Osterforde /Ruttel Seit 70 Jahren verheiratet sind die 92-jährige Mathilde Egidius und ihr 95-jähriger Mann Werner Egidius. Jahrzehntelang hat das Ehepaar im eigenen Haus in Ruttel gewohnt, doch nun sind die beiden umgezogen – ins Pflegeheim Osterforde. „Das wurde uns dann doch etwas zu viel“, sagt Mathilde Egidius. Zusammen leben sie nun in einem gemütlich eingerichteten Doppelzimmer. „Hier geht es uns gut“, sagt Mathilde Egidius, denn viele Haushaltstätigkeiten werden ihr abgenommen. Und ihr Mann Werner betont: „Wir sind den ganzen Tag unterwegs. Mit unseren Rollatoren ist es ganz schön weit zum Frühstück, Mittag, Kaffee trinken und Abendbrot.“

Vor 70 Jahren haben sich die beiden das Ja-Wort gegeben: Am 6. April 1948 haben Mathilde und Werner Egidius in Bockhorn geheiratet. Es war „eine sehr schlechte Zeit“, in der es nichts gab. Im ausgeliehenen Brautkleid fuhr Mathilde mit ihrem späteren Mann Werner mit einem geliehenen Automobil zur Trauung. Das Benzin für die Fahrt dorthin mussten sie damals mitbringen. „Wir hatten ja nach dem Krieg nichts mehr, nicht einmal ein Fahrrad“, erinnert sich Werner. „Trotzdem war es eine schöne Feier, mit selbst gemachtem Schnaps und Bier.“

Kennen gelernt haben sich die beiden auf einer Kuhweide: Mathilde, die bei Bauern in Anstellung war, und der verwundete Kriegsheimkehrer Werner versorgten die Kühe auf benachbarten Weiden. Er warf dann schon mal einen Blick auf das Mädel und hatte ihr auch mal einige Äpfel mitgebracht. „Doch die haben die Kühe gefressen, als wir uns so schön unterhielten“, weiß Werner Egidius noch von einer der ersten Begegnungen. Bald verliebten sie sich und heirateten.

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Das junge Paar zog in sein Elternhaus, und Werner stieg in den Gemüsehandel der Familie ein. Anfangs ging es mit dem Fuhrwerk bis zum Markt nach Wilhelmshaven. Später war er Gemüsefahrer bei einem Großhandel. In seiner Freizeit war er in vielen Vereinen tätig. Seit 80 Jahren gehört er dem Boßelverein an und war dort auch viele Jahre Vorsitzender. Seine Frau Mathilde suchte den Ausgleich zum Familienalltag in ihrer Leidenschaft für Handarbeiten, sie stickte und strickte gerne.

Trotz all der Fürsorge im neuen Heim vermisst das Paar sein gemeinsames Hobby. Fast 40 Jahre betrieben sie eine Blaubeerplantage im Moor. So waren sie viel an der frischen Luft, hegten und pflegten die Pflanzen und ernteten die gesunden Früchte. Gern zeigt Werner Egidius einige Erinnerungsfotos und Zeitungsberichte darüber herum. „Die gut 300 Heidelbeer-Halbsträucher konnten nur in Handarbeit geerntet werden, da die Beeren in unterschiedlichen Reifestadien an den Trieben hingen“, erklärt er. „Es war doch toll, solch ein Hobby zu haben, statt auf dem Sofa älter zu werden“, betont Mathilde. Heute drehen sie mit ihren Rollatoren so manche Runde durch den großen Garten des Heims. An diesem Freitag freuen sich Mathilde und Werner Egidius auf die Gnadenhochzeitsfeier mit den drei Söhnen, drei Enkeln und Mitbewohnern in gemütlicher Runde – und sie würden sich über einige Heidelbeersträucher vor ihrem Fenster freuen.

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