Jever Es sei irgendwie surreal, durch die gleichen Straßen zu gehen wie vor 80 Jahren seine Familie, sagt Zach Katz. Der 18-Jährige kommt aus Vancouver, in Jever ist er zurzeit auf der Suche nach Spuren seiner Urgroßeltern Änne und Hermann Gröschler und ihren Kindern. Gröschler war bis 1939 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Jevers und kam 1944 im KZ Bergen-Belsen um. Seine Frau überlebte und ging mit einem Austausch-Transport nach Israel.

Namen eingesprochen

London, Amsterdam, Rotterdam, Jever, das KZ Bergen-Belsen und Warschau wird er besuchen, bevor er nach Kanada zurückkehrt. „Es ist sehr speziell, hier zu sein“, sagt er. Mit auf die Weiterreise nimmt Zach die CD „Denkmal“ von Hellhead. Vor zwei Jahren schon feierte „Hellhead“ die Uraufführung ihres Songs „Denkmal/Männer vom Meer“ beim traditionellen Pogrom-Gedenken an der ehemaligen jeverschen Synagoge. Die Band mit Wurzeln im Jugendhaus Jever hatte die Melodie des Liedes „Der Hoyfzinger Fun Varshever Ghetto“ an den Anfang gestellt, auf die Musik sprechen mehrere Kinder und Jugendlichen die Namen von zwölf jeverschen Juden, die im Dritten Reich in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Schon lange stand fest, dass Hellhead mit seiner Punk-Metal-Rock-Scheibe den Arbeitskreis Gröschler-Haus insbesondere bei der Erinnerungsarbeit mit Jugendlichen unterstützen will. Deshalb hat die Band vier Songs – neben „Denkmal“ das Stück „Migranten“, „Guantanamo-Express“ über Pegida-Aktivisten und „Hardpunk“ über das Ausbrechen aus Gruppenzwängen – auf eine eigene Scheibe gebrannt. Die überreichten Matthias Adler und Phil Wilken am Sonntag an den Gröschler-Arbeitskreis.

Gegen Rassismus

Bei der Entstehung von „Männer vom Meer“ hatte Arbeitskreis-Vorsitzender Volker Landig mitgewirkt, hatte Adler geholfen bei der Namensauswahl, die die Kinder und Jugendlichen dann einsprachen.

„Oft treffen wir uns einfach zum Jammen – und dann ist nicht klar, was am Ende dabei herauskommt“, berichtete Adler. „Männer vom Meer“ sei das Ergebnis einer solchen Session und bestens geeignet als Gedenksong fürs Gröschler-Haus. Denn die Punk-Metal-Rocker von Hellhead setzen mit ihrer Musik auch ein Zeichen gegen den wieder erstarkenden Rassismus.

Zur Übergabe der CD „Denkmal“ hatten sich alle am Denkmal für die ermordeten Juden Jevers an der Mauer des Amtsgerichts getroffen. Denn die zwölf Namen in „Männer am Meer“ sind alle auf den Gedenktafeln zu finden – auch die Namen der Gröschlers.


Video unter   www.youtube.com/nwzplay 
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Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever

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