SILLENSTEDE Der Karneval hat in Sillenstede einen hohen Stellenwert. Dabei wird an der alten Tradition festgehalten, am Rosenmontag einen Ball zu feiern. Bekannt war bisher nur, dass im Ort weit über hundert Jahre am Montag gefeiert wird. Tatsächlich findet der Rosenmontagsball in diesem Jahr zum 175. Mal statt, hat der Chronikkreis von Sillenstede jetzt festgestellt.

Aufschluss gibt das Protokoll des Kirchspielausschusses der Gemeinde. Diese Ausschüsse gab es in den früheren Kirchspielgemeinden als Vorgänger der heutigen Kirchen- und Gemeinderäte. Getrennt gibt es erst seit 1848 Kirchenräte und ab 1856 auch die Gemeinderäte. Vom Sillensteder Kirchspielsausschuss sind die Protokolle aus der fraglichen Zeit noch vorhanden.

Kirchenrat gibt Erlaubnis

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In schwungvoller altdeutscher Schrift hat der Kirchspielsvogt Gerriet Taddiken aus Grafschaft im Protokollbuch über die Sitzung vom 4. Februar 1836 unter Punkt 3 notiert: „Ebenfalls bat der Wirth und Rechnungsführer Freese um Erlaubniß zur Tanzmusic auf d. 15. d. M als dem Fastabend. Weil dann die Fastenzeit eintritt und lange keine Music wieder gegeben werden darf, so fand auch hiergegen der Ausschuß nichts zu erinnern (einzuwenden) wenn Freese für Ruhe und Ordnung sorge.“ Diesen einstimmigen Beschluss haben die beteiligten Ausschussmänner (Ratsherren) Heike Gerken, Christian Anton Bleker, Gerd Hinrichs Janshen, Folkert Hinrichs Folkers, Onke Hinrichs Frerichs und Harm Baljsen Eilers einzeln und eigenhändig unterschrieben.

Der „15. dieses Monats“ bezeichnete den 15. Februar 1836, der auf einen Montag fiel und nach heutigem Kalender der „Rosenmontag“ ist, auch wenn diese Bezeichnung in dieser Zeit noch nicht üblich war.

Der Gastwirt und Rechnungsführer Jacob Willms Freese bewirtschaftete das Krughaus „Rathaus“ an der Dicktonnenstraße. Es erhielt diesen Namen, weil hier auch die öffentlichen Sitzungen des Kirchspielsausschusses und später auch die der Gemeindevertretungen abgehalten wurden.

Dieses Gasthaus gibt es schon lange nicht mehr, es lag unweit des jetzigen „Sillensteder Hofes“ in dem heute wieder gefeiert wird, hat Heimatforscherin Doris Wolken ermittelt. Auf eine 175-jährige Tradition kann damit beim Rosenmontagsball zurückgeschaut werden.

Gewerbe pflegt Tradition

Nach dem Startschuss zum Sillensteder Rosenmontag gab es in den folgenden 120 Jahren Einzelveranstaltungen auf Initiative der ortsansässigen Gastwirte und anderer Interessenten, wie Genehmigungen für Tanzveranstaltungen sowie auch die viele Anzeigen und Berichte in den Tageszeitungen beweisen. Ein kontinuierlich gestaltetes Fest gab es erstmals seit 1956. Die Organisation hat seit jetzt 55 Jahren die Gemeinschaft von Handwerk, Handel und Gewerbe.

Die Anregung dazu ging 1956 von den Meistern Adolf Ommen, Karl Graalmann, Heinrich Eggers und Fritz Vienup aus. Ihr Aufruf stieß auf gute Resonanz.

Festgelegt wurde, dass der Handwerkerball weiterhin am Rosenmontag stattfinden soll. Das Fest am Rosenmontag 1956 war sehr gut besucht.

Die Festfolge wurde fortgesetzt und 1960 der erste Orden verliehen. Im Jahr 1961 gingen etliche Handwerker in die Bütt, um in launigen Vorträgen die Ereignisse im Ort „aufs Korn“ zu nehmen. Erstmals bildete sich in Sillenstede ein Elferrat. Die offizielle Bezeichnung „Rosenmontagsball“ gab es für das Fest der Handwerker ab 1962.

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