sie offizielle Mitglieder.

Etwas anders wurden die Neuen der Mönchwarfs-Pütt Reiner De Jonge und Jan Blanke aufgenommen: Sie mussten Fragen rund um die Pütt beantworten. Nach einem gemütlichen Abend übergab Folkert Rieniets Zylinder und Amtskette an Peter Ennen, der gleichzeitig auch eine Urkunde für 40-jährige Mitgliedschaft bekam.

Meisterwechsel fand auch in der Gemeinschaft der Rats- und Albanipütt statt. „Die Verantwortung übernimmt jetzt Knut Kreye – um zwölf Uhr bekommt er die Insignien der Macht überreicht“, kündigt Adjutantin Gerda Dirks an. Einen Zylinder hat die Gemeinschaft zwar nicht mehr, dafür aber einen Söker. „Damit muss der neue Meister allerlei aus dem Brunnen fischen – Abfall, Ratten, gefallene Kinder. . .“ Nach und nach stehen Mitglieder auf, erzählen Witze und Anekdoten. „Das geht jetzt den ganzen Abend so weiter“, sagt Dirks.

Dass es aber auch durchaus ernstere Themen gibt, die in der Gruppe besprochen werden, zeigt die Küsterspütt-Gemeinschaft. „Wir erinnern auch an die Stadtgeschichte und die frühere Pütt“, erzählt Altmeister Helmut Casper.

Die Gemeinschaft der St. Annen-Pütt erinnert ebenfalls an alte Traditionen. „Mein Uropa war Altgeselle, mein Opa und mein Onkel waren Altgesellen – und so bin ich es jetzt auch“, erzählt Alf Krüger. Seine Aufgabe: die Gemeinschaft durch den Abend führen. Mitglied ist er bestimmt schon seit 20 Jahren, sagt er, und holt die alten Püttbücher heraus. „Dort ist alles protokolliert, was bei den Festen besprochen wird – sieh mal an, meine ganzen Unterschriften“, meint Krüger.

Frauen gibt es unter den 43 Mitgliedern der St. Annen-Pütt-Gemeinschaft nicht. „Das war früher so und das behalten wir bis heute bei“, sagt Krüger. Anders ist das dagegen bei der Kattrepel-Pütt, an der sich auch Frauen zum Püttbier treffen. Wer in der Nacht Amtskette und Zylinder von Altmeisterin Frauke Frenzel übergeben bekommen soll, wird spontan entschieden. „So, wer möchte denn mein Nachfolger werden?“, fragt Frenzel – Elke Glenz hebt die Hand und wird im Fackelzug zur Übergabe an den Brunnen geleitet.

295. Püttbier

Die Gemeinschaft der Wangerpütt konnte man schon von Weitem hören – statt mit leuchtenden Fackeln zog sie nämlich gegen Mitternacht Topfdeckel schlagend zu ihrem Brunnen, der sogar wieder Wasser gibt. Für die Probe griff die Püttgemeinschaft jedoch zu anderen Flüssigkeiten.

Bereits zum 295. Mal trafen sich die Mitglieder der Wangerpütt. Mit Hermann Hohlen am Akkordeon sangen sie traditionelle Pütt-Lieder, Püttmeister Egon Hohn hielt einen historischen Vortrag für die Gemeinschaft. Neumitglieder sind Hueseyim Akkurt, Ingo Oestreich und Sebastian Blischke.

Auch wenn inzwischen jede der Gruppen in Jever ihre eigene kleine Tradition hat, eines verbindet sie doch alle: die Gemeinschaft.


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Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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