Jever Die Ochsenaugen wurden eigens beim Bäcker in Auftrag gegeben, dazu Kuh-Bonbons und Milch – mit zünftiger Verkostung hat der Arbeitskreis Gröschler-Haus gemeinsam mit Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Siewert die Ausstellung „Jever und die Marktsprache der Viehhändler eröffnet.

Die Sonderausstellung

„Jever und die Marktsprache der Viehhändler“ ist bis 13. Januar im Gröschler-Haus, Große Wasserpfortstraße 19, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 12 Uhr, Donnerstag 16 bis 18.30 Uhr, Freitag 10 bis 12 Uhr.

    groeschlerhaus.eu

Die Ausstellung ist Abschluss des Forschungsprojekts Siewerts auf der Ostfriesischen Halbinsel zur „Geheimsprache“ der Viehhändler.

„Die Ausstellung kommt eigentlich zu spät“, sagte Volker Landig: „Denn spätestens 1939 war der jüdische Viehhandel Vergangenheit. Aber es gibt noch Spuren davon.“ Die Viehhändler nannten ihre Sprache Hebräisch – „doch sie wurde längst nicht nur von jüdischen Händlern gesprochen“, sagte Siewert. Bedeutende Zentren des Viehhandels lagen in Leer (Gallimarkt), Vechta (Stoppelmarkt), aber auch in Jever, Varel, Zetel, Brokum. Der Jeversche Viehmarkt hatte seine Blütezeit zwischen 1871 und 1914.

Siewert hat mehrere Jahre lang mit noch lebenden Sprechern der Marktsprache Interviews geführt und seine Erkenntnisse im Buch „Die Marktsprache der Pferde- und Viehhändler in Norddeutschland“ zusammengefasst (die NWZ berichtete). Genutzt wurde die „Geheimsprache“, damit sich Viehhändler untereinander austauschen konnten, ohne dass Außenstehende verstanden, worum es ging.

Neben Infotafeln zur Marktsprache der Viehhändler, zu Sprecherbefragungen, besonderen Funden und Zahlen hat Hartmut Peters Fotos und Dokumente über den Viehhandel in Jever zusammengestellt.

Als Besonderheit zu sehen ist im Gröschler-Haus das bisher einzige noch vorhandene Exemplar des „Wörterbuch der jüdischen Geschäfts- und Umgangs-Sprache“. Siewert hatte es bei Feldforschungen in Jever in die Hände bekommen. Es stammt aus dem Besitz von Manfred Springer, der einst als Viehhändler auf Viehmärkten in Westfalen unterwegs war. Die so genannte Enthüllungsschrift – also ein Wörterbuch zur Entschlüsselung der Geheimsprache – wurde um 1920 in Nürnberg gedruckt. Es diente als Vorlage des bis heute erhältlichen Büchleins des Bonner Fachverlags „Vieh und Fleisch“.

Siewert und der Arbeitskreis Gröschler-Haus hoffen, dass die Ausstellung auch von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen entdeckt und genutzt wird.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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