Oldenburg /Obenstrohe /Vegesack Der Schriftsteller und Lehrer Georg Ruseler starb vor 100 Jahren, am 6. März 1920. Laut Biographischem Handbuch des Oldenburger Landes (1992, herausgegeben von der Oldenburgischen Landschaft) starb Ruseler, der Verfasser erfolgreicher Theaterstücke, Gedichte und Erzählungen, in Oldenburg. Seit ein paar Jahren kursieren jedoch andere Angaben über seinen Todesort. In verschiedenen Internetauftritten wird Vegesack als Todesort genannt.

Tatsächlich ist in Vegesack eine Straße nach Georg Ruseler benannt. Und eine Anfrage beim Amt für Straßen und Verkehr der Hansestadt ergab, dass in Vegesack der oldenburgische Dichter Georg Ruseler geehrt wurde. Weitere Hinweise auf Ruselers Bezug zu Vegesack gibt es dort aber nicht. Gleichwohl behaupten Einträge der Internet-Enzyklopädie Wikipedia sowie die Internet-Sammlung Linkfang.org (die sich bei Wikipedia bedient) Vegesack als Todesort von Ruseler.

Quelle dieses Fehlers im weltweiten Netz ist offenbar das Bremer Straßenlexikon Band 12 (Vegesack und Blumenthal). Dort heißt es auf Seite 48 zur Georg-Ruseler-Straße in Vegesack: „Laut Senatsbeschluss vom 1.12.1953 benannt nach Ruseler, Georg, 1865 bis 1920, oldenburgischer Dichter.(…) Ruseler starb in Vegesack.“

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Misstrauen ist angebracht. Ruseler lebte in Oldenburg, wo er Rektor der Stadtknabenschule B (heute Röwekampschule) gewesen war. Und im Heimatarchiv in Varel gibt es eine Todesanzeige, die im Ruseler-Zimmer des Heimatvereins Varel ausgestellt wird. In der Anzeige, die vom 8. März 1920 datiert ist, wird zur Trauerandacht für Georg Ruseler für den 10. März eingeladen, und zwar in die Kapelle des Peter-Friedrich-Ludwigs-Hospitals (in Oldenburg). Anschließend, so ergibt sich aus der Anzeige, sollte der Leichnam nach Bremen zur Einäscherung überführt werden. Sein Grab befindet sich auf dem Gertrudenkirchhof in Oldenburg.

Aufschluss über die letzten Lebenstage Georg Ruselers gibt der Nachruf, der am Sonntag, 7. März 1920, in der Oldenburger Tageszeitung Nachrichten für Stadt und Land erschien. Man darf annehmen, dass der literarisch interessierte Chefredakteur Wilhelm von Busch den Nachruf verfasste. „Seit Tagen erwartet, kam der Tod dennoch schmerzlich überraschend: Gestern Abend 6 ½ Uhr schlummerte Georg Ruseler im P. Friedr. Ludw.-Hospital nach mehreren Wochen eines trostlosen Krankenlagers sanft und schmerzlos in die Ewigkeit hinüber. Die unmittelbare Todesursache war Gehirnhautentzündung, eine schnell fortschreitende Tuberkulose, die ihm bereits seit mehreren Tagen mit dem Bewußtsein zugleich die Schmerzen nahm. Auf der Höhe des Mannesalters, im 55. Lebensjahre, raffte das Geschick den Geistesregen und Nimmermüden hinweg, mit grausam kalter Hand viele Hoffnungen und Entwürfe zerstörend.“

Die Nachrichten für Stadt und Land schildern auch die letzten Lebenswochen. Ruseler hatte sich im Dezember 1918 aus dem Schuldienst beurlauben lassen, aus gesundheitlichen Gründen und weil er wieder seiner schriftstellerischen Arbeit nachgehen wollte. Am 7. Januar 1920 trat er wieder in der Schule an, brach jedoch nach acht Tagen zusammen. Anfang Februar musste er sich ins Peter-Friedrich-Ludwigs-Hospital begeben. Am 6. März starb er dort – und nicht in Vegesack.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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