WANGEROOGE Der 39 Meter hohe Turm war das erste Gebäude im neuen Dorf. Am 4. August wird er groß gefeiert.

Von Melanie Hanz WANGEROOGE - Im Keller des Alten Leuchtturms auf Wangerooge blüht der Salpeter. „Die Backsteine, aus denen der Leuchtturm gemauert wurde, lagen im Wasser – sie sind noch immer feucht“, erklärt Jan-Even Gerdes. Seit 16 Jahren betreut er als „Leuchtturmwärter“ Turm und Heimatmuseum.

Als der Leuchtturm 1855/56 gebaut wurde, hatte die Nordseeinsel noch keinen Hafen. „Die Steine für den Turmbau wurden bei Hochwasser an Wangerooge herangefahren und dann ins Watt geworfen. Bei Niedrigwasser haben die Insulaner sie dann geborgen“, erzählt Gerdes. Gegen die Feuchtigkeit im Turm arbeitet eine Entfeuchtungsanlage an.

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Geschadet hat die Salzwassertaufe den Steinen offenbar nicht: das Wahrzeichen Wangerooges feiert in diesem Jahr 150. Jubiläum.

„Eigentlich sollte nach der Sturmflut 1854/55 die Bevölkerung Wangerooges komplett aufs Festland umgesiedelt werden“, berichtet Gerdes. „Aber die Leute hier waren schon damals stur.“ So wurde der neue Leuchtturm, der das 1830 im Inselwesten erbaute und durch die Sturmflut arg in Mitleidenschaft gezogene Seezeichen ersetzte, zugleich das erste Gebäude des heutigen Ortes.

„Gut ein Drittel der damals 342 Bewohner kehrte auf die Insel zurück und baute rund um den Leuchtturm das neue Dorf“, sagt Gerdes.

Ursprünglich 32 Meter hoch, wurde der Turm 1926/27 auf 39 Meter erhöht, weil die inzwischen entstandenen Hotels im aufgeschütteten Inselnorden das Leuchtfeuer verdeckten. Zugleich wurde das seit 1896 elektrisch betriebene Leuchtfeuer modernisiert.

In einem Lampenhaus, das den Erschütterungen durch Stürme und durch das Schießen der schweren Batterien der Insel standhielt, wurde ein Doppelfeuer installiert mit einer Reichweite von 56 Kilometern. Obwohl der Alte Leuchtturm schon lange keine Schiffe mehr in die Außenjade geleitet – am 10. November 1968 verlosch das Nordost-Leitfeuer, am 7. November 1969 das Nordwest-Leitfeuer und das Nebenfeuer zum Wattenmeer hin wurde am 9. Dezember 1969 abgeschaltet – ist er noch immer etwas ganz Besonderes: 1980 wurde in seinem Fuß ein Heimatmuseum errichtet, das einen Überblick über das Leben auf der Insel, den Tourismus und die militärische Vergangenheit bietet.

Die ehemalige Wachtstube der Leuchtturmwärter beherbergt seit zehn Jahren ein Trauzimmer, wo sich Paare von überall her das Ja-Wort geben. In diesem Sommer wird bereits das 3333 Paar zur Hochzeit erwartet.

Gefeiert werden die 150 Jahre des Alten Leuchtturms in diesem Jahr als Doppeljubiläum: Da der Bahnhof des Inseldorfs 100 Jahre alt wird, laden Kurverwaltung und Schifffahrt und Inselbahn am 4. August gemeinsam zum Fest ein.

Turm-Gemäuer arbeitet im Sturm

Der Alte Leuchtturm wurde um einen Süßwasserbrunnen herum gemauert. So hatten die Maurer gleich das benötigte Wasser zur Verfügung. Die Steine sind nicht fest fixiert, so haben sie Spiel zum Arbeiten – der Turm ist dadurch stabiler.

Nach Stilllegung des Leuchtfeuers setzte sich Hans-Jürgen Jürgens für den Erhalt des Leuchtturms ein. Schließlich übernahm die Gemeinde Wangerooge das Gebäude für symbolische 1 Mark vom Wasser-Schiffahrtsamt. Seitdem wird der Alte Leuchtturm als Aussichtsturm genutzt.

Von seiner Galerie aus hat man einen herrlichen Ausblick über die Insel, das Wattenmeer und die Schiffahrtswege – allerdings muss der Besucher dafür 161 Stufen bewältigen.

Rund 50 000

Besucher steigen jedes Jahr die 161 Stufen des Turms hinauf

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