VAREL Die Geschichte der Juden in Varel ist seit der Veröffentlichung von Pastor i.R. Rudolf Brahms gut erschlossen. Seit dem Erscheinen seines Buches „Geschichte einer ungeliebten Minderheit“ (Oldenburg, 2006) sind jedoch eine Reihe von Quellen zugänglich, die weder Brahms noch der Vareler Historiker Holger Frerichs kannten. Frerichs hat sich in jüngster Zeit intensiv mit neu aufgetauchten Akten und Verzeichnissen über die Judenverfolgung auseinandergesetzt. Sein Zwischenfazit: In Teilen muss die Geschichte der Judenverfolgung in Varel neu geschrieben werden.

Mittlerweile sind Deportationslisten aufgetaucht, die belegen, wer und wann in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten getrieben wurde. Bislang war als Datum immer der 23. Juli 1942 als Tag belegt, an dem die letzten Vareler Juden deportiert wurden. Das Datum ist korrekt. Nach neuestem Erkenntnisstand sind an jenem Tag 23 Juden, die aus Ostfriesland stammten, aus einem Haus in der Schütting­straße deportiert worden. Es handelte sich um Betty und Louis Wolff sowie 21 weitere ältere Juden, die über Bremen und Hannover nach Theresienstadt deportiert wurden. Dort kamen 16 von ihnen um. Weitere sieben, darunter Betty und Louis Wolff, wurden von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, wo sie umkamen.

Der eigentliche Besitzer des Hauses, Ernst (Sally) Weinberg, war zusammen mit seiner Schwester Henriette und vier weiteren Bewohnern seines privat betriebenen Altersheims bereits am 23. Oktober 1941 von Varel nach Emden geschafft worden. Mit 116 weiteren Juden aus Ostfriesland wurden sie von dort nach Lodz (damals Litzmannstadt) ins Ghetto deportiert, wo die Weinbergs umkamen.

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Was lange nicht bekannt war: Über die Enteignung des jüdischen Eigentums in Varel gibt es Akten, die nicht vernichtet wurden. So ist in der Grundbuchakte im Amtsgericht die Konfiszierung des Eigentums von Ernst Weinberg belegt. Sie ist erhalten wie auch Finanzamtsakten. Die restliche Habe Weinbergs wurde 1941 in einer öffentlichen Auktion versteigert, worüber eine Ankündigung im Gemeinnützigen veröffentlicht wurde. „Über jeden einzelnen Löffel musste das Finanzamt Rechenschaft ablegen. Die Papierspur ist breiter geworden“, beschreibt Frerichs die Aktenmengen, die die Entrechtung der jüdischen Bürger dokumentieren.

Dokumentiert sind auch Todesfallanzeigen aus Theresienstadt, erhalten sind Transportlisten von Juden aus der Region nach Majdanek, Treblinka und Auschwitz. Selbst die Nummern der Deportationszüge sind erhalten. Im Falle der nach Theresienstadt Deportierten aus Ostfriesland und Varel weiß man dadurch sogar, wer mit wem in die Todeslager gekommen war.

Für Holger Frerichs, der schon mehrere Bücher über historische Themen wie Weimarer Republik und Nazi-Zeit veröffentlicht hat, sind die neuen Funde Anlass für eine neue Veröffentlichung. Sie soll möglichst zum 70. Jahrestag der Deportation der letzten Vareler Juden erscheinen.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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