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Neuenburg „Das war eine der florierendsten Werkstätten im Nordwesten. Heute ist es kaum vorstellbar, wie heiß die Leute darauf waren, Möbel aus der Müllerschen Werkstatt zu bekommen“, sagt Professor Dr. Uwe Meiners. Für ihn ist das Gebäude, das in Neuenburg an der Straße Zum Bahnhof steht, ein Schatz, von dem viel zu wenige wissen und dessen touristisches Potenzial noch unentdeckt schlummert.

Professor Meiners leitet den Verein „Zentrum für Holz- und Möbelrestaurierung zur Sicherung des denkmalgeschützten Werkstattgebäudes Müller in Neuenburg“. Doch der Erhalt der Müllerschen Werkstatt ist längst nicht mehr das einzige Ziel des Vereins. Die Mitglieder wollen, dass dem Haus die Aufmerksamkeit zuteil wird, die es verdient hat. Sie wollen es für die Öffentlichkeit zugänglich und die Geschichte des Gebäudes mit einer lebendigen Ausstellung erlebbar machen.

„Das ist eine Riesenchance für Neuenburg“, sagt Professor Meiners. Denn die Möbeltischlerei von Diedrich Müller war einst das Zentrum für hochwertige, handgefertigte Möbel schlechthin. Volle Auftragsbücher, handgeschrieben in Kladden, zeugen noch heute von der prominenten und zahlungskräftigen Kundschaft des Neuenburger Möbeltischlers.

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Ehrgeiziges Ziel

Müllers ehemalige Werkstatt in Neuenburg wird heute als Restaurierungszentrum genutzt. Die Diplom-Restauratorin Anja Hänisch restauriert dort seit zehn Jahren Möbel und andere Holzstücke für private Auftraggeber und öffentliche Institutionen. Selbstständige Restauratoren können das Restaurierungszentrum in Absprache mit Anja Hänisch nutzen, um dort zu arbeiten. Zur Verfügung gestellt wird das Haus von der Gemeinde Zetel.

Aufruf: Kurator bittet um Hilfe

Der Kurator der Ausstellung, Cai-Olaf Wilgeroth, begibt sich nun zunächst auf die Suche nach weiteren Ausstellungstücken und Zeitzeugenberichten. Jeder, der etwas über die Müllersche Werkstatt berichten kann, der Möbel aus der Werkstatt zu Hause hat oder mit seinem Wissen den Fundus der Ausstellung bereichern kann, kann sich bei Cai-Olaf Wilgeroth melden.

Erreichbar ist der Neuenburger per Mail an cai-olaf.wilgeroth@gmx.de sowie unter Tel. 04452/919221.

Außerdem steht in dem Gebäude noch ein reicher Fundus an Original-Müller-Möbeln, Werkzeugen und Glasnegativen von Fotos, die von der Blütezeit der Möbelwerkstatt zeugen. Doch wer weiß das schon? Regelrecht verschwendet sei das Potenzial dieses Hauses, findet der Vereinsvorstand.

Deswegen hat jetzt Cai-Olaf Wilgeroth ein ehrgeiziges Ziel: Der Neuenburger will das Restaurierungszentrum in die öffentliche Wahrnehmung rücken. Der Ausstellungsleiter und wissenschaftliche Mitarbeiter am Museumsdorf Cloppenburg ist der Kurator der geplanten Ausstellung im Restaurierungszentrum. Die vielen Dinge, Zeitzeugen der Geschichte des Möbelortes Neuenburg, müssten der Öffentlichkeit gezeigt werden – aber eben nicht einfach so. „Die Bedeutung der Dinge macht ihren Wert aus“, sagt Wilgeroth, und diese Bedeutung gelte es, in der Ausstellung zu vermitteln. Denkbar sei auch ein Ausstellungsraum, in dem die Familie Müller dargestellt werde. Und nicht nur die Möbel, Werkzeuge, Fotos und Geschäftsbücher, auch das Gebäude selbst als „historisch genutztes Raum-Objekt“ sei von großem Wert. Die Gäste der neuen Ausstellung sollen mit der multimedial aufbereiteten Geschichte auf Zeitreise gehen können – und weil es bei Holz um ein sehr „haptisches“ Thema ginge, sei auch eine Pädagogik zum Anfassen geplant, sagt Wilgeroth.

Bisher ist das Restaurierungszentrum nur bei den Gästeführungen mit Werner Kleinschmidt zugänglich. Das ist schonmal ein Anfang, findet der Verein. Doch das Gebäude gibt noch mehr her. Nun begibt sich Kurator Cai-Olaf Wilgeroth zunächst auf die Suche nach weiteren Zeitzeugenberichten und Ausstellungsstücken. Die Ausstellung soll im September kommenden Jahres fertig sein. Gefördert wird sie von der Gemeinde Zetel, von Kulturstiftungen, der Oldenburgischen Landschaft und der Werner-Müller-Stiftung.

Prominente Kunden

Die Liste der Kunden von Diedrich Müller war lang und prominent: von namhaften und reichen Oldenburger Bürgern und Kaufleuten über Prinz Heinrich von Preußen, Gräfin Schweinitz, Geheimrat Funch, Admiral Scheer bis zu seiner Kaiserlichen Hoheit. Zu den Kunden gehörte auch Prinz Eitel Friedrich („Eitel Fritz“), der zweite Sohn des Kaisers, für den Müller die Zimmereinrichtung zur bevorstehenden Hochzeit mit Charlotte von Oldenburg herstellte. „Das wertvolle Mobiliar ist sehr geschmackvoll gearbeitet und kann zur Besichtigung empfohlen werden“, schrieb „Der Gemeinnützige“ am 3. Februar 1906. Und drei Tage später: „Der Tischlermeister Diedrich Müller hatte einen starken Besuch auswärtigen Publikums, das die fertiggestellte Zimmereinrichtung des Prinzen Eitel Friedrich besichtigte. Besonders am Sonntag war der Besuch ein derartiger, daß sämtliche Räumlichkeiten des Herrn Müller gedrängt voll standen. Man hörte allgemeines Lob über die Möbelstücke“. Empfohlen waren die betuchten Kunden aller Wahrscheinlichkeit nach von ranghohen Offizieren der kaiserlichen Marine in Wilhelmshaven. Und sogar für den Kaiser selbst fertigte Diedrich Müller offenbar Möbel: Im Gemeinnützigen findet sich eine Notiz am 9. Januar 1906: „Herr Tischlermeister D. Müller, Antikgeschäft, erhielt heute vom Kaiserlichen Hofe aus Berlin ein Sofa und andere Möbel zugeschickt, nach denen Herr Müller noch neue Sachen in antikem Stil anzufertigen hat.“

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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